Lustiger Witwer (88) zerrt "Braut" vor Gericht

Freising - Ein 88 Jahre alter Witwer wollte nicht länger allein sein. Er gab eine Kontaktanzeige auf. Seine Wahl fiel auf eine 50-jährige Dame. Die Brautschau endete vor Gericht.

Als im Februar 2011 Schmuck und Leder aus seinem Haus verschwand, beschuldigte der Freisinger die Begleiterin in spe, eine Heilpädagogin aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Vor dem Amtsgericht Freising wurde der 50-jährigen Dame nun der Prozess gemacht.

So ganz ist aber selbst nach dem Abschluss der Verhandlung nicht klar, zu welchem Zweck der Senior die Anzeigen geschaltet hatte. 30 Damen, die er nacheinander zur „Begutachtung“ in seine Wohnung lud, hatten sich gemeldet. Den Ausschlag für die Angeklagte gab, dass sie als Krankenschwester ausgebildet ist. Nicht minder wichtig war offenkundig, dass die Damen ein gewisses Alter nicht überschritten sowie von ansehnlicher Statur sind.

Laut der Angeklagten hatte es der Witwer explizit darauf abgesehen, eine Lebensgefährtin zu freien, die ihm auch Intimitäten nicht verwehren würde. Als sie nach vier Wochen erstmals in seiner Wohnung übernachtete, sei ihr nur das Doppelbett geblieben. Sicherheitshalber hatte sie Bettzeug sowie einen Schlafsack mitgebracht, in den sie auch schlüpfte, als der Senior nicht locker ließ. Am nächsten Tag fehlten dann die Wertgegenstände - darunter eine kostbare Damenuhr, Brillantohrringe und ein Aktenkoffer aus Krokodilleder. Mehr noch als der Rentner diente der Staatsanwaltschaft eine enge Bekannte als Hauptbelastungszeugin. Die 55-Jährige kümmert sich seit Jahren um den alten Mann, ist zur unersetzlichen Begleiterin geworden und darf im Gegenzug sein Cabrio fahren, das sich der 88-Jährige vor drei Jahren gönnte.

Als sie das Haus am Morgen des 2. Februar betrat, will sie vollgestopfte Tüten und einen Korb neben dem Auto der Angeklagten gesehen haben. Zudem seien Schränke durchwühlt worden.

Den Beweis für die Schuld der Angeklagten konnte die 55-Jährige aber nicht zu präsentieren. Während der Rentner auf Nachfrage des Amtsgerichts einräumte, Schmuck und Koffer eigentlich seit einem Monat nicht gesehen zu haben, deutete die Angeklagte an, sie sei wohl aus Eifersucht von der 55-Jährigen beschuldigt worden.

Im Übrigen, so die Heilpädagogin, würde sie sich nicht wundern, wenn das Diebesgut im Haus des Rentners wieder auftauche. Ein von ihr beauftragter Privatdetektiv habe eine zweite Wohnung in seinem Haus als typische Unterkunft eines „Messies“ beschrieben.

Für eine Verurteilung jedenfalls reichten Richterin Manuela Stangl diese Hinweise nicht. Neben der ständigen Begleiterin des Seniors hätte sich auch eine Putzfrau des Schmucks bemächtigen können. „Vielleicht“, betonte die Richterin, „liegt das Zeugs noch irgendwo in der Wohnung herum.“

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