Irre Verfolgungsjagd mit 370-PS-Mercedes

Dieb setzt Edelbenz in den Fluss - jetzt wurde er verurteilt

Hier war die Fahrt im Herbst 2016 zu Ende.

Er hatte einen Luxusmercedes in Mauern gestohlen: Doch bei der Flucht vor der Polizei setzte der Täter (51) den Edel-Benz in einen Fluss. Jetzt musste der Täter ins Gefängnis einrücken.

Mauern/Landshut – Der Autoknacker (51) aus Polen schlug in der Nacht zum 8. Oktober 2016 in Mauern (Kreis Freising) zu. Dazu trickste er – wohl mit einem Komplizen, wie das Gericht vermutete – das elektronische Schließsystem eines Mercedes C450 4Matic AMG aus, den sein Besitzer vor der Garage abgestellt hatte, und brauste Richtung Polen davon. Die Karosse hatte noch einen Wert von 60 000 Euro. Nachdem der Besitzer den Diebstahl bei der Polizei gemeldet hatte, startet die Fahndung.

Und die war erfolgreich: Am Grenzübergang Waidhaus sichteten Beamte der Bundespolizei den Mercedes, und versuchten ihn zu stoppen. Der Dieb gab Gas, flüchtete über die tschechische Grenze in einen Wald – und dann landete der Benz in einem Fluss. Danach ging_s zu Fuß weiter, bis der Täter festgenommen wurde. Fast zwei Monate verbrachte er in einem tschechischen Gefängnis, bevor er den deutschen Strafverfolgern überstellt wurde.

Bei seinen Vernehmungen räumte der Pole zwar ein, den Wagen gefahren zu haben, allerdings wollte er vom Diebstahl nichts wissen. Er habe einen Türken namens Marek kennengelernt, der mit Autos handle. Der habe ihm 800 Euro angeboten, wenn er mit ihm zusammen ein Auto aus Deutschland von einem Bekannten hole. Dieser Marek habe ihm dann den Mercedes in Mauern übergeben und sei mit einem anderen Pkw Richtung Polen gefahren.

Der Angeklagte gab an, nicht am Diebstahl beteiligt gewesen zu sein

Vor Gericht änderte der Angeklagte seine Verteidigungstaktik wieder: Er habe zwar gewusst, dass er ein gestohlenes Auto nach Polen bringen sollte, allerdings sei er am Diebstahl nicht beteiligt gewesen.

Aber auch diese Version überzeugte das Gericht nicht. So erklärte der Sachbearbeiter der Kripo, dass für einen Diebstahl, bei dem das Schließsystem ausgetrickst wird, mindestens zwei Personen zusammenwirken: Ein Täter fängt via Scanner das Signal des betreffenden Autoschlüssels ab und sendet es an einen Komplizen weiter. Der steht mit einem Empfangsgerät in der Nähe des Pkws, der geknackt werden soll.

Für den 51-Jährigen als Mittäter sprach auch, dass in seiner Jacke die gleichen TÜV-Aufkleber gefunden wurden, die auf den gefälschten Kennzeichen klebten, die am Mercedes angeschraubt worden waren. Wie der Erdinger Kripobeamte weiter berichtete, seien auf einem Handy des Angeklagten interessante Daten gesichert worden. Der 51-Jährige habe sich in den Monaten vor dem Diebstahl mindestens fünf Mal in Gegenden aufgehalten, wo später hochpreisige Fahrzeuge gestohlen worden seien.

Die Strafkammer verhängte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Sie blieb damit drei Monate unter dem Antrag von Staatsanwältin Anna-Maria Degen.                  

Walter Schöttl

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