1. tz
  2. München
  3. Region

Luxus-Villa wechselt Besitzer: Wilde Spekulationen um Grundstück – Bürgermeister versucht, aufzuklären

Erstellt:

Von: Andreas Daschner

Kommentare

Idyllisch in einem knapp einen Hektar großen Park liegt die Villa Vollnhals. Vor Kurzem wurde das Areal am Grafrather Schlossberg verkauft. 	Fotos : Lehmann Hueber Immoblien (2)
Idyllisch in einem knapp einen Hektar großen Park liegt die Villa Vollnhals. Vor Kurzem wurde das Areal am Grafrather Schlossberg verkauft. © Lehmann Hueber Immoblien

Elf Zimmer, 358 Quadratmeter Wohnfläche, knapp ein Hektar Grund hat die Villa Vollnhals in Grafrath vorzuweisen. Jüngst hat sie den Besitzer gewechselt. Doch wie geht es mit dem Areal nun weiter?

Grafrath – Die Landhausvilla auf dem Areal am Schlossberg ist eine von rund 15 Villen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Ampergemeinde errichtet wurden. Den Bauboom lösten wohlhabende Münchner aus, die den Ort nahe des Ammersees als Ziel für die Sommerfrische auserkoren hatten.

Luxus-Villa in Grafrath beim Ammersee: Wohlhabende Münchner lösten Bauboom aus

Ursprünglich wohnte auf dem Grundstück – damals noch ohne Villa – Johann Tröndle, ein Sohn eines Kleinbauern aus Geltendorf. 1910 kaufte ein Graf von der Schulenburg das Areal mit damals noch einem kleinen Haus darauf. Zehn Jahre später trat dann der Bauherr auf, der die Villa errichtete und ihr ihren heutigen Namen gab: Kommerzienrat Otto Vollnhals.

Der Prachtbau auf einer alten Ansichtskarte. Sie diente Otto Vollnhals als Landsitz.	Repro;: Archiv Gemeinde 
Der Prachtbau auf einer alten Ansichtskarte. Sie diente Otto Vollnhals als Landsitz. © Gemeinde-Archiv

Vollnhals wird auch der Traktorvater von München-Sendling genannt. Der am 4. Januar 1874 geborene Kommerzienrat baute im Jahr 1909 in der von ihm gegründeten Sendlinger Motorenfabrik den ersten deutschen Traktor. Heute steht das Modell im Deutschen Museum.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen FFB-Newsletter.)

1920 ließ Vollnhals die Villa am Schlossberg in der damals noch eigenständigen Gemeinde Wildenroth erbauen. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1954. Ein Jahr zuvor hatte das Fürstenfeldbrucker Tagblatt noch den 80. Geburtstag des Wildenrother Ehrenbürgers mit einem Artikel gewürdigt.

Landhausvilla nahe Ammersee: Gerüchte über Bebauung von Grundstück

Wie es nach dem Tod des Motorenfabrikanten mit der Villa weiterging, liegt etwas im Nebel. Alte Grafrather berichten, dass eine Tochter von Vollnhals und ihr Ehemann namens Bussinger den Prachtbau erbten. Verbürgt ist das aber nicht. Bekannt ist, dass später der Fabrikant Merz die Villa erwarb. Nach dessen Tod 2011 ging das Areal an dessen Erben über.

Ein Raum der Villa, so wie er in der Kaufanzeige zu sehen war. 
Ein Raum der Villa, so wie er in der Kaufanzeige zu sehen war.  © Lehmann Hueber Immoblien

Zum Anwesen gehört ein Gärtnerhaus mit 110 Quadratmeter Wohnfläche, außerdem grenzt ein Parkgelände mit einem weiteren knappen Hektar Fläche an. Zuletzt hörte man Gerüchte von einer möglichen Bebauung. Doch das Areal liegt baurechtlich im sogenannten Außenbereich, in dem zunächst nur privilegierte Baumaßnahmen entwickelt werden können. Dazu zählt zum Beispiel die Landwirtschaft. Für Wohnbau müsste sich der Eigentümer mit der Gemeinde abstimmen, um dort eine Überplanung zu erreichen.

Nach Verkauf von Landhausvilla: Wird Anwesen bebaut? Bürgermeister äußert sich

Bislang sei in diese Richtung aber nichts Konkretes besprochen worden, sagt Bürgermeister Markus Kennerknecht. Das könnte auch daran liegen, dass eine Bebauung nicht mal eben so zu realisieren ist. „Die Erschließung ist nicht ganz einfach“, sagt Kennerknecht. Bislang führt nur die schmale Schlossbergstraße zum Anwesen, die noch nicht komplett ausgebaut ist. Noch fehlt die Deckschicht. „Außerdem sollte die Villa freistehend bleiben“, erklärt der Rathauschef weiter.

Zwar steht der Bau wohl nicht unter Denkmalschutz. Trotzdem sagt Kennerknecht: „Reihenhäuser rund herum sind für mich nicht denkbar.“ Eine Bebauung in Teilbereichen kann sich der Bürgermeister eventuell vorstellen. Allerdings werde dann auch der Lärmschutz zur B 471 ein Thema.

Dass das Areal nicht ganz billig war, schreckte mögliche Käufer aber nicht ab. Der zuständige Makler Sebastian Hueber von Lehmann Hueber Immobilien berichtete seinerzeit von mehr als 50 Anfragen und rund 20 Erstbesichtigungen, ehe der jetzige Eigentümer zuschlug. Der musste nicht nur den Kaufpreis berappen, sondern auch Geld ins Gebäude stecken. Nach zehn Jahren Leerstand war die Villa laut Hueber zwar nicht zusammengefallen, aber dennoch sanierungsbedürftig.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie auf Merkur.de/Fürstenfeldbruck.

Auch interessant

Kommentare