Mädchen ermordet: Tragödie erschüttert Gemeinde Krailling

Krailling- In der Gemeinde Krailling herrscht Entsetzen über den Mord an den beiden Mädchen Chirara und Sharon. Trauern und beten – das ist alles, was den Menschen nun bleibt. 

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Schreckensfund in Krailling: Chiara und Sharon ermordet

Die Mädchen und Jungen sitzen eng aneinander in der St.- Elisabeth-Kirche, sie brauchen jetzt Halt. Die Teenager sind still, einige beten, bei zwei Mädchen rinnen Tränen die Wangen herunter. Ein Junge zündet eine Kerze an. Einige der Jugendlichen kannten Chiara und Sharon nicht persönlich. Aber sie alle suchen Hilfe bei Gott. Ganz Krailling ist erschüttert.

„Es zerreißt mir das Herz, die Kleine war doch mein Schatzi – und jetzt ist sie tot“, sagt Richard S. (50), ein enger Freund der Mutter und von deren Lebensgefährten. Er steht ein paar hundert Meter entfernt von der Kirche vor der Musik-Kneipe „Schabernack“. „Wir treffen uns immer hier drin, wir sind wie eine kleine Familie – und jetzt fehlt ein großer Teil.“ Er habe oft mit der kleinen Tochter Karten gespielt. „Die große Tochter hatte ein riesiges Mal-Talent, hat auch Modezeichnungen gemacht. Aus ihr wäre etwas Großes geworden.“ Dann versagt ihm die Stimme. „Die Mädchen haben Mutter, Oma und sogar eine Uroma. Ich weiß einfach nicht, wie ich sie jetzt alle auffangen soll.“ Nach einer kurzen Pause schüttelt er den Kopf. „Wir haben hier doch immer in einer Insel der Glückseligen gelebt …“

Familiendrama in Krailling

Familiendrama in Krailling

Die 7600-Seelen-Gemeinde Krailling. Hier schlängelt sich die Würm ganz sanft zwischen große, grüne Gärten von Villen und Einfamilienhäusern. Enten schnattern auf den Wiesen, Vogelgezwitscher, Sonnenschein. Und mitten in dieser Idylle das kleine orangene Haus, in dem die beiden Mädchen ermordet wurden. Abgesperrt von einem rot-­weißen Band, bewacht von Polizisten am Tor, dahinter arbeitet die Spurensicherung auf Hochtouren.

Ein kleiner Bub mit einem gelben Roller steht verloren davor, er weint. Immer wieder bleiben Passanten fassungslos stehen. Die Büroangestellte Marianne Niedermair (52) flüstert: „Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was darin passiert ist. Wer weiß, was für Ängste die beiden Mädchen ausgestanden haben, bevor sie sterben mussten …“ Rund um den Tatort steht die Zeit still. Rainer Weinitschke (57) starrt vor seinem Lederwarengeschäft ins Leere. „Ich habe die Hubschrauber heute früh gehört, dann Fernsehkameras gesehen – ich dachte, die drehen einen Film. Mit so etwas rechnet man doch nicht. Wer macht so etwas? Wer tut unschuldigen Kindern so etwas an?“

Im Biergarten, in der Metzgerei, an den Straßenecken, überall stehen Menschen beeinander und diskutierten diese Frage. Sie finden keine Antwort. Es bleiben nur Tränen der Verzweiflung. Sie fließen auch bei den Müttern vor der Volksschule, in der Chiara noch bis Donnerstag herumhüpfte. Eine Mutter drückt fest die Hände ihrer Töchter. „Sie waren beide oft bei uns zuhause. Sie waren so lieb. Sie waren wie Prinzessinnen. Ich kann nur noch weinen.“

Wie an diesem Tag Trost spenden? Auch Bürgermeisterin Christine Borst ist ratlos. „Man hat immer das Gefühl, dass solch eine Tragödie in der eigenen Gemeinde nie passiert. Für alle hier ist das ein fürchterlicher Schock. Ich kann jetzt nur darauf hoffen, dass die Polizei den Mord bald aufklären kann.“

Trauern und beten – das ist alles, was den Menschen in Krailling bleibt. In der St.-Elisabeth-Kirche, in der sich am Mittag Jugendliche zusammengefunden haben, richtet eine ehemalige Klassenkameradin von Sharon ihre Worte an Gott: „Bitte mach, dass es ihnen jetzt gut geht.“

Nina Bautz

Rubriklistenbild: © ap

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