Ärger um zu schnelle Diebe

Maibaum-Klau: Brauchtum oder schon Diebstahl?

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Sind sich keiner Schuld bewusst: Die Maibaum-Diebe aus Wolfersdorf (Kreis Freising).

München - Maibaumklau ist in Bayern seit Jahrhunderten Volkssport. Doch vier Fälle aus den Kreisen Dachau, Erding und Freising sorgen jetzt für Diskussionen. Denn die Maibaum-Diebe klauten die Bäume jeweils schon aus dem Wald.

Ist das noch Tradition? Oder Diebstahl?

Der Verein Frohsinn aus Lerchenfeld (Kreis Freising) hatte seinen Baum im Wieswald abgelegt, als die Diebe aus Wolfersdorf zuschlugen. Erst nach Zahlung von 50 Litern Bier und 50 Wurstsemmeln gaben sie den Baum zurück.

Auch der Baum der Arnbacher Burschen (Kreis Dachau) lag noch im Wald, als ihn die Diebe aus Welshofen entdeckten. Anstatt zu Auslöseverhandlungen kam es aber zu wüsten Beschimpfungen und zu der Drohung, dass der Diebstahl angezeigt werde, wenn der Baum nicht unverzüglich zurückgeführt werde. Bei dem Baum nämlich, so behaupteten die Besitzer, habe es sich um Langholz gehandelt, das in den Verkauf gehen soll. Dem Maibaum-Team aus Ebersried (Kreis Dachau) erging es noch schlimmer: Deren Baum wurde binnen weniger Tage nun zum zweiten Mal aus dem Wald gestohlen, weshalb der Baumbesitzer Strafanzeige stellte.

In Kirchberg (Kreis Erding) schließlich wurde der Maibaum-Klau ebenfalls ein Fall für die Polizei. Die Fichte der Königlich Bayerischen Moosburger war von einer Koppel gestohlen worden. Die Vereine berufen sich jeweils auf das (ungeschriebene) Gesetz, wonach ein Baum erst gestohlen werden dürfe, wenn er sich im Ort befindet, in dem er aufgestellt werden soll. Die Diebe dagegen sagen, dass die Hölzer als Maibäume zu erkennen gewesen seien. Wer hat nun recht? Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler weiß darauf keine eindeutige Antwort. Klar, rechtlich gesehen seien in allen Fällen Diebstähle begangen worden. In Richtung der Vereine merkt er aber an, dass zumindest „eine gewisse Souveränität dazugehört, zuzugeben, dass einem der Baum gestohlen wurde“. Die Maibaumfreunde Schwabniederhofen (Kreis Weilheim-Schongau) sind gebrannte Kinder. Heuer gehen sie auf Nummer sicher: Um ihren Baum herum errichteten sie eine Art Schutzhütte samt Rund-um-die Uhr-Bewachung.

tz

Die goldenen Regeln beim Maibaum-Stehlen

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