Er wählte einen brandgefährlichen Weg

Von S-Bahn überrollt: Maisach trauert um 18-Jährigen

16 Stunden lag der Tote in diesem Gebüsch.

Maisach - Nach dem Unfalltod eines 18-Jährigen an der Strecke der S 3 herrscht Entsetzen. Der Maisacher ist in der Nacht auf Samstag von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt worden. Er hatte wohl einen brandgefährlichen Weg gewählt.

16 Stunden lang der Maisacher nach dem Unfall im Gebüsch. Entdeckt wurde er erst am Samstagabend um 18 Uhr von einer Spaziergängerin. Ihr Hund hatte angeschlagen. Der Leichnam lag in einem Gebüsch neben dem Schienendamm zwischen Gröbenzell und Olching. Passiert sein muss der Unfall gegen 2 Uhr.

Der Lokführer der betreffenden S-Bahn meldete an die Zentrale kurz danach nur „Schlag verspürt“ – das kommt im S-Bahn-Verkehr öfter vor und kann auch bedeuten, dass ein Ast oder ein Tier gegen den Zug geschleudert wurde. Deshalb wurde der Betrieb auch nicht unterbrochen, wie ein Sprecher der Bahn erläuterte. Die Lokführer nachfolgender Züge bemerkten ebenfalls nichts. Gespräche zwischen dem Fahrer, der den Schlag bemerkt hatte, und der Betriebsleitung würden nun ausgewertet.

Der verstorbene Maisacher hatte erfolgreich im örtlichen Verein, der JFG Maisacher Land, Fußball gespielt. Trainer Holger Schmitt: „Er war ein sehr entspannter Typ, ruhig und gemütlich.“

Vor dem Unfall muss der 18-Jährige mit Freunden und Ex-Mitschülern gefeiert haben. Danach war der Fan des Musikers Eminem neben den Gleisen auf einem Betonkörper, in dem Leitungen verlegt sind, auf Höhe des kleinen Olchinger Sees unterwegs. Fußgänger benutzen den Steg häufig, obwohl er brandgefährlich ist. Er liegt so nah an den Gleisen, dass man von einem Zug erfasst werden kann. Direkt unterhalb ist zwar ein Fußweg in Verlängerung der Olchinger Mozartstraße. Dieser besteht zurzeit aber praktisch nur aus Matsch. Möglich, dass der 18-Jährige seinen Weg trockenen Fußes zurück legen wollte und daher auf dem Betonkörper ging.

Bei seinen Altersgenossen muss der 18-Jährige, der sich mittlerweile in München der Chemie widmete, unheimlich beliebt gewesen sein: Um die 100 ehemalige Mitschüler trafen sich gestern im Gymnasium in Gröbenzell, um ihres verstorbenen Freundes zu gedenken. Der Maisacher hatte hier im vergangenen Jahr sein Abitur gemacht.

Die Schulleitung, von Mitschülern schon am Sonntag informiert, richtete am Montag einen Gedenkraum mit Kerzen, einem Kreuz und einem Foto des 18-Jährigen ein. Für die früheren Schüler wurde das Gymnasium zum Anlaufpunkt in einer schweren Stunde der Trauer. Erst vor zwei Jahren hatte die Schulfamilie einen ganz ähnlichen Fall zu verarbeiten. „Das war damals ein Schock für das ganze Haus und das ist es jetzt wieder“, sagte Schulleiter Baumgartner.

Wie die Polizei betont, gibt es bei dem aktuellen Unfall keinerlei Hinweise auf einen Suizid. Die Beamten gehen fest von einem Unglücksfall aus. Ähnliches passiere leider immer wieder, sagte ein Sprecher. Moderne S-Bahnen seien sehr leise und würden nicht immer automatisch akustisch wahrgenommen.

Peter Loder und Thomas Steinhardt

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