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Kampf gegen wilde Partys: See nahe München wird nachts zur Sperrzone - und Nacktbaden kostet 1000 Euro Strafe

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Von: Thomas Steinhardt

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Leider kein Einzelfall, sondern eher die Regel: Hinterlassenschaften einer Partygesellschaft, die im Fasching am Mammendorfer See gefeiert hatte.
Leider kein Einzelfall, sondern eher die Regel: Hinterlassenschaften einer Partygesellschaft, die im Fasching am Mammendorfer See gefeiert hatte. © Archiv

Nach der Verwaltung hat sich auch die Politik für eine Sperrstunde samt Glasverbot am Mammendorfer See ausgesprochen. Allerdings weniger streng als vorgeschlagen.

Mammendorf – Die Sperrstunde soll von 24 bis 6 Uhr dauern und nicht schon um 22 Uhr beginnen. Außerdem gilt sie sieben Tage die Woche ohne eine Sonderregelung am Wochenende. Darauf verständigte sich der zuständige Kulturausschuss des Kreistags einstimmig.

Hintergrund ist die Tatsache, dass zuletzt immer öfter wilde Partys am See gefeiert wurden, bei denen jede Menge Müll liegen blieb. Außerdem hatten die Feierlustigen Flaschen zerschlagen, so dass Scherben herumlagen, was als besonders ärgerlich empfunden wurde.

Mammendorfer See: Nackt baden wird mit bis zu 1000 Euro bestraft

In der Neufassung der entsprechenden Satzung ist neben der Sperrstunde und dem Glasverbot auch die Vorschrift enthalten, Badebekleidung zu tragen. Wer dagegen verstößt, kann mit bis zu 1000 Euro Bußgeld belegt werden, was Sophie Schuhmacher (Grüne) jetzt im Ausschuss etwas happig fand. Sie fragte nach der genauen Definition einer passenden Badebekleidung. Antwort aus der Verwaltung ganz einfach: Man darf nicht nackt baden.

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Insgesamt verstand Schuhmacher die Maßnahmen, hatte aber auch die Sorge, dass Polizei und Sicherheitsdienst mehr zur Eskalation beitragen könnten als zur Deeskalation. Außerdem werde das Problem durch Verbote wohl nur verlagert.

Mammendorfer See: Frage bleibt - was ist übermäßiger Alkoholkonsum?

Daniel Holmer (Grüne) wollte unterdessen wissen, wie der ebenfalls in der Satzung enthaltene Begriff „übermäßiger Alkoholkonsum“ zu verstehen sei. Das sei natürlich schwierig zu definieren, sagte der FW-Kreisrat Johann Thurner aus Mammendorf. Er wurde zuletzt selbst hinzugerufen, als Jugendliche 20 Bierkästen in sieben Einkaufswagen aus dem Supermarkt herangekarrt und dann stehen gelassen hatten. Thurner fragte: „Wer weiß eine bessere Formulierung?“ Eine Antwort legte im Kulturausschuss niemand vor. Christian Stangl (Grüne) führte etwas humoristisch ins Feld, dass der Begriff „mäßig“ (Maß?) in Bayern ja durchaus tolerant ausgelegt werde.

Thurner beklagte vor allem auch die Scherben in der Wiese. „Dass sich ein Badegast in die Wiese legt und plötzlich eine Glasscherbe im Hintern hat, will niemand hier.“ Er betonte: Die Satzung erlaube ja auch Ausnahmen.

Mammendorfer See: Satzung gibt der Polizei eine rechtliche Handhabe

Stangl unterstrich, worum es vor allem geht: Durch die Satzung bekommt die Polizei eine Handhabe, um gegebenenfalls Platzverweise aussprechen zu können. Die Beamten träten ja außerdem nicht wie Schwarze Sheriffs auf, sagte Stangl, um die Sorge vor einer zu strengen Auslegung zu relativieren.

Daniel Liebetruth (SPD) indes wollte das Glasverbot nicht so recht gefallen. Er fragte, ob Schilder nicht reichen würden. Dafür holte er sich eine selten klare Abfuhr von Sitzungsleiterin Martina Drechsler (CSU) ein. „Da gehe ich nicht mit, Schilder helfen nicht weiter“, sagte sie unter breitem Kopfnicken aus dem Gremium.

Letztlich stimmte der Kulturausschuss einstimmig für die neue Satzung mit Sperrstunde ab 24 Uhr und für das Glasverbot, das natürlich nicht für die Wirtsterrasse gilt. Das Votum gilt als klare Richtungsweisung für den Kreistag, der in der Sache das letzte Wort hat.

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