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Wasser war „über Nacht weg“: Mangfall fällt trocken – Fische verenden

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Von: Christine Merk

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Nur noch Steine: Bei Thalham fiel die Mangfall in der Nacht auf Donnerstag auf einer Strecke von zwei bis drei Kilometern trocken. Am Abend war das Wasser wieder da. Zu spät für die Fische, die sich nicht in Gumpen retten konnten. Die Fischer wollen den Fluss mit Brut aus der Schlierach wiederbesiedeln.
Nur noch Steine: Bei Thalham verschwand die Mangfall in der Nacht auf Donnerstag auf einer Strecke von zwei bis drei Kilometern. Am Abend war das Wasser wieder da. Zu spät für die Fische, die sich nicht in Gumpen retten konnten. Die Fischer wollen den Fluss mit Brut aus der Schlierach wiederbesiedeln. © privat

Wo es sonst rauscht und plätschert, nur noch Steine, eingetrocknete Pflanzen und verendete Fische – bei Thalham war die Mangfall Ende vergangener Woche trocken gefallen. Es ging zu schnell, um die Fische zu retten.

Thalham – Solche Bilder kennt man eigentlich nur aus südlicheren Ländern. Die anhaltende Trockenheit hat am Donnerstag vergangener Woche dazu geführt, dass die Mangfall bei Thalham alles Wasser verlor: auf einer Strecke von zwei bis drei Kilometern, so beschreibt es unser Leser Florian Frei, der in dem steinigen Flussbett wanderte und es fotografierte.

Mangfall auf niedrigstem Niveau: Stadtwerke München können kein Wasser mehr entnehmen

Schuld an diesem Ereignis trägt niemand. Zwar ist es so, dass zu „normalen“ Zeiten die Stadtwerke München beim Weidenauer Wehr – ein Stück flussabwärts von Müller am Baum – Wasser aus der Mangfall entnehmen dürfen, um damit letztlich den Betrieb des Wasserkraftwerks am Seehamer See aufrechtzuerhalten. Doch diese Ableitung war zu diesem Zeitpunkt bereits eingestellt, weil die Mangfall schon nicht mehr genug Wasser führte, wie Florian Heiß von den Stadtwerken erklärt.

Es sei sehr streng geregelt, wie viel Wasser in der Mangfall bleiben müsse. Die Ökologie stehe da über wirtschaftlichen Interessen. Fakt ist, dass einfach nicht mehr genug Wasser aus dem Tegernsee und den zufließenden Bächen in die Mangfall strömte. „Ich mache das seit 25 Jahren, aber an so etwas kann ich mich nicht erinnern“, sagt Heiß. Die Zahlen, die er nennt, machen deutlich, wie sich der Wasserstand in der Mangfall in den vergangenen Wochen entwickelte. Wenn sie hoch genug fließt, können problemlos bis zu 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen werden, in den vergangenen Wochen waren es nur maximal 3,5 Kubikmeter, zuletzt gar nichts mehr.

Über Nacht fiel die Mangfall trocken: Zu schnell um die Fische zu retten

Die Situation vergangene Woche entwickelte sich so schnell, dass keine Chance bestand, die Fischer rechtzeitig zu informieren, um den Bestand zu retten. Stefan Moser, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins, bestätigt: „Das Wasser war über Nacht weg.“ Er sei vormittags von Fischereikollegen informiert worden, da war der Fluss trocken gefallen. Am Abend sei wieder Wasser gekommen, aber da war es für die Fische schon zu spät. Die Mangfall habe eine kiesige Sohle, was für Laich und Brut der Fische gut sei. Aber dafür versickert das Wasser auch schnell. Natürliche Gumpen fehlen außerdem, weil die Mangfall schon vor langer Zeit verbaut wurde.

In der Schlierach seien ebenfalls Teilstrecken trocken gefallen, berichtet Moser. Dort hätten aber Fische in den Gumpen überleben können. Von diesen Tieren will der Verein nun Eier gewinnen und diese in der Mangfall einsetzen. Vor allem Weißfische, einige Forellen und Hechte leben in der Mangfall, erklärt Moser. Auch von oben, also vom Tegernsee, können kleine Fische in die Mangfall geschwemmt werden und diese wieder besiedeln.

Mangfall fällt trocken: Mehr Wasser aus dem Tegernsee ist keine Alternative

Weshalb die Stadtwerke Wasser aus der Mangfall ableiten, erklärt Andreas Holderer, Baudirektor am Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und zuständig auch für den Landkreis Miesbach. Das Wasser, das beim Weidenauer Wehr aus der Mangfall abgezweigt werde, fließe nördlich von Miesbach in die Schlierach, die ab hier also mit Mangfallwasser gespeist wird. In die Schlierach wiederum werde kurz zuvor das gereinigte Wasser aus der Miesbacher Kläranlage eingeleitet und mit dem Schlierachwasser in Richtung Seehamer See gepumpt. Sinn dieser „Umleitungen“ ist der Schutz des Grundwasserstroms. Es soll jedes Risiko ausgeschlossen werden, dass Wasser aus der Kläranlage, auch wenn dieses gereinigt ist, bis zum Grundwasser durchsickert.

Wasser aus dem Tegernsee in solchen Trockenzeiten vermehrt abzulassen, sei keine Alternative, betont Holderer. Der Tegernsee sei ein sehr wichtiges Wasserreservoir. Wenn die Schilfzonen dort zu wenig Wasser hätten und absterben würden, hätte das ökologisch weit schlimmere Auswirkungen.

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