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Vor Außenministerium campiert: Mann kämpft um Visum für schwangere Ehefrau – „Irgendwo auf der Warteliste“

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Von: Theresa Kuchler

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Mit seinem Hilferuf stand Wahed Yawari einen Tag und eine Nacht lang vor dem Außenministerium in Berlin.
Mit seinem Hilferuf stand Wahed Yawari einen Tag und eine Nacht lang vor dem Außenministerium in Berlin. © Yawari

Wahed Yawari aus Afghanistan ist deutscher Staatsbürger. Seine Ehefrau konnte nach der Machtübernahme der Taliban nach Pakistan fliehen – nun ist sie schwanger, und Yawari tut alles, um sie schnellstmöglich zu sich zu holen.

Böbing – Wahed Yawaris Augen schauen ein wenig müde aus, als er sich zum Gespräch mit der Heimatzeitung an den Tisch in Böbing setzt. Noch vor wenigen Stunden war der 24-Jährige, der in Afghanistan geboren wurde und seit Mitte November einen deutschen Ausweis hat, vor dem Außenministerium in Berlin gestanden.

Mit einem großen Plakat hatte er um die Aufmerksamkeit der Politiker gebuhlt. Der Hilferuf, direkt an Außenministerin Annalena Baerbock gerichtet, war in schwarzen Buchstaben auf einem weißen Transparent zu lesen: „Meine Ehefrau musste vor den Taliban nach Pakistan fliehen. Sie ist im 6. Monat schwanger. Ich fordere ein Visum für meine Frau, damit unser Kind in Deutschland geboren wird.“

Einen Tag und eine Nacht in Berlin: Werdender Vater campiert vor Außenministerium

Einen Tag und eine Nacht lang hatte sich Yawari mit dem Appell durch die Hauptstadt geschlagen. Eigentlich sei der Plan gewesen, länger zu campieren, erzählt er. Doch bereits in der ersten Nacht hatte man ihm das Plakat gestohlen, und viele Abgeordnete waren wegen der Weihnachtsferien nicht anzutreffen.

Resigniert stieg Yawari wieder in den Zug nach Hause. Hier will er nun weiter darum kämpfen, dass seine afghanische Frau Farzana Gul Emani zu ihm kommen kann, die seit der Machtübernahme der Taliban in Pakistan lebt. Die 23-Jährige konnte damals in letzter Minute aus ihrer Heimat fliehen und bei Verwandten unterkommen. Yawari, der 2014 nach Deutschland kam, hier seine Mittlere Reife machte und als Metallbauhelfer arbeitet, besuchte sie während seines Urlaubs im Sommer. Nun erwarten die beiden ein gemeinsames Kind.

Auf der Warteliste der Botschaft - Terminvereinbarung dauert Monate

Unterstützung bekommen sie von Johann Bründl und Elisabeth Müller. Das Ehepaar aus Böbing, das in der Rottenbucher „Ammermühle“ seit Jahren Integrationsarbeit betreibt, hat sich unter anderem um einen Termin in der Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad bemüht. Das Ziel ist es, dort ein Visum für die schwangere Farzana Gul Emani zu bekommen – und zwar so schnell wie möglich.

Doch die Lage sieht nicht gut aus. „Bislang haben wir nur eine Terminregistrierungsnummer“, sagt Bründl. „Wir stehen irgendwo auf der Warteliste.“ Dem Böbinger zufolge könne es bis zu einem Jahr dauern, bis ihnen ein Termin angeboten wird und das Visum ausgestellt ist. Kommt das Kind in Pakistan zur Welt, würde sich die Situation für die Familie allerdings enorm erschweren.

Deutscher Vater will Mutter und Kind vor der Geburt zu sich holen

Yawari und das Böbinger Ehepaar wünschen sich, dass das gesamte Prozedere schneller vorangeht. Immerhin handle es sich in Yawaris Fall nicht um eine „Familienzusammenführung im klassischen Sinn“, wie sie sagen, da der 24-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Auch das Kind werde automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft haben, egal wo es zur Welt kommt, meint Bründl.

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Mit der Fahrt zum Außenministerium wollte Yawari die Sache beschleunigen und Politiker antreffen, die ihre Hebel in Bewegung setzen. Zuvor hatte er bereits Annalena Baerbock in einer persönlichen E-Mail die Situation geschildert, um Hilfe gebeten und seinen Besuch in Berlin angekündigt. An den Bundestagsausschuss des Auswärtigen Amts hat er ebenfalls eine E-Mail geschickt. Die Antworten stehen noch aus. Yawari sagt: „Ich möchte meinem Kind einmal nicht sagen müssen, dass ich nicht alles versucht habe.“

Erst vor kurzem kämpfte auch ein Schongauer um das Bleiberecht seiner philippinischen Familie. Er konnte einen Erfolg erzielen.

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