„Da freut man sich doch, wenn ...“

Mann bekommt Knöllchen auf eigenem Firmengelände - nach Beschwerde wird ihm sogar höhere Strafe angedroht

+
Alles voll: Am Klinikum einen Parkplatz zu finden, gestaltet sich oft schwierig. 

Auto reiht sich an Auto. Wer am Klinikum in Garmisch-Partenkirchen seinen Wagen abstellen möchte, braucht Geduld. Jetzt, während der Bauarbeiten, sowieso. Das gilt auch fürs Personal. Selbst vor Strafzetteln ist es nicht gefeit.

Garmisch-Partenkirchen – Das Klinikum wächst. Mehr Fachabteilungen bedeuten mehr Angestellte, mehr Patienten und mehr Angehörige. So schön diese Entwicklung aus wirtschaftlicher Sicht und für den Landkreis als Gesundheitsregion sein mag, so schlecht ist sie für Parkplatzsuchende. Die angespannte Situation an der Auenstraße hat sich verschärft – durch die aktuelle Umgestaltung der Flächen erst recht. Wer das eigene Auto abstellen will, muss erst einmal eine Lücke finden. Das kann dauern. Alltag – vor allem für die 1350 Mitarbeiter. Einer davon durfte nun seinen Geldbeutel öffnen – und ärgert sich gewaltig.

Der 25-Jährige, dessen Name der Geschäftsführung um Bernward Schröter bekannt ist, der aber in der Zeitung anonym bleiben möchte, hatte Ende September einen Strafzettel bekommen. Ausgestellt wurde er vom Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland, welches die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen mit Kontrollen beauftragt. Der Angestellte sollte zwar nur zehn Euro begleichen, ihm geht es aber ums Prinzip. „Da freut man sich doch, wenn man auch noch für seine Arbeit bezahlen darf“, sagt er ironisch.

Entschädigung nicht möglich

Etwa 13 Kilometer von der Marktgemeinde entfernt wohnt der Pfleger. Seine Heimat – nur unzureichend an den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) angeschlossen. Deshalb fuhr er an dem Tag bereits eine Stunde vor Dienstbeginn Richtung Klinikum. Aus weiser Voraussicht. Doch selbst nach einer knappen halben Stunde war es ihm nicht möglich, am Klinikgelände einen Parkplatz zu ergattern. Weder im Bereich für die Angestellten, noch auf den zeitunbegrenzten Flächen. „Letztendlich blieb mir nichts anderes übrig, als einen Drei-Stunden-Parkplatz zu belegen.“ Obwohl seine Schicht länger dauerte. Der Mitarbeiterausweis hinter der Windschutzscheibe half ihm dabei nichts. Zurück am Wagen klemmte das Knöllchen im Scheibenwischer.

Der Betroffene schilderte den Sachverhalt der Klinikumsleitung und beantragte eine Kostenübernahme. Vergeblich. Beim ZVO sei ihm sogar eine Erhöhung der Strafe angedroht worden, wenn er keine Ruhe gebe und weiter diskutiere. Dabei behauptet der junge Mann, kein Einzelfall zu sein. Er begrüßt zwar, dass das Klinikum 1,4 Millionen Euro in das Projekt investiert, die Details sorgen bei ihm für Kopfschütteln. Zum Beispiel: die Drei-Stunden-Parkplätze. „Man kann die ja machen“, sagt der 25-Jährige, „aber nicht, wenn der Rest Ruine ist.“

Klinikums-Chef: „Wir wollen nicht Erbsen zählen“

Sein Chef Schröter versteht’s menschlich, dass der Pfleger wegen des Strafzettels angefressen reagiert. Trotzdem ist es ihm nicht möglich, eine Entschädigung anzubieten. „Wir wollen nicht Erbsen zählen“, sagt er. Aber es könnten zu viele nachziehen und versuchen, alte Knöllchen bezahlt zu bekommen. Zur Geschäftsführung wurde der Mitarbeiter bereits zitiert, nachdem er sich an diese Zeitung gewandt hatte. „Wir werden für ihn einen anderen Ausgleich schaffen“, teilt Schröter mit. Sagt aber auch: „Er hat keinen Anspruch auf einen der Parkplätze.“

568 Stück stehen insgesamt zur Verfügung, am Ende sind’s 30 Abstellflächen mehr. Derzeit fehlen 40. „Das sind unter zehn Prozent“, betont Schröter. Die Problematik ist ihm aber bestens bekannt und wurde deshalb bei der Baustellen-Planung berücksichtigt. Etappenweise geht man bei der Umgestaltung vor. Dass Schwierigkeiten mal auftreten – einkalkuliert. „Wir sind eben ein Betrieb, der 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Wochen und 24 Stunden am Tag geöffnet hat.“ Deshalb spielt man den Angestellten im Klinikums-Intranet Infos zu, wie sich die Lage aktuell darstellt. Auch im Vorfeld legte die Leitung der Belegschaft nahe, Fahrgemeinschaften zu bilden oder den ÖPNV zu nutzen. Beschwerden seien im vergangenen halben Jahr nur neun eingegangen. Die meisten drehten sich um den Wunsch nach einem Parkhaus (siehe unten), eine um eine bessere Beleuchtung in Richtung des Kainzenbads und eine um den Strafzettel.

Eine unmittelbare Lösung fürs Personal gibt’s aber nicht. Denn eine Sonderregelung mit Mitarbeiter-Ausweis, der es auf den Besucherparkplätzen vor Knöllchen bewahrt, ist nicht gewünscht. Das macht der Technische Leiter, Stefan Hardt, unmissverständlich klar. Das sei in der Unfallklinik Murnau nicht anders. Erst, wenn das neue Konzept und das geplante Parkhaus realisiert sind, schwindet der Parkplatz-Druck für einen der größten, aber geografisch eingekesselten, Arbeitgeber im Landkreis.

Das passiert vor und hinter den Kulissen:

Die Baustelle:

Vor dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen herrscht derzeit reger Baustellenverkehr. Die vorübergehenden Mitarbeiter-Parkplätze unter dem Heli-Landeplatz sind in Betrieb. Dort kann das Personal mit Sonderausweis den eigenen Wagen auf unbefristete Zeit abstellen. Auch an der Nothilfe-Zufahrt hat sich einiges getan. Zum Beispiel ist ein praktisch-konzipierter Bereich für Krankentransportfahrzeuge entstanden. Die bisherigen Wege zur Nothilfe, zur Au und zu den Parkplätzen wurden zusammengelegt, um Platz zu sparen. „Das entschärft den Verkehr vor dem Haupteingang“, sagt der Technische Leiter Stefan Hardt. Jetzt laufen die Arbeiten vor dem Haupteingang. Realisiert werden Besucher-Plätze, mit Parkscheibe auf drei Stunden begrenzt, vier Taxi-Halte und Behindertenplätze. Bis spätestens Mitte Dezember soll das Ganze abgeschlossen sein. Fußwege, Wasserspiele und Bepflanzung stehen im Frühjahr an. 

 Das Parkhaus

 Bernward Schröter macht zehn Kreuze, wenn die Baustelle der Vergangenheit angehört. „Es ist kein böser Wille, wenn keine Flächen vorhanden sind“, betont der Geschäftsführer. Das eine führt für ihn zum nächsten Punkt: „Wir brauchen ein Parkhaus.“ Nun scheint eine Realisierung in greifbare Nähe zu rücken. Schließlich wolle man Wort halten. Mit der Marktgemeinde laufen deshalb Gespräche, Ende Januar soll das Thema im Aufsichtsrat zur Sprache kommen. Schröters Ziel: ein Baustart 2019. Wie viele Parkplätze das neue Gebäude einmal bekommen soll, steht derzeit noch nicht fest. „Wir müssen erst Befragungen machen.

 Der Kainzenbad-Regelhalt 

Es war eine Absage: Eine Prüfung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft hat ergeben, dass ein Regelbahnhalt am Kainzenbad nicht möglich sei. Das wollen Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und Klinikums-Geschäftsführer Bernward Schröter so nicht hinnehmen. Deshalb haben sie sich Anfang Oktober an die Bundesnetzagentur gewandt, um diese um Unterstützung in der Angelegenheit zu bitten. Eine Kopie des Schreibens erhielten auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, die damals noch zuständige Staatsministerin Ilse Aigner und CSU-Landesgruppenvorsitzender im Bundestag, Alexander Dobrindt.

Auch interessant: Münchnerin findet dreisten Zettel am Starnberger See an ihrem Auto - nicht die einzige böse Überraschung

Auch interessant

Meistgelesen

Münchner fährt betrunken mit BMW und hinterlässt ein Trümmerfeld
Münchner fährt betrunken mit BMW und hinterlässt ein Trümmerfeld
Miesbacherin (26) gerät in Kontrolle - Sie hat getrunken, doch Polizei entdeckt noch Schlimmeres
Miesbacherin (26) gerät in Kontrolle - Sie hat getrunken, doch Polizei entdeckt noch Schlimmeres
Unfall auf der B471: Zwei Frauen schwer verletzt
Unfall auf der B471: Zwei Frauen schwer verletzt
Nach über 60 Jahren: Traditionsfirma macht dicht - an mangelnden Aufträgen liegt es nicht
Nach über 60 Jahren: Traditionsfirma macht dicht - an mangelnden Aufträgen liegt es nicht

Kommentare