Beziehungsdrama in Planegg

Das blutige Ende einer jungen Familie

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An der Georgenstraße in Planegg hat sich am Mittwoch eine tödliches Beziehungsdrama abgespielt.

Planegg - Am 3. Oktober 2007 um 12.58 Uhr scheint das Glück von Susanne T. (36) und Martin S. (38) perfekt: Töchterchen Cornelia erblickt das Licht der Welt. Nun ist die Kleine ein Waisenkind:

Ihr Vater, ein Polizist, hat in Planegg zunächst ihre Mutter und dann sich selbst erschossen.

Tödliches Ende eines Beziehungsdramas und einer einst so glücklichen Familie. Das Paar ist offenbar zerstritten, hat sich getrennt. Gegen Mittag fährt Martin S., der bei der Polizei­inspektion in Unterhaching eingesetzt ist und dort auch wohnt, nach Planegg in die Georgenstraße. Dort arbeitet Susanne T. bei einer Firma, die sich auf die Einrichtung von Arztpraxen spezialisiert hat.

Was dann passiert, ist im Detail noch unklar. Aber offenbar geht die Frau zu ihrem Ex ­hinaus in den kleinen Park hinter dem Geschäftsgebäude direkt an der Würm. Es kommt zum Streit, plötzlich fallen mehrere Schüsse. Martin S. ist mit seiner Dienstpistole und einem weiteren Revolver bewaffnet. Womit er feuert, ist laut Polizei noch unklar.

Beziehungsdrama in Planegg: Bilder vom Tatort

Beziehungsdrama in Planegg: Bilder vom Tatort

Özgür A. arbeitet im Getränkemarkt schräg gegenüber. „Es hat auf einmal gescheppert, wie von einer Baustelle“, beschreibt er. Er geht nach draußen und ist geschockt: „Ein Mann lag in einer großen Blutlache, es war nichts mehr zu machen.“

Zuvor sei Martin S. in Gedanken versunken vor dem Getränkemarkt auf und ab gelaufen und auch hinter dem Steuer seines Autos, einem BMW, gesessen.

Um kurz vor 12.30 Uhr geht bei der Polizei der Notruf ein. „Da hat sich ein Mann auf offener Straße erschossen!“ Martin S. hatte die Waffe auch gegen sich selbst gerichtet. Den Beamten, die wenig später am Einsatzort sind, bietet sich ein Bild des Schreckens: Ihr Kollege liegt blutüberströmt am Boden. Er trägt hellblaue Jeans und ein weißes T-Shirt.

Wenig später wird klar, dass er offenbar kurz zuvor auch seine Ex-Partnerin umgebracht hat. Die beiden Tatorte werden mehrere Stunden abgesperrt. Fassungslosigkeit macht sich in Planegg breit.

Die kleine Cornelia ist heute fünf Jahre alt. Sie hat bei ihrer Mutter in Wolfratshausen gelebt. Jetzt wird das Mädchen, das zur Vollwaisen wurde, von Verwandten und den Großeltern betreut.

Cornelias Opa Adolf sagt am Mittwoch völlig geschockt zur tz: „Ich habe das eben alles erst erfahren.“ Dann fügt er mit zitternder Stimme an: „Ich kann das alles nicht fassen, es ist schrecklich.“

Karl Valentins Enkelin hörte die Schüsse

Anneliese Kühn kann es immer noch nicht fassen: Die Enkelin des großen Karl Valentin lebt nur ein paar Meter entfernt vom Tatort in dem wunderschönen Planegger Haus ihres berühmten Großvaters. Inmitten eines kleinen Idylls voller Leben, Wärme, Inspiration. Inmitten von Andenken, zahllosen Bildern, Basteleien, unendlich vielen Erinnerungen und liebevollem Gedenken. Den traurigen Valentin, sagte sie im Februar vergangenen Jahres, habe sie „nie mitgekriegt“.

Nur ein paar Meter rechts zwischen den Bäumen von ihrem Haus entfernt ist der Tatort. Da, wo zwei Menschenleben ausgelöscht wurden. In dem Ort, wo sich ihr Großvater nie heimisch fühlte.

„Das Schlimmste daran ist: Meine Tochter war eine Arbeitskollegin des Opfers Susanne“, sagt Kühn der tz fassungslos mit belegter Stimme. „Ich habe die Schüsse gehört – fünf waren es mindestens.“

Jacob Mell, Stefan Dorner

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