Drama in Wolfratshausen

Nachbarn beschweren sich über Geruch - schrecklicher Fund

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Wohnung versiegelt: Hier wurde eine Leiche gefunden.

Die Nachbarn in einem Wolfratshauser Mehrfamilienhaus haben schon seit Tagen den beißenden Geruch wahrgenommen - und sich Sorgen gemacht. Tatsächlich hausten sie wochenlang neben einem Toten. 

Wolfratshausen Penetrant, modrig, beißend: Schon im Eingangsbereich eines Mehrfamilienhauses an der Tiroler Straße schlägt einem ein starker Geruch entgegen. Der Grund: Vor einigen Tagen wurde in einer der Wohnungen die Leiche eines Bewohners gefunden. Der Mann war offenbar bereits seit Wochen tot. Für die Hausbewohner ist der Verwesungsgeruch unerträglich. Die Polizei hat die Wohnung des Verstorbenen versiegelt. Wann das Siegel entfernt wird, ist abhängig von den noch laufenden Ermittlungen.

„Der Geruch hat sich im ganzen Treppenhaus ausgebreitet“, berichtet eine Anwohnerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Um ihren langjährigen Nachbarn habe sie sich bereits Sorgen gemacht. „Ich hatte ihn schon einige Wochen nicht mehr gesehen, das hat mich stutzig gemacht.“ Auch andere Bewohner des Hauses berichteten ihr auf Nachfrage, dass sie den Mann lange nicht zu Gesicht bekommen hätten. Über seinen Verbleib wusste an der Tiroler Straße jedoch niemand etwas Konkretes. „Als es dann so stark gerochen hat, haben wir die Polizei gerufen“, berichtet die Wolfratshauserin.

Nach dem Anruf sei die Freiwillige Feuerwehr Wolfratshausen hinzugezogen worden, um die Wohnungstür zu öffnen, berichtet der Leiter der Polizeiinspektion Wolfratshausen, Andreas Czerweny. „Dahinter wurde der leblose Körper des Bewohners gefunden.“ Der Zustand der Leiche habe keinen Zweifel daran gelassen, „dass der Mann bereits einige Zeit vor unserem Eintreffen tot war“.

Die Suche nach Angehörigen war nicht erfolgreich

Wie immer in solchen Fällen schalteten die Wolfratshauser Beamten ihre Kollegen von der Kriminalpolizei Weilheim ein, die die Ermittlungen übernahmen. Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim, Jürgen Thalmeier, erklärt: „Das ist der normale Vorgang bei Wohnungsöffnungen, in deren Zuge eine Leiche gefunden wird.“ Die Kripo gehe anschließend der Frage nach, ob im Zusammenhang mit dem Todesfall ein Fremdverschulden vorliegt. Im konkreten Fall gibt es dafür laut Thalmeier keine Anhaltspunkte, die Leiche werde dennoch obduziert.

„Man möchte nicht glauben, wie oft es leider passiert, dass Menschen wochenlang tot in ihrer Wohnung liegen“, sagt Polizeisprecher Thalmeier. In manchen Fällen sogar so lange, dass die Todesursache selbst bei einer Obduktion nur schwer zu ermitteln sei. Zur Ermittlungsarbeit der Kripo gehört es auch, Angehörige des Verstorbenen ausfindig zu machen, die sich um den Nachlass – eventuell die Wohnung – kümmern. Gibt es keine Angehörigen, verwaltet das Nachlassgericht die Immobilie. Nach Informationen unserer Zeitung war die Angehörigensuche in puncto Tiroler Straße nicht erfolgreich. Die Zuständigkeit liegt also beim Nachlassgericht.

Bewohner des Mehrfamilienhauses müssen noch mit dem Geruch leben

Wie lange die Wohnung noch versiegelt bleibt, steht noch nicht fest. In manchen Fällen könne sich das bis zu einem Vierteljahr hinziehen, weiß Polizeichef Czerweny. Dass die Bewohner des Mehrfamilienhauses noch drei Monate mit dem beißenden Geruch leben müssen, glaubt Czerweny indes nicht. Er werde intern auf das „Problem“ aufmerksam machen. „Darum wird sich jemand kümmern.“

Hilfe verspricht auch die Hausverwaltung, die Deutsche Immobilien Management GmbH mit Hauptsitz in Berlin: „Wir nehmen zur Beschleunigung der Angelegenheit mit dem zuständigen Nachlassgericht Kontakt auf und weisen auf die besondere Situation hin“, kündigt eine Pressesprecherin des Unternehmens an.

Dominik Stallein

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