Seniorin flüchtet aus dem Haus

Mann wird gegen eigene Mutter (91) handgreiflich

Markt Schwaben - Da ist der Wolfi so richtig ausgetickt: Im Laufe eines Streits mit seiner Mutter (91), schubste Wolfgang L. die Seniorin im gemeinsamen Haus in Markt Schwaben und drückte sie an den Türstock, bis die alte Dame zu Boden ging.

Dann bedrohte er sie mit den Worten: „Ich hole ein Beil und hacke dich in zwei Teile.“ Mit Prellungen und einem Bluterguss flüchtete die 91-jährige Rosa L. (Namen geändert) schließlich aus dem Haus.

Für Amtsrichterin Susanne Strubl stand fest, dass sich der arbeitslose Angeklagte der vorsätzlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung schuldig gemacht hatte. Sie verurteilte Wolfgang L. deswegen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die zwei Jahre und sechs Monate zur Bewährung ausgesetzt ist.

Ereignet hatte sich der Vorfall am Abend des 8. Januar 2012. Wolfgang L. (56) schilderte den Sachverhalt vor dem Ebersberger Amtsgericht ganz anders. Zwar habe es einen Streit gegeben. „Aber ich habe sie nur auf die Seite geschubst. Sie ist nicht zu Boden gestürzt.“ Der Satz mit dem Beil sei absolut nicht gefallen. „Ich glaube, es ging um ein Gurkenglas, das nicht da war. Sie ist dann rüber zu ihrer Nachbarin, um sich eines zu holen“, versicherte der Angeklagte.

Von einem Gurkenglas berichtete die Nachbarin in ihrer Zeugenaussage allerdings nichts. „Frau L. ist in den Garten gekommen und hat nach mir gerufen.“ Sie habe die alte Dame dann zu sich ins Haus geholt. „Sie erzählte mir, dass ihr Wolfi mal wieder getrunken hatte und randalierte.“ Auch habe die Seniorin berichtet, dass er sie geschlagen habe und sie gefallen sei. „Sie klagte über Schmerzen an der Seite und hat nur noch gezittert.“

Auf die Frage von Richterin Strubl, ob er denn an dem Tag Alkohol getrunken habe, sagte der Angeklagte: „Ja, fünf Weißbier bestimmt.“ Wie es denn sonst mit seinem Alkoholkonsum aussehe, wollte Strubl wissen. „Manchmal trinke ich zwei Wochen nichts, dann wieder zwei bis drei Bier am Tag“, erklärte Wolfgang L. „Aber eigentlich trinke ich ja viel mehr Espresso als Bier“, beteuerte er. Und überhaupt leide seine Mutter ja seit einigen Jahren an Alzheimer.

„Alzheimer? Nein, wenn überhaupt, dann Demenz“, sagte der Neffe des Opfers vor Gericht. Er war in jener Nacht von der Nachbarin telefonisch von dem Vorfall unterrichtet worden und hatte seine Tante schließlich ins Erdinger Krankenhaus gefahren. „Meine Tante hat mir berichtet, dass Wolfi sie geschlagen und bedroht hat. Das war sehr glaubhaft. Und so hat sie es auch vor der Polizei geschildert.“ Und auch im Krankenhaus berichtete die Seniorin von der Tat ihres Sohnes. Eine Zimmernachbarin bestätigte vor Gericht, die alte Dame habe während ihres fünftägigen Aufenthalts immer wieder erzählt, was ihr Sohn ihr angetan habe. „Sie war sehr verängstigt.“

„Wenn Sie gegenüber Ihrer Mutter noch einmal übergriffig werden, sperre ich Sie ohne mit der Wimper zu zucken ein“, sagte Strubl und verdonnerte den Angeklagten zudem zu 100 Stunden Sozialarbeit und drei Beratungsgesprächen bei der Suchtberatung der Caritas.

Tanja Beetz

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