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„Das war mein Baby“: Ladenbesitzer nach Brand nahe München verzweifelt - eine Sache lässt ihn aber aufatmen

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Von: Raffael Scherer

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Gökhan K. vom „Süpermarket“ in Markt Schwaben erfährt nach einem Feuer von allen Seiten Hilfe. Trotzdem weiß er nicht, wie es weitergehen soll.

Einsatz der Feuerwehr im Zentrum Markt Schwabens.
Feuerwehrkräfte bekämpfen das Feuer. © Gaulke

Markt Schwaben – Als der türkische „Süpermarket“ in Markt Schwaben in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Flammen stand, war sein Besitzer Gökhan K.* (34) gerade mit Bekannten an einer Tankstelle in Pastetten. Dort bekam er die Nachricht einer Nachbarin, dass sein Laden brenne: „Ich habe sie dann gleich angerufen und gefragt ob das ein Witz ist“, erinnert er sich. Als dann immer mehr Nachrichten und Anrufe eintrudelten, stieg er sofort ins Auto: „Ich bin dann da mit 150 Sachen runtergerast, weil ich es gar nicht glauben konnte.“ Doch dann sah er mit den eigenen Augen, wie zahlreiche Einsatzkräfte das Feuer in dem Wohn- und Geschäftshaus in der Ortsmitte bekämpften.

Ebenfalls informiert wurde Harald Johanssen, Mitinhaber des „Hoch2“-Versicherungsmaklerbüros im ersten Stock. Sofort habe er sich ebenfalls dorthin begeben. Dabei brannte es in seinem Büro gar nicht – sondern nur in Erdgeschoss und zweitem Stock: „Es ist wie ein Wunder, wenn es oben brennt und unten brennt, das ist ein bisschen surreal“, so der Gesellschafter. Er vermutet, dass das an den Betondecken und der Bauweise des Gebäudes liege.

Unglück bringt Hilfsbereitschaft zutage: Von allen Seiten bieten Menschen Unterstützung an

Vor allem war er jedoch von der Hilfsbereitschaft der Menschen überwältigt, welche das Unglück zutage brachte: „Da merkt man, dass Markt Schwaben nicht wie München ist und die Leute sich helfen“, erklärt er. Egal ob von Einsatzkräften, der Gemeinde, Bürgermeister Michael Stolze, Unternehmen, Privatpersonen, Nachbarn oder Kunden – von allen Seiten sei Hilfe angeboten worden.

Darunter war auch Alois Rupprich von der Unternehmervereinigung Markt Schwaben. Er stellte einem der Bewohner eine seiner Musterwohnungen zur Verfügung: „Wir sehen uns da auch verantwortlich, dass es für alles irgendwie eine Lösung gibt und die Leute nicht auf der Straße hocken“, sagt er. Wichtig sei aber allem voran, dass keinem Menschen etwas passiert sei.

Brand in „Süpermarket“: Polizei vermutet technischen Defekt als Brandursache

Darüber ist auch K. froh, sagt er und dankt ebenfalls den Helfern. Er sei gerade mit dem Bürgermeister im Gespräch, um übergangsweise Flächen für seinen Laden zu finden. Zwar sei noch nicht geklärt, ob und wie viel ihm die Versicherung bezahle, aber aufgeben möchte er sein Geschäft keinesfalls: „Das war mein Baby, mein Leben, meine ganze Existenz“, so der Händler. Zumindest habe die Polizei bisher keine Hinweise auf Fremdeinwirkung gefunden, sondern vermute als Brandursache einen technischen Defekt: „Das ist schon mal eine riesen Last, die da runterfällt“, so K.

Durch den Brand verlor die Gemeinde nicht nur den „Süpermarket“ und eine Filiale der Bäckerei Rieger, sondern auch ihre Postfiliale: Laut Pressesprecher Klaus-Dieter Nawrath habe die Deutsche Post den Vorfall zunächst einmal zur Kenntnis genommen: „Das alles kam ja überraschend, wie das bei Bränden so üblich ist“, so der Sprecher. Es habe aber schon Gespräche auf der Suche nach einer „kundenfreundlichen Lösung“ gegeben. Konkret sei noch nichts, „aber wir wollen das nicht auf die lange Bank schieben.“ Bis dahin müssen Kunden mit den Filialen in der Umgebung Vorlieb nehmen.

Verbrannte Briefe und Pakete: Das gilt es jetzt zu beachten

Kunden die bis Samstagmittag, 12 Uhr, Briefe und Pakete abgegeben haben, brauchen nichts zu befürchten, da diese bereits abgeholt wurden. Bei allem später Abgegebenen müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass es verbrannt sei, so Nawrath. Das betreffe ebenso alle Kunden, die daheim nicht angetroffen wurden und mit einer Benachrichtigungskarte ihre Sendungen in der Filiale abholen sollten. In beiden Fällen sollen die Betroffenen auf der Website der Deutschen Post einen Nachforschungsauftrag stellen. Um wie viele Sendungen es sich dabei handle, sei laut Nawrath kaum einzuschätzen.

Doch eine kleine Linderung hat die Post ebenfalls: So soll ab kommendem Freitag, den 28. Januar, im Wiegenfeldring 9 eine neue Packstation ans Netz gehen - unabhängig von dem Brand. Und Nawrath fügt hinzu: „Das ersetzt zwar keine Filiale, ist aber eine weitere Anlaufstelle um Pakete zu empfangen und teilweise zurückzuschicken“

*Aufgrund der aktuellen Ereignisse in dem Fall wurde der Name nachträglich anonymisiert.

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