Tierischer Ausreißer in Markt Schwaben

Feuerwehr jagt Nandu

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Markt Schwaben - Zu einem tierischen Einsatz rückte am Freitagmittag die Feuerwehr Markt Schwaben aus. Ein Passant hatte nahe der Kläranlage im Norden des Ortes "einen Emu" gesichtet.

Der erste Gedanke von Kommandant Peter Wierer war: „Des gibt’s nicht“! Der zweite: „Wollt’s ihr mich verar...?!“ Es ist Freitag, kurz nach 14 Uhr, als das Telefon im Feuerwehrhaus Markt Schwaben läutet und ein Anrufer meldet: „Da läuft ein Emu oder Strauß frei herum!“ Eine halbe Stunde vor diesem Anruf waren rund 15 Feuerwehrler zurückgekehrt von einem schweißtreibenden Einsatz: Sie hatten auf einer Wiese am Sägmühlenweg einen freilaufenden Nandu gefangen. Mit vereinten Kräften war es ihnen gelungen, den Laufvogel (der bis zu 35 Kilometer pro Stunde schnell sein kann) unversehrt dingfest machen zu können. „Es hat drei, vier Mann gebraucht, um den Vogel festhalten zu können. Dann haben wir ihm die Beine zusammengebunden“, berichtet Wierer. Etwa eine halbe Stunde habe die Verfolgungsjagd gedauert, wobei „Jagd“ zu viel gesagt ist, die 15 Feuerwehrleute haben den Nandu eingekreist und ihn dann gepackt. „Das hat ausgesehen wie beim Fußball, wenn sich alle Spieler auf den Torschützen werfen“, sagt Peter Wierer und lacht.

Dem naturfarbenen Laufvogel geht es gut, die Feuerwehr hatte kurz nach dem ersten Anruf, der gegen 12 Uhr eingegangen war, den Experten Torsten Jacobs aus Markt Schwaben zu Hilfe geholt, der selbst einen Nandu hält. Als der 43-Jährige am Ort des Geschehens eintraf, musste er die Feuerwehrleute zunächst enttäuschen: „Das ist nicht meiner, und ich weiß auch nicht, wohin dieser Nandu gehört.“ Nun erholt sich der Laufvogel in dem Gehege von Jacobs von den Strapazen.

Bilder: Feuerwehr auf Nandu-Jagd

Die Feuerwehrleute waren gerade erst ins Gerätehaus zurückgekehrt, als das Telefon erneut klingelte und Kommandant Peter Wierer glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. Aber tatsächlich: Als die Einsatzkräfte zu besagtem Ort an anderer Stelle im Gemeindegebiet von Markt Schwaben kamen, sahen sie einen weiteren Nandu, dieses Mal mit weißem Federkleid. „Wir haben schnell eingesehen, dass wir diesen Laufvogel auf freiem Feld nicht fangen können und haben den Einsatz abgeblasen“, berichtet Wierer.

Erneut hatten die Feuerwehrleute Torsten Jacobs angerufen, der dieses Mal die Umstände erläutern konnte: „Ich habe vor einiger Zeit diesen Vogel bestellt. Als er mir vor etwa zwei Wochen angeliefert werden sollte, ist er dem Fahrer wohl abgehauen“, erzählt Jacobs. Seitdem lebe der Nandu ruhig und zufrieden in der Nähe eines Bauernhofs, dessen Besitzer versucht, den Vogel anzufüttern und dessen Vertrauen zu gewinnen, damit er eingefangen und zu Jacobs gebracht werden kann. Torsten Jacobs ist bestens vertraut mit Laufvögel, seinen eigenen Nandu hat der Diplom-Kaufmann, dessen Hobby die Verhaltensforschung ist, bereits seit etwa vier Jahren.

Als Kommandant Peter Wierer unserer Zeitung am Freitagnachmittag von den beiden Einsätzen erzählt, fällt ihm am Schluss des Gesprächs noch etwas ein: „Sie werden es nicht glauben“, sagt er und lacht, „heute Nachmittag um fünf Uhr haben wir den nächsten Vogel-Termin: Wir fahren mit der Drehleiter zum alten Schulhaus, um das Storchennest oben am Dach zu reinigen.“

Armin Rösl

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