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„Besonders krass“: Medikamente in Apotheken knapp - Ungewöhnlich viele Erkältungen

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Von: Melina Staar

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Ungewöhnlich viele Erkältungen – aber auch Corona-Infektionen – gibt es derzeit. Gleichzeitig sind gerade fiebersenkende Medikamente schwer erhältlich.
Ungewöhnlich viele Erkältungen – aber auch Corona-Infektionen – gibt es derzeit. Gleichzeitig sind gerade fiebersenkende Medikamente schwer erhältlich. © DPA

In vielen Bereichen des täglichen Lebens macht sich der Ukraine-Krieg auch im Landkreis bemerkbar. Aktuell sind bestimmte Medikamente schwerer erhältlich.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „In den letzten Tagen und Wochen haben wir gemerkt, dass auch bei uns manches knapper wird“, berichtet Apotheken-Sprecher Christopher Hummel. Ibuprofen, Paracetamol und andere Wirkstoffe seien betroffen. Problematisch sei dies vor allem bei den Säften mit dem Wirkstoff Ibuprofen, die für kleine Kinder geeignet sind. „Die sind nicht mehr lieferbar.“ Noch vorhanden sind allerdings Zäpfchen und Tabletten. „Aber wenn man nicht vorgesorgt hat, haben die Apotheken ein Problem.“

Medikamente in Apotheken knapp: Ibuprofen in Dosierung für kleine Kinder nicht lieferbar

Ibuprofen mit der Dosierung für kleine Kinder sei derzeit nicht lieferbar, sagt Kinderärztin Dr. Carolin Lang. Seit zwei bis drei Wochen sei es ganz extrem. Häufig bekomme sie nun Rückmeldung von Apotheken oder Eltern, dass ein bestimmtes verschriebenes Medikament nicht da sei. „Dann müssen wir nach einer Alternative suchen.“ Für kleine Kinder gibt es die Möglichkeit, Zäpfchen zu geben, bei größeren Kindern gibt es Lutschtabletten. Nicht alle Kinder könnten aber Tabletten gut schlucken.

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Mit Voraussicht hätte die Politik eine solche Situation vermeiden können, ist sich Hummel sicher. „Die ganze Produktion von Medikamenten wurde in Länder der Dritten Welt ausgelagert. Jetzt haben wir den Salat.“ Aufgrund von Profitgier und Rabattverträgen sei Deutschland inzwischen „ein Entwicklungsland, was die medizinische Grundversorgung angeht“. Die Produktion im eigenen Land lasse sich auch nicht in ein bis zwei Jahren wieder ankurbeln.

„Hustensäfte, Halstabletten und Fiebersenker sind gerade sehr gefragt“

So müsse er Patienten nun häufig sagen, dass er das für sie verordnete Medikament nicht habe. Dann gelte es, Rücksprache mit dem Arzt zu halten und eine Alternative zu finden. Dazu komme, dass trotz Sommer derzeit „brutal viele“ Corona oder Erkältungen haben. „Die Dunkelziffer ist sicher enorm hoch“, mutmaßt Hummel. Es sei außer der Norm. „Hustensäfte, Halstabletten und Fiebersenker sind gerade sehr gefragt.“ Zweieinhalb Jahre hätten viele Leute nun Kontakte eingeschränkt, nun sei wieder viel los. „Jeder hat Lust, etwas zu unternehmen. Das Immunsystem hatte aber zuletzt keine Arbeit. Jetzt kommt eben schon die kleinste Erkältung durch. Das ist normal.“

Sehr viele Menschen seien gerade krank, bestätigt Dr. Lang. „Für die Jahreszeit ungewöhnlich viele. Seit zwei Wochen haben wir wieder viele Kinder mit Corona-Infektionen. Aber auch ein grippaler Infekt mit Fieber geht gerade rum.“

Lieferengpässe bei Medikamenten: „Am Ende schaut der Patient in die Röhre“

Dass es derzeit „besonders krass“ ist, berichtet auch Dr. Matthias Bohnenberger, Vorsitzender des Vereins „Hausärzte Tölzer Land“. „Viele haben Corona oder andere Infekte.“ Oft schreibe er den Patienten Rezepte für Medikamente aus, die nicht zu bekommen seien. „Dann kommt der Patient wieder, wir telefonieren alles ab oder verschreiben etwas anderes. Aber es ist nicht immer möglich, auf etwas anderes auszuweichen.

Am Ende schaut der Patient in die Röhre.“ Es sei kein Wunder, dass es so gekommen sei. „Es wird ja alles im Ausland produziert.“ Seit Jahren sei beispielsweise ein Krebsmedikament kaum erhältlich. „Es ist unglaublich bitter, wenn der Patient weiß, dass es eine Lösung gibt, aber das Mittel nicht lieferbar ist.“

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