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Jobcenter

Mehr Zeit und weniger Aggression im Starnberger Jobcenter

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Eindeutiger Hinweis: Am Starnberger Jobcenter weisen Plakate auf die Regeln hin. Wer sich nicht daran hält, bekommt nicht nur Hausv erbot. 

Das Starnberger Jobcenter erweitert seine Öffnungszeiten, um Spannungen abzubauen. Bisher standen die Kunden donnerstags bis ins Treppenhaus. Frustration hat bereits mehrfach zu gefährlichen Situationen geführt – auch Geschäftsführer Gerhart Schindler wurde angegriffen.

Landkreis – Mit Wirkung von diesem Dienstag erweitert das Starnberger Jobcenter die Öffnungszeiten. Hintergrund ist auch, die Kundenströme zu entzerren. Häufiger waren zu viele Menschen gleichzeitig bei der Behörde, was zu Konflikten führte. Jobcenter-Geschäftsführer Gerhart Schindler will die Lage beruhigen, denn Fälle von Gewalt und Bedrohung gab es auch in Starnberg – Schindler wurde selbst einmal Opfer.

In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Kundenzahl im Jobcenter, das sowohl Langzeitarbeitslose betreut als auch Bezieher von Hilfe zum Lebensunterhalt (frühere Sozialhilfe), um mehr als ein Drittel erhöht – von rund 1500 auf etwa 2100. Der Druck aufs Jobcenter hat durch die rund 600 bis 650 anerkannten Flüchtlinge zugenommen, sie sind Schindlers Angaben nach weder aggressiv noch gewalttätig. Einige hätten sich bei Deutschen aber wohl etwas abgeschaut. Pünktlich seien sie bei Terminen nicht immer, weil sie es aus ihren Heimatländern nicht gewohnt seien, sie seien aber freundlich und zeigten – ebenfalls wegen der Erfahrungen im Heimatland – Respekt vor Behörden. Die Flüchtlinge bewiesen eine „Engelsgeduld“. Bisherige Vorfälle und daraus folgende Hausverbote gingen komplett auf das Konto von Altkunden – Einheimischen. Alle dennoch eine Ausnahmeerscheinung, wie Schindler betont: „Wir reden über weniger als ein Prozent.“

Das Jobcenter verfolgt eine Null-Tolerant-Strategie, die schon am Eingang zu lesen ist: Auf einem Plakat steht „Keine Gewalt im Jobcenter“ und, dass keine Waffen, Sachbeschädigungen oder verbalen Belästigungen, kein Stalking, Mobbing oder sexuelle Übergriffe geduldet würden. Alle Verstöße würden sofort zur Anzeige gebracht. Das Plakat ist keine Starnberger Erfindung, sondern hängt an vielen Jobcentern in Deutschland. Ein „kleiner Baustein“ im Sicherheitskonzept.

Schindler selbst ist bereits Opfer einer Gewalttat im Jobcenter geworden. Ein angetrunkener Kunde hatte ihn an die Wand gedrückt und wollte ihn zwingen, „sofort zu zahlen“. Die Notfallsysteme funktionierten, binnen Minuten standen vier bewaffnete Polizeibeamte im Büro und überwältigten den Angreifer. Einmal kam ein Kunde mit einem Samuraischwert ins Jobcenter, das zwar aus Holz war, was auch schon hoch gefährlich sein konnte. Ein Kunde drohte einmal, er komme das nächste Mal mit einer Pistole, ein anderer spukte eine Mitarbeiterin an. Alle bekamen Hausverbot, was in diesem Fall bedeutet: Sie dürfen im Jobcenter nur auftauchen, wenn sie einen Termin haben. Gespräche über Leistungskürzungen oder Ablehnungen werden immer von mehreren Mitarbeitern geführt. Ein Sicherheitsmann ist immer anwesend, was sich Schindler zufolge „sehr, sehr bewährt“ hat. Die Security ist immer ausnehmend freundlich, was auch Journalisten auf Recherchebesuch merken. Freundlich heißt nicht nachsichtig: Ausweis zeigen ist Pflicht. Als jüngst ein Kunde den Sicherheitsmann beschimpfte, wurde er vor die Tür gesetzt. Rassistische Äußerungen sind die absolute Ausnahme, sie kommen praktisch nicht vor.

Schindler lässt seit Mitarbeiter schon seit Jahren regelmäßig von aktiven und ehemaligen Polizisten in Deeskalation schulen, um ein aufgeheiztes Gespräch zu beruhigen. Alle Büros haben zwei Türen, falls eine schnelle Flucht nötig sein sollte. Die Tätigkeit im Jobcenter ist auch ohne Auswüchse hart: Jeder Mitarbeiter betreut etwa 150 Fälle; wenn Kollegen erkrankt sind, sind es deutlich mehr. Die Stellenausstattung der Jobcenter hält Schindler für „nicht schlecht“, aber der Stellenschlüssel berücksichtigte keine Ausfälle. Fehlen mehrere Mitarbeiter, sorgt das bei den übrigen schnell für eine Überlastung. Das wiederum führt auch zu Wartezeiten für die Kunden, was bei einigen wenigen die Aggressivität wachsen lässt.

Dass gerade am Donnerstagnachmittag das Jobcenter voller Kunden ist und der Wartebereich nicht mehr ausreicht, trägt auch nicht gerade zu einer entspannten Situation bei. Deswegen ändert Schindler ab heute, Dienstag, die Öffnungszeiten. Ab sofort ist auch Dienstagnachmittag von 13.30 bis 16 Uhr geöffnet. Die übrigen Zeiten: Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 12 Uhr und donnerstags von 13.30 bis 17.30 Uhr. Nicht nur das Jobcenter muss bei der Sicherheit besondere Wege beschreiten. Auch im Landratsamt ist Sicherheitspersonal insbesondere im Bereich Ausländeramt im Einsatz. Auch dort gab es Vorfälle – vor wenigen Wochen musste die Polizei eingreifen.

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