Sexbestie Karl D. klagt gegen Dauer-Überwachung

Karl D.

Randerath/Geretsried - Das Verwaltungsgericht Aachen wird am kommenden Montag darüber entscheiden, ob die 24-Stunden-Observation des Sexualstraftäters Karl D. rechtmäßig ist.

D. hatte bereits eine 17-jährige Anhalterin vergewaltigt, als er nach der Verbüßung einer mehrjährigen Haftstrafe 1994 in Geretsried erneut zuschlug. Der im Raum Penzberg lebende Gabelstaplerfahrer lockte eine damals 14-jährige Geretsriederin und ihre Freundin (15) aus Wolfratshausen vor dem Jugendzentrum Saftladen in seinen Campingbus, vergewaltigte und folterte die Mädchen. In einem Waldstück bei Icking warf er die misshandelten Kinder Stunden später aus dem Bus.

Lesen Sie auch:

Angst vor Öffentlichkeit: Sexbestie Karl D. zieht doch nicht um

Sexualstraftäter Karl D. narrt die Polizei

Bis Ende Februar 2009 saß er deswegen im Gefängnis. Weil Gutachter den Mann als potenziellen Rückfalltäter einstuften, strengte die Staatsanwaltschaft München II die nachträgliche Sicherungsverwahrung für D. an. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe lehnte dies jedoch wie berichtet ab.

Karl D. zog daraufhin zu seinem Bruder in die nordrhein-westfälische Kleinstadt Randerath - und löste damit heftige Einwohnerproteste aus. Abend für Abend trafen sich monatelang bis zu 100 Bürger vor dem gelben Häuschen hinter den Bahngleisen zur „Mahnwache“, wie sie es nannten, und skandierten: „Kinderschänder raus!“ Immer unter den Augen der Polizei, denn die hat bis auf den heutigen Tag die Aufgabe, Karl D. rund um die Uhr zu observieren.

Ein Dutzend Beamte sind im Schichtbetrieb abgestellt, um den Sexualverbrecher auf Schritt und Tritt zu begleiten. Beim Einkaufen, beim Spazierengehen, beim Radfahren. In der Nähe des Wohnhauses wurde ein Container aufgestellt, in dem sich die Polizisten aufwärmen können, wenn’s regnet oder schneit. Allerdings tauchte der 59-Jährige auch schon mal ab: Mit einem Motorrad brauste er in die benachbarten Niederlande sowie am selben Tag nach Belgien. „Wir wissen nicht, was er dort gemacht hat“, räumte ein Polizeisprecher nach der Überwachungspanne ein.

Die Rund-um-die-Uhr-Observierung hatte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch 2009 angeordnet - und die Bevölkerung öffentlich darüber informiert, dass fortan ein Mehrfach-Vergewaltiger in ihrem Städtchen lebt. Pusch schätzt, das die Überwachung D.s etwa 100 000 Euro pro Monat kostet. Vor allem aber, so der CDU-Politiker in einem Gespräch mit der Zeitung „Die Welt“, binde die Aktion Polizeikräfte, die an anderer Stelle benötigt würden. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, kommt zu dem Schluss: „Der Gesetzgeber hat geschlampt und die Polizei muss es ausbaden.“

Er würde die Beamten gerne abziehen, erklärt der Landrat. „Aber was passiert, wenn der rückfällig wird? Dann steh’ ich dafür gerade.“ Die Entscheidung könnte Pusch am Montag abgenommen werden. Die Familie des Bruders von Karl D. hat geklagt, weil sie sich von der Überwachung mitbetroffen fühlt. Ob sie ausgesetzt wird, weil sie rechtlich unzulässig ist, wird das Verwaltungsgericht Aachen beurteilen. (cce)

Auch interessant

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Ausgebrochene Stierherde: Sogar die Bergwacht sucht nach den Bullen
Ausgebrochene Stierherde: Sogar die Bergwacht sucht nach den Bullen
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil

Kommentare