650 Menschen demonstrieren gegen 3. Startbahn

München - 650 Startbahngegner hatten am Samstagnachmittag am Flughafen ein deutliches Zeichen gesetzt, was sie vom Flughafenausbau denken.

Vom Kleinkind bis zum Uropa, vom Freisinger Bürger bis zum Stuttgarter Solidaritätsbruder - sie alle demonstrierten im Terminal 2 gegen den Bau der dritten Startbahn. Und mittendrin ein überglücklicher Hartmut Binner, Sprecher des Aktionsbündnisses Aufgemuckt, das gemeinsam mit dem Bund Naturschutz die Aktion organiert hatte.

"Wenn ich noch etwas sportlicher wäre, dann würde ich vor Freude einen Salto machen", sagte der Aufgemuckt-Sprecher völlig überwältigt. 650 Startbahngegner hatten an diesem Samstagnachmittag am Flughafen ein deutliches Zeichen gesetzt, was sie vom Flughafenausbau denken. Die Demonstranten hatten im Terminal 2 die Picknickdecken ausgelegt, gemeinsam Lieder gesungen und Botschaften anderer Flughafen gelauscht. Schließlich handelte es sich um eine bundesweite Aktion gegen Fluglärm. Dass die Telefonkonferenz mit Berlin zusammenbrach, war nur ein kleiner Schönheitsfehler. Denn es war ja auch Christian Magerl vor Ort, der mit einer kämpferischen Rede gegen die Pläne der Flughafen München GmbH wetterte.

Die wichtigsten Aussagen des Landtagsabgeordneten der Grünen während der Demo:

Zum Thema Bedarf: „Die Gesamtkapazität des Flughafens beträgt nach offiziellen Angaben 520 000 Flugbewegungen pro Jahr. Das bisherige Maximum an Flugbewegungen wurde im Jahr 2008 mit 432 000 erreicht. In den Jahren 2009 und 2010 sank die Zahl um fast zehn Prozent auf 390 000. 2011 wurden 409 956 Bewegungen abgewickelt, immer noch 1370 weniger als im Jahr 2006. Seit dem Beginn der Planungen im Jahr 2005 ist die Zahl der Flugbewegungen nur um insgesamt 2,8 Prozent gewachsen. Vorhergesagt waren +2,9 Prozent pro Jahr. 2012 wird sich der Rückgang fortsetzen. „Die von der Deutschen Flugsicherung im LIZ-Bulletin veröffentlichten Zahlen der ersten elf Wochen bestätigen dies: Der Rückgang beträgt insgesamt 3,7 Prozent. Fr den Sommerflugplan 2012 wurden im Vergleich mit 2011 deutlich weniger Flugbewegungen angemeldet: Die Zahl der Langstreckenverbindungen sinkt um -18,4 Prozent, im innerdeutschen Verkehr wird ein Rückgang von zehn Prozent erwartet. Damit wird gerade mal das Niveau des Sommers 2004 erreicht"

650 Menschen demonstrieren gegen 3. Startbahn

650 Menschen demonstrieren gegen 3. Startbahn

Zu den Startbahnkosten: "Die FMG gibt aktuell die Baukosten mit 1,2 Milliarden Euro an. Bekanntlich wurden solche Anfangsschätzungen bei Großprojekten bislang noch nie eingehalten. Die Kostenexplosion für den Bau des Flughafens selbst ist dafür das beste Beispiel. Zu Beginn der Planungen in den 60er Jahren war von 800 Millionen Mark die Rede. Bei der Inbetriebnahme 1992 waren es dann 8,55 Milliarden Mark. Zum Vergleich: Der Wiener Flughafen Schwechat plant ebenfalls eine dritte Piste mit einer Länge von 3680 m und einer Breite von 60 m. Die geschätzten Kosten liegen laut Tageszeitung „Der Standard“ bei 1,8 Milliarden Euro."

Zum Naturschutz: "Das Nördliche Erdinger Moos (...) ist eines der wichtigsten bayerischen Wiesenbrütergebiete, mit einem der größten Brachvogel-Bestände, sehr bedeutenden Brutvorkommen von Kiebitz, Feldlerche, Grauammer, weiteren Arten der Stillgewässer, Röhrichte und Verlandungszonen, wie dem Blaukehlchen. Wenn man den Schutz der Natur und Artenvielfalt, wie es die Bayerische Verfassung verlangt, ernst nimmt, verbietet es sich, einen solch wertvollen Lebensraum ohne Not zuzubetonieren. Die verbrauchte Fläche (fast 1000 Hektar) wäre größer als der Tegernsee (890 Hektar)."

Zur Belastung des Flughafenumlands mit Lärm und Abgasen:

"Die jetzt geplante drastische Kapazitätserhöhung würde, die Wachstumsraten der FMG unterstellt, die Anzahl der Betroffenen dramatisch steigern und die jetzige Belastung über jedes erträgliche Maß hinaus steigern. So würde laut Unterlagen der FMG der Freisinger Ortsteil Attaching bis zu 530 mal täglich in einer Höhe von nur 50 Metern direkt überflogen. In der Gemeinde Berglern (ED) wäre die Situation nur unwesentlich günstiger. Zehntausende neubetroffene Bürgerinnen und Bürger würden unerträglichen Bedingungen ausgesetzt"

Bundesweite Demonstrationen

Bundesweite Demos gegen Flughafen-Lärm

Zum Thema Arbeitsplätze in der Flughafenregion: "Die Landkreise Freising und Erding hatte schon lange vor dem Bau des Flughafens eine der niedrigsten Arbeitslosenquote bundesweit. Im Arbeitsamtsbezirk Freising lag die Arbeitslosenquote 1991, ein Jahr vor der Inbetriebnahme des Flughafens, bei 2,4 Prozent. Im Februar 2012 lag die Arbeitslosenquote bei 2,4 Prozent.

Ohnehin ist das Arbeitsplatzargument – wie jede Behauptung der FMG – gelinde gesagt, mit Vorsicht zu genießen. Prof. Dr. Friedrich Thießen von der TU Chemnitz kommt in einem Qualitätssicherungsgutachten aus dem Jahr 2010 zu dieser Thematik zu einem vernichtenden Ergebnis. Es gebe seit über 15 Jahren Studien zu den Wirkungen von Flughäfen auf die Arbeitsmärkte von Regionen. Der Großteil dieser Studien werde von Flughäfen in Auftrag gegeben und berechne mit wissenschaftlich unhaltbaren Methoden „zigtausende von Arbeitsplätzen, die in den Regionen (angeblich) geschaffen würden“. Es sei bisher in keinem einzigen Fall gelungen, diese behaupteten Arbeitsplätze tatsächlich nachzuweisen. Im Gegenteil: Empirische Studien zeigten, dass Flughäfen „keine positiven Wirkungen auf die Arbeitsmärkte der Regionen ausüben“. Die von der FMG veröffentlichten Zahlen bestätigen die Vermutung: Die Zahl der Beschäftigten bei der FMG sinkt seit 2005 kontinuierlich: Von 4825 (2005) auf 4252 (2010). Ein Rückgang von rund 12 Prozent."

(pir)

Rubriklistenbild: © Dieter Priglmeir

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