Merkur deckt auf

Firma soll tonnenweise belasteten Schlamm illegal in Erdloch entsorgt haben

Beweisfoto: In diesem Erdloch, etwa zehn auf zehn Meter groß und fünf Meter tief, hat die „RM Recycling München“ die schwarze Flüssigkeit gekippt. Sie stammt aus Zisternen auf dem Firmengelände, wo auch Teer und Asbest lagern.
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Beweisfoto: In diesem Erdloch, etwa zehn auf zehn Meter groß und fünf Meter tief, hat die „RM Recycling München“ die schwarze Flüssigkeit gekippt. Sie stammt aus Zisternen auf dem Firmengelände, wo auch Teer und Asbest lagern.
Die Erdgrube ist immer noch nicht zugeschüttet – anders als behauptet. Aushub lagert dahinter.
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Die Erdgrube ist immer noch nicht zugeschüttet – anders als behauptet. Aushub lagert dahinter.
Georg Gürster (41) vor dem Gelände der RM Recycling. Er sagt: „Die Firma ist alles andere als grün.“
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Georg Gürster (41) vor dem Gelände der RM Recycling. Er sagt: „Die Firma ist alles andere als grün.“
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Beweisfoto: In diesem Erdloch, etwa zehn auf zehn Meter groß und fünf Meter tief, hat die „RM Recycling München“ die schwarze Flüssigkeit gekippt. Sie stammt aus Zisternen auf dem Firmengelände, wo auch Teer und Asbest lagern.
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Beweisfoto: In diesem Erdloch, etwa zehn auf zehn Meter groß und fünf Meter tief, hat die „RM Recycling München“ die schwarze Flüssigkeit gekippt. Sie stammt aus Zisternen auf dem Firmengelände, wo auch Teer und Asbest lagern.
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Beweisfoto: In diesem Erdloch, etwa zehn auf zehn Meter groß und fünf Meter tief, hat die „RM Recycling München“ die schwarze Flüssigkeit gekippt. Sie stammt aus Zisternen auf dem Firmengelände, wo auch Teer und Asbest lagern.

Der Münchner Merkur deckt auf: Die Garchinger Firma „RM Recycling“ soll belasteten Schlamm in einem Erdloch entsorgt haben. Das Landratsamt gibt sich hilflos. Ob eine Gefahr von dem Material ausgeht, ist unklar.  

Garching – Michael Klotz (68) ist schockiert, außer sich, spricht von einem Skandal, von einem gefährlichen Spiel der „RM Recycling München GmbH & Co.KG“ in Garching. Klotz ist Chef eines angrenzenden Unternehmens. Und er ist ehemaliger Geschäftsführer der Vorgängerfirma: „AR Recycling“. 

„Belastetes Material“ soll „RM Recycling“ illegal in einem Erdloch vergraben haben – und zwar auf fremdem Boden, wie der Münchner Merkur jetzt herausfand. Auf dem Firmengelände von Michael Klotz soll das Unternehmen im August 2017 tonnenweise kontaminierten Schlamm in eine Grube geschüttet haben. In einer Zeit, in der er gerade „mitten im Verkauf“ eines Geländeteils an Thyssen Alfa, ein Münchner Rohstoffhändler, stand. „Das ist die größte Unverschämtheit“, sagt Klotz.

Von bis zu 300 Tonnen Schlamm ist die Rede

Von bis zu 300 Tonnen Schlamm ist die Rede, wie Georg Gürster, ein ehemaliger leitender Mitarbeiter des Vorgängerunternehmens von „RM Recycling“ erklärt. 2017 hat RM die Aktivitäten der „AR-Recycling“ übernommen. AR wurde von Michael Klotz vor Jahren gegründet. Gürster arbeitete dort zehn Jahre lang. Das belastete Material, ein schwarzer, schmieriger Schlamm, kann gefährlich sein. „Auf jeden Fall ist es alles andere als unbedenklich“, sagt Georg Gürster.

Unter dem Loch fließe Grundwasser. Er selbst hat die illegale Entsorgung Ende August gesehen, Fotos gemacht und Michael Klotz darüber informiert. Unserer Zeitung liegen zahlreiche Bilder, Dokumente sowie Schriftverkehr vor, die die illegale Entsorgung beweisen. Daraus ergibt sich, dass der Schlamm von dem Gelände von „RM Recycling“ stammt. Dort lagern riesige Mengen an Schrott. Bis aus der Schweiz soll das Material angeliefert werden. Auch Asbest, teerhaltige Stoffe und gesundheitsschädliche künstliche Mineralfasern liegen herum.

Es geht um Hunderttausende Euro 

„Belastete Stoffe können bei Regen ausgeschwemmt werden“, sagt Georg Gürster. Dann fließen sie durch einen riesigen Gully und landen in einer Zisterne. Den Schlamm darin müsste das Unternehmen analysieren lassen und gesondert entsorgen. Das gibt auch Johannes Gritz, Geschäftsführer von „RM Recycling“ zu. Das kostet. Bis zu 300 000 Euro – pro Entsorgung, sagt Gürster. „RM Recycling“ ist ein Unternehmen unter dem Dach der Firma „Die Umweltmeister“ mit Sitz in Garching-Hochbrück – rund 70 000 Quadratmeter groß. Diese umfasst mehrere Firmen. Gritz ist auch Chef einer dieser Firmen: „Die grünen Engel“ mit Sitz in Nürnberg. Das Motto: „Unser Müll ist grün“. 

Mit der Entsorgung in der Erdgrube hätte sich RM Hunderttausende Euro sparen können. Michael Klotz ist sich dessen sicher. In einem Schreiben stellt er Johannes Gritz am 1. September 2017 zur Rede. Der gesteht die Vorwürfe ein: Der Vorgang sei im Haus bekannt, die „nicht regelkonforme Verbringung“ des Materials sei gestoppt und rückgeholt – also der Schlamm wieder aus dem Loch gebaggert worden. 

Geschäftsführer von RM: „Ein sehr dummer Fehler eines Mitarbeiters“

Das bestätigt er auf Anfrage unserer Zeitung: Sofort nach Bekanntwerden des Vorfalles habe er veranlasst, das Material wieder auszugraben, zu sichern und in „geschlossene Container“ zu verfrachten. Gritz sagt: Es sei „ein sehr dummer Fehler eines Mitarbeiters“ gewesen, der den Schlamm nur entwässern wollte. Er selbst habe von dem Vorgang nichts gewusst. 

Der Mitarbeiter arbeitet bis heute in dem Unternehmen. In einer internen Mail an Michael Klotz schreibt der Geschäftsführer, ihm sei zwar die Bedeutung des „Blackouts“ bewusst. Er könne aber nicht sagen, was den Mitarbeiter dazu motiviert habe. Gefahr für Mensch und Natur habe nicht bestanden, beteuert er. Das habe ein Gutachter, den die Firma eigens 2017 beauftragt habe, kontrolliert, sagt Gritz. Die Dokumente habe er danach dem Landratsamt als Aufsichtsbehörde gegeben. 

Das Landratsamt als Aufsichtsbehörde erfährt erst durch die Recherchen des Merkur

Die Behörde wisse von dem Vorgang seit 2017 Bescheid, sagt auch Michael Klotz. Die Behörde hingegen sagt, sie habe erst vor wenigen Wochen im Mai davon erfahren. Und das auch nur, weil der Münchner Merkur zu dem Fall recherchierte. Eine Sprecherin teilt mit, das Landratsamt habe daher erst im Mai das Unternehmen „unverzüglich aufgefordert, sich über den Sachverhalt zu erklären“.

Der Druck auf das Landratsamt München steigt. Lesen Sie einen weiteren Bericht zu den Missständen bei „RM Recycling“: Unterschleißheim fordert jetzt neue Genehmigung

 Es habe eine Ortseinsicht durch einen Mitarbeiter der Abteilung für Emissionsschutz stattgefunden. „Darüber hinaus hat das Unternehmen eine Beprobung und Analyse des Bodens und des Grundwassers durchführen lassen“, schreibt das Amt. Weitere Untersuchungsergebnisse seien angefordert, die Auswertung der Ergebnisse noch nicht abgeschlossen. 

Auf zahlreiche Fragen unserer Zeitung, unter anderem ob das Grundwasser belastet wurde oder ob es Sanktionen gibt, gibt es so gut wie keine konkreten Antworten. Die Behörde beruft sich auf „laufende Untersuchungen“. Der Landrat, Christoph Göbel (CSU), äußerte sich persönlich dazu nicht. 

Das Erdloch ist immer noch nicht ganz zugeschüttet

Sollten unserer Zeitung weitere Hinweise vorliegen, die für die Untersuchung und Klärung des Falls hilfreich seien, sei man „für eine Übermittlung dankbar“, heißt es in einer E-Mail. Das bedeutet, dass die Behörde derzeit nicht sagen kann, ob das Material gefährlich war oder ob Gefahr von der Grube ausgeht. 

Dass das Erdloch auf dem jetzigen Firmengelände von Thyssen Alfa noch im Sommer 2017 zugeschüttet worden sei, beteuert der Geschäftsführer der RM. In einem Schreiben heißt es: Die Grube sei nach dem Vorfall wieder mit dem Aushub verfüllt worden. „Die Grube wurde wieder geebnet“, betont Johannes Gritz auch am Telefon. Nach Recherchen des Münchner Merkur zeigt sich das allerdings ganz anders: Bis vergangene Woche war das Erdloch nicht ganz zugeschüttet.

 Bilder, die uns vorliegen, beweisen das. Aushub lagert immer noch neben der Grube. Grüne Pflanzen bewuchern die Mulde. Ob noch Schlamm darin lagert, ist weiterhin unklar. „Die Umweltmeister“, das Dachunternehmen, unter dem „RM Recycling“ fungiert, stand bereits in den Schlagzeilen. Im Juli 2017 brannte auf dem Gelände ein acht Meter hoher Sperrmüllberg.

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