Vermieter bleibt auf 25.000 Euro sitzen

Messie vermüllt 80-Jährigem die Altersvorsorge

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Die Wohnung sollte seine Altersvorsorge sein. Aber eine Mieterin hat sie in sieben Jahren heruntergewirtschaftet.

Steinkirchen - Die Wohnung sollte seine Altersvorsorge sein. Aber eine Mieterin hat sie in sieben Jahren heruntergewirtschaftet. Sepp Lausch (80) sitzt auf 25.000 Euro Kosten und vier Rollstühlen.

37 Jahre lang hat Sepp Lausch aus Steinkirchen mit Frau Hanni eine Schuhmachermeisterei geführt. Als Altersvorsorge sollte eine Eigentumswohnung in München herhalten. „Man meint halt, man hat’s richtig gemacht, wenn man in Immobilien investiert“, sagt der 80-Jährige, der damals nicht ahnte, dass ihm die Wohnung seine finanziellen Reserven und den letzten Nerv rauben würde.

Die Wohnung war seit 2007 an eine arbeitslose Frau mit ihrem auf den Rollstuhl angewiesenen Sohn vermietet. Die Miete schien gesichert: Die Bundesagentur für Arbeit zahlte.

Jedoch beschwerten sich Nachbarn über Gestank. Lausch besichtigte die „furchtbaren Wohn-Verhältnisse auf einem Müllberg“ und kündigte den Mietvertrag. Doch so einfach sollte sich die Sache nicht klären. „Das Sozialamt hat keine Wohnung für die beiden gefunden“, erzählt Lausch. „Die Frau blieb.“ Betreten durfte der Steinkirchener seinen Besitz nicht mehr. In den letzten Monaten musste er auf einen Teil der Miete verzichten, denn der Frau war ihr Sohn vom Jugendamt entzogen worden. Für sie allein übernahm die Bundesagentur nur noch die Hälfte Miete. Lausch suchte sich einen Rechtsbeistand.

Bleibt auf Schulden und vier Rollstühlen sitzen: Sepp Lausch aus Steinkirchen, der eine Wohnung in München vermietet hatte.

25 000 Euro hat Lausch verloren. Fehlende Mieteinnahmen, Anwaltskosten und Renovierung eingerechnet. Die Altersvorsorge der Lauschs ist dahin. Als ehemalige Selbstständige ist ihre Rente äußerst dürftig. „Würden wir nicht im Eigenheim wohnen, wären wir ein Sozialfall“, sagt der 80-Jährige bekümmert.

Im April dieses Jahres kam es zur Zwangsräumung. „Uns ist die Luft weggeblieben“, erinnert sich Lausch an den Moment, als die Wohnungstür aufging. „So etwas kannst du alle 100 Jahre einmal erleben! Wenn zehn Leichen drin gelegen hätten, hätt’s nicht mehr stinken können.“ Der Müll stapelte sich ein Meter hoch, Dosen, Flaschen, Zigarettenkippen, Hasenkot, Essensreste bedeckten den Boden, dazwischen Kleidung und kiloweise Lebensmittel. „Die Frau muss im Sitzen geschlafen haben, ihr Bett war völlig von Müll vergraben“, sagt Lausch.

Drei Säcke Kleidung, ein Fernseher und ein paar Bilder war alles, was die Mieterin haben wollte. Auf dem Rest blieb Lausch sitzen. Tagelang hat er mit Helfern 200 Säcke Müll, 18 Säcke Kleidung, zwei Hänger voll Elektrogeräte und allerhand Schrott aus der Wohnung getragen. Mehr als eine Lkw-Ladung.

Das meiste ist mittlerweile entsorgt. Übrig sind vier teils elektrische Rollstühle des Sohnes der Fau. „Sie will sie nicht haben, hat gesagt, ich soll sie verkaufen“, erzählt Lausch. „Pro Stück kosteten die mal 4000 Euro.“ Aber der grundanständige Mann sieht sich dazu nicht im Recht: „Das haben doch die Krankenkassen gezahlt!“ Nur die wollen die Stühle auch nicht mehr. Nun sucht der Steinkirchener eine Hilfsorganisation, die seine Rollstühle abholt, „damit sie noch jemandem nutzen.“

Uta Künkler

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