Messners Abrechnung mit dem Alpenverein

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Reinhold Messner.

München - Die Kluft zwischen Extrembergsteiger Reinhold Messner und dem Deutschen Alpenverein (DAV) ist gewaltig. Der Kletter-Star hatte den Verband im März 2009 als „Avantgarde Vorgestriger“ beschimpft.

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Der 66-Jährige kritisierte das „totalitäre Vereinsselbstverständnis“ und warf dem Verband vor, als „Ausgrenzungsverein“ noch heute im Geist der 1930er Jahre zu leben. Der DAV reagierte mit einem totalen Messner-Boykott. Seitdem herrscht Eiszeit. Doch jetzt wird’s wieder heiß: Um sein neues Buch vorzustellen – einen Bildband über die Dolomiten – besuchte Messner am Freitag München. Die tz sprach mit der Bergsteiger-Legende über den aktuellen Ärger im DAV, die Bewerbung für Olympia 2018 und über ein Friedensangebot.

Wie beurteilen Sie die Querelen im DAV?

Reinhold Messner: Ich glaube, dass es um eine Machtfrage ging. Und die Verwalter haben die Macht an sich gerissen. Herr Urban (DAV-Geschäftsführer, A. d. Red.) gängelt den Verband wie eine Schafsherde. Ich kann den DAV nicht mehr ernst nehmen.

Schimpfen Sie vielleicht nur deswegen, weil Sie der Verband boykottiert?

Messner: Unsinn. Ich lasse mir von denen nicht sagen, dass ich ökologisch danebenstehe. Mein Standpunkt war und ist: Dort, wo der Mensch schon immer am Berg gearbeitet hat, da darf er auch weiter nachhaltig wirtschaften. Darüber, in den Alpen oberhalb von 2400 Metern, darf keine neue Infrastruktur entstehen. Doch statt eine Streitkultur zu entwickeln, werden Kritiker einfach nur ausgeschlossen.

Wir reden hier doch aber über einen Naturschutzverband...

Messner: Der DAV ist weder ein Naturschutzverband, noch ein Kletterverein – er ist ein Sportverband. Der ehemalige Präsident Heinz Röhle hatte noch versucht, das Ruder herumzureißen und mehr für die Umwelt zu tun – doch er hatte keine Chance. Es dreht sich alles um Geld, das aus der Industrie in die Verbandskasse fließt.

Auch bei der Olympia-Bewerbung 2018?

Messner: Der DAV will die Bewerbung nutzen, um Klettern zu einer olympischen Disziplin zu machen – nur darum geht es. Urban weiß, dass er keine Chance hat, wenn er die Bewerbung nicht unterstützt.

Kritiker werfen Ihnen vor, sie wollen die Berge nur für Extrem-Kletterer reservieren.

Messner: Da werde ich völlig missverstanden. Ich fordere nur, dass oberhalb einer gewissen Grenze nicht mehr gebaut wird. Und ich wünsche mir, dass wir die Berge nach außen hin stärker ökologisch und historisch beleuchten.

Was halten Sie von der Olympia-Bewerbung?

Messner: Ich verstehe die Touristiker in Garmisch-Partenkirchen. Sie wissen: Wenn wir diese Chance verspielen, verspielen wir ein Stück Zukunft.

DAV-Vize Ulrich Kühnl bezeichnete den eigenen Verband kurz vor seinem Rücktritt als „ADAC der Berge“.

Messner: Das ist eine Beleidigung für den ADAC.

Sie und der DAV – ein ewiger Streit?

Messner: Ich bin ja bereit, Frieden zu schließen. Unter einer Bedingung: Ich will eine volle Stunde Redezeit bei der Vollversammlung.

Und was würden Sie dort sagen?

Messner: Ich würde all das sagen, was der Verband zu verantworten hat und was er wissen muss.

Haben Sie Herrn Urban das Angebot schon unterbreitet.

Messner: Ach, nein. Das letzte Mal, als ich mit ihm gesprochen habe, haben wir uns nur gestritten. Aber er ist auch nicht verantwortlich, das ist der Präsident (Josef Klenner, A. d. Red.). Von ihm erwarte ich nun eine klare Stellungnahme. Der DAV ist ein schwacher Verband.

Tom Schmidt

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