24 Mass 40 Meter weit:

Weltrekord auf dem Pentenrieder Dorffest

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Volle Konzentration: Thomas Seiwald bereitet sich auf seinen Weltrekordversuch vor.

Pentenried - Thomas Seiwald hat einen 55,2 Kilo schweren Turm aus Bier und Glas 40 Meter weit getragen - und einen neuen Weltrekord aufgestellt.

Das Gras dampft. Thomas Seiwald atmet. Einatmen, ausatmen, Konzentration aufbauen. Wettkampfmoment - kurz bevor der Sturm losbricht. Seiwalds Gegner ist kein Mensch. Seiwalds Gegner gluckert still vor sich hin, der weiße Schaum riecht nach Feierlust und einem kleinen Platz in der Geschichte. Seiwald will den Weltrekord. Im Masskrugtragen, 24 Masskrüge, bis zum Anschlag gefüllt mit dem dazugehörigen Gerstensaft, 40 Meter weit.

Weltrekord auf dem Pentenrieder Dorffest

In Pentenried, auf dem dortigen Dorffest, ist es plötzlich still geworden. Immer mehr Menschen sammeln sich um die noch leicht feuchte Tartanbahn des Sportplatzes.

Udo Baumgartner fixiert die Bierkrüge, als könne sein Blick allein ihnen Stabilität verleihen. Er ist der engste Vertraute Seiwalds, derjenige, der alles macht, bevor es ernst wird. Einschenken, wiegen, nachschenken, bis jedes Detail stimmt. Genau 2,3 Kilo müssen die vollen Masskrüge wiegen, bei einem Leergewicht von 1,3 Kilo. „Ich stapel ihm die Krüge, aber tragen muss er sie allein“, sagt Baumgartner. Die Anspannung steigt. „Thomas, Zeit für den Tunnelblick!“ Seiwald stiert ins Leere. Noch fünf Minuten.

2007 kam Seiwald, der im Nebenjob auf der Wiesn als Bräurosl-Bedienung arbeitet, das erste Mal mit der Weltrekordjagd in Berührung, schaffte auf Anhieb 20 gefüllte Masskrüge. „14 Mass zu tragen, sind für mich auf der Wiesn Standard. Der Schritt war also nicht so weit.“ Sechs Weltrekordversuche folgten. Im vergangenen Jahr dann der Durchbruch, Weltrekord mit 22 Mass in Salzburg. Allein, sein härtester Konkurrent, der Freisinger Finanzbeamte Oliver Strümpfel, zog bereits wenige Wochen später nach, erhöhte den Weltrekord auf 23 Krüge.

Nun will ihn Seiwald an diesem Samstag in Pentenried endgültig in die Schranken weisen. „24 Mass - viel höher geht es nicht mehr.“ Das Klicken der Krüge hört man bis in den hintersten Winkel des Sportplatzes. Die Blaskapelle schweigt, alles schweigt. Seiwald und sein Team haben eine neue Stapeltechnik gewählt, sieben Krüge auf die anderen 17, um die Spannkraft der Arme zu erhöhen. „Der Griff ist das Wichtigste und wie man vom Start wegkommt.“ Seiwald stößt einen Schrei aus. Der Turm aus Bier und Glas schwappt und wankt, aber er fällt nicht. 40 Meter, Zeitlupe der Anstrengung. Alles ist still, nur ein Hund bellt.

Der erste Versuch ist bereits schiefgegangen, kaum einen halben Meter vor dem rettenden Tisch, der zweite ist nun umso anstrengender. Seiwald ist diesmal schneller losgegangen, um zum Schluss mehr Kraft übrig zu haben. Die Rechnung geht auf. 24 Masskrüge knallen dumpf auf Holz, das Bier tanzt noch einmal am oberen Rand, dann steht der Turm aus Glas still. Lärm bricht los. Weltrekord.

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