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Michail Gorbatschow bleibt am Tegernsee in guter Erinnerung: „Er grüßte stets freundlich“

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Von: Lucas Sauter-Orengo

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Mit der Familie besuchte Michail Gorbatschow das Bistro am Aquadom in Bad Wiessee.
Mit der Familie besuchte Michail Gorbatschow das Bistro am Aquadom in Bad Wiessee. © Klaus Wiendl

Das Tegernseer Tal war für Michail Gorbatschow ein Rückzugsort. Er besuchte dort gern seine Tochter Irina, die in Rottach-Egern das Hubertus-Schlössl bewohnte. Die Erinnerung an ihn ist lebendig.

Rottach-Egern - Zu gern hätte der Rottacher Gastwirt Franz Josef Maier noch einmal mit Michail Gorbatschow gesprochen. Gefragt, wie es ihm jetzt geht in seinem Heimatland. „Aber leider hatten wir keinen Kontakt mehr“, bedauert Maier. Der Tod des früheren Sowjet-Präsidenten macht ihn traurig: „Es ist ein herber Verlust. Er hatte so wunderbare Gedanken.“ Maier verbindet sehr persönliche Erinnerungen mit Michail Gorbatschow, der nach langer Krankheit jetzt mit 91 Jahren verstorben ist. Die Familie ging gern in Maiers Hotel-Gasthof Maier zum Kirschner zum Essen.

Tegernseer Tal: Rückzugsort von Michail Gorbatschow - Er war häufiger Gast im Maier zum Kirschner

„2017 waren sie zum letzten Mal da“, berichtet Maier. Gorbatschows Tochter Irina Virganskaya hatte sich in Rottach-Egern einen Zweitwohnsitz eingerichtet, der Vater war häufig zu Gast. Im Maier zum Kirschner bestellte er meist Fischsuppe. Und er war nahbar, kam gern mit den Wirtsleuten ins Gespräch. „Es waren sehr emotionale Momente mit ihm, die uns ewig in Erinnerung bleiben“, sagt Maier. Der Kontakt zu Gorbatschows Tochter Irina, den Maier lange gepflegt hat, ist inzwischen abgerissen.

Die Erinnerungsfotos mit Michail Gorbatschow hält Franz Josef Maier in Ehren.
Die Erinnerungsfotos mit Michail Gorbatschow hält Franz Josef Maier in Ehren. © THOMAS PLETTENBERG

Michail Gorbatschow am Tegernsee - Hubertus-Schlössl als Familiensitz

Irina Virganskaya hatte das Hubertus-Schlössl in Rottach-Egern 2005 gekauft. Hier traf sich die Familie des Öfteren. Nachdem seine Frau Raissa bereits 1999 starb, war das Rottacher Schlössl für Michail Gorbatschow ein beliebter Rückzugsort. Die Erinnerungen an seine gebirgige Heimat, den Kaukasus, waren es, die den Friedensnobelpreisträger Gorbatschow veranlassten, immer wieder an den Tegernsee zu reisen. Das Schlössl bot viel Platz für komfortable Aufenthalte: 17 Zimmer auf 570 Quadratmetern Wohnfläche. Gorbatschow, so seine Tochter, liebte die Ruhe und Idylle am Tegernsee.

Gemütliche Essen und Spaziergänge

Im Januar 2014 traf ihn der Autor dieser Zeilen im Kreis der Familie am Aquadom in Bad Wiessee. Nur von einem Bodygard bewacht, ging Gorbatschow an der Uferpromenade entlang und anschließend ins „Bistro“ zum Essen. Er saß mit Tochter Irina und Enkelin Anastasia inmitten anderer Gäste. Zu Beginn gab es eine Suppe mit heimischen Fischen – sein Leibgericht.

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Am Tegernsee blieb Gorbatschow 2014 noch einige Tage, die er ausschließlich im Kreis seiner Familie verbringen wollte. Doch Gorbatschow und seine Tochter speisten auch im Hotel Überfahrt, wie Oligarch Alisher Usmanow berichtet hat. 2011 habe er Gorbatschow im Hotel Überfahrt getroffen, „er aß dort mit seiner Tochter Irina zu Abend“. 2007 waren es wohl Schweinebraten mit Semmelknödel, die es dem ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichef angetan hatten, schrieb der Spiegel über dessen Besuch des „Gasthauses am Hirschberg“. Gorbatschow sei einem Pferdeschlitten entstiegen.

Später war es mit der Idylle am Tegernsee vorbei. Tochter Irina trennte sich 2019 von ihrem bayerischen Feriendomizil. Ein Grund war wohl, dass der Gesundheitszustand des Familien-Oberhaupts Reisen nicht mehr ermöglichte. 2016 wurde ihm beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Freiheitspreis der Medien zuerkannt. Weil er nicht mehr ins Tal reisen konnte, übergaben die Gipfel-Organisatoren, das Tegernseer Verleger-Ehepaar Weimer, Gorbatschow den Preis in Moskau.

Hubertus-Schlössl 2019 verkauft

In Rottach-Egern bleibt der prominente Teilzeit-Bürger unvergessen. Sein unermüdlicher Einsatz für Frieden und Freiheit sei zu Recht mit dem Friedensnobelpreis untermauert worden, würdigt Bürgermeister Christian Köck den Verstorbenen. „Einige Male habe ich ihn beim Spazierengehen in Rottach-Egern getroffen, weil er in unmittelbarer Nähe von meinem Elternhaus zeitweise gewohnt hat“, so Köck: „Er grüßte stets freundlich und wird mir persönlich in guter Erinnerung bleiben.“ VON KLAUS WIENDL UND CHRISTINA JACHERT-MAIER

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