Er ist der Liebling der "Telezwerge"

Michi Schwab: Quoten-Mann im Kindergarten

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Hoppe, hoppe, Reiter - und Michael Schwab ist das Pferd. Die Telezwerge wollen alle mit dem 29-Jährigen spielen

München - Morgens halb zehn in Unterföhring: Im Pro-Sieben-Kindergarten Telezwerge füllt sich das Spielzimmer, die Kinder stürmen herein – sie wollen alle zu Michi. Wir stellen den Quotenmann vor.

Morgens halb zehn in Unterföhring: Im Pro-Sieben-Kindergarten Telezwerge füllt sich das Spielzimmer, die Kinder stürmen herein – sie wollen alle zu Michi, flitzen um ihn herum, krabbeln auf ihn drauf und drücken ihn mit ihren klitzekleinen Händen. Michi hat keine Chance: Jetzt wird Hoppe-Hoppe-Reiter gespielt – mit ihm als Pferd.

Willkommen in der ­wunderbar warmen Welt des Kindergartens – dem Arbeitsplatz von Michael Schwab (29). Hier ist der gelernte Landschaftsgärtner einer von zwölf Erziehern, die sich um 55 Kinder kümmern – und der einzige Mann unter Frauen. In Münchens Kindergärten ist das normal – hier sind Männer Mangelware: Die Landeshauptstadt hat mit nur 3,4 Prozent Anteil an männlichen Erziehern die schlechteste Fachkraftquote bundesweit. 13 Millionen Euro gibt das Bundesfamilienministerium und der Europäische Sozialfonds aus, um das zu ändern mit dem Pilotprojekt Mehr Männer in Kitas.

„Vielleicht ist es in der Gesellschaft noch nicht angekommen, dass Männer auch gut erziehen können“, sagt Michi. „In meiner Erzieherschule war ich auch der einzige Mann.“

Viele hält das geringe Gehalt ab, nicht aber Michi. „Für mich ist Erzieher ein Traumjob, ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit in die Kita“, sagt er. Nach einer Umschulung und einem Jahr Praktikum ist er nun bei den Telezwergen fest angestellt. Und die Chefin ist begeistert: „Die Kinder lieben ihren Michi, er ist mit ganzem Herzen dabei und macht einen tollen Job bei uns“, sagt Kita-Leiterin Maren Lienau.

Was ein Mann anders macht? „Er ist unser ­Ruhepol und immer gelassen, auch wenn er mal einen Ball an den Kopf kriegt. Außerdem trifft er schnelle Entscheidungen und zieht viele Ideen durch.“

So wie seine Fußball-AG. Dort singt er mit den Kindern – aber Fußballlieder. Bringt ihnen die Regeln bei und vermittelt Werte wie Gewinnen und Verlieren. „Fairplay gibt es auch im Kindergarten“, sagt Michi. „Wir basteln auch gerne – zum Beispiel eine Meisterschale für den FC Bayern.“

Auch viele Eltern freuen sich über einen Mann in der Kita. „Michi ist sich für nichts zu schade, er hilft, wo er kann“, sagt Chefin Maren Lienau. „Und natürlich wechselt er wie alle anderen auch Windeln.“

Andreas Thieme

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