Zu viel Schnee in der Kreisstadt

Schneemassen legen Miesbach lahm: „Katastrophe deckt Schwachstellen gnadenlos auf“

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Große Teile der Parkflächen am Habererplatz sind seit Tagen voller Schnee, während der dahinter liegende Waitzinger Park als Lagerfläche brachliegt

Für Autofahrer und Fußgänger in Miesbach ist der Katastrophenfall noch nicht vorbei. Überall blockieren Schneehaufen Wege und Parkplätze – was läuft da schief?

Miesbach - Der heutige Donnerstag hat es in sich. Trotz Katastrophenfall im Landkreis findet der Grüne Markt statt. Wie üppig der besetzt sein wird, war gestern nicht absehbar, erklärt Miesbachs Geschäftsleiter Gerhard Führer: „Das entscheiden die Fieranten selbst.“ Klar ist jedoch: Der Druck auf die Parkplätze nimmt dadurch massiv zu.

Denn eigentlich gibt es kaum noch Parkplätze: Die Waitzinger Wiese ist in Absprache mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt noch bis Donnerstagabend ganztags und komplett gesperrt, damit sich dort die Räumeinsatzkräfte morgens zum Aufstellen treffen können. Am Habererplatz und auch am benachbarten AOK-Parkplatz wurden unzählige Stellplätze mit Schnee zugeschoben. Und am Straßenrand liegt Schnee, Schnee, Schnee.

Indessen ist in Bayrischzell die Lage noch viel prekärer. Am Mittwochabend hat eine Lawine das Skigebiet Sudelfeld von der Außenwelt abgeschnitten.

Schneechaos in Miesbach: „Katastrophe deckt Schwachstellen gnadenlos auf“

Führer kennt die Probleme. „Jede Katastrophe deckt Schwachstellen gnadenlos auf. Wir müssen alles im Nachgang analysieren und unsere Schlüsse daraus ziehen.“ Aber man könne es nicht allen Recht machen. „Die einen beklagen sich, dass wir Kitas zusperren, und andere, dass wir sie öffnen.“ Bei der Waitzinger Wiese, die die Stadt als Sammelfläche vorhalten müsse, und auch beim Habererplatz gibt Führer zu, dass die Schneehaufen willkürlich liegen. „Aber das ist der Situation geschuldet: Es standen eben überall Autos, die das Räumen erschwert haben.“

Das Hauptproblem lautet: Wohin mit dem Schnee? 

Es gebe Ablageflächen, jedoch blieben diese geheim, damit Bürger nicht ihren Privatschnee dorthin bringen. Die Idee, den Parkplatz des Zuchtverbands in Straß einzubeziehen, erteilt Führer eine Absage: „Das ist Privatgrund.“ Die Waitzinger Wiese gehöre dagegen der Stadt, deshalb könne man dort schneller entscheiden. Den Hinweis unserer Zeitung, auch die freie Wiese des Waitzinger Parks neben dem Habererplatz als Ablageplatz zu nutzen, werde man weitergeben.

Zudem hat sich die Stadt selbst geholfen. Am Montag wurde eine Anordnung erlassen, die es dem Winterdienst der Stadt erlaubt, „sämtliche Privatflächen im gesamten Stadtgebiet“ zu nutzen. Vor allem das Befahren und das Lagern von Schnee wird damit gestattet. Begründet wird dieses hoheitliche Vorgehen mit Gefahrenabwehr und Störungsbeseitigung.

Der Einsatz von Landwirten, der sich in anderen Gemeinden bewährt hat, funktioniere in Miesbach zwar in der Wies und am Stadlberg, sagt Führer, aber kaum innerhalb der Stadt. „Logistik und Organisation sind am wichtigsten“, betont er. Es bringe wenig, wenn jeder Hilfeleistende für sich arbeite – es brauche ein planmäßiges Vorgehen, und das müsse die Einsatzzentrale am Rathaus koordinieren.

Immerhin: Für die Waitzinger Wiese ist nun die Freigabe in Sicht. Sie soll bis heute Abend gesperrt bleiben und am Freitag geöffnet werden. „Vorher“, sagt Führer, „werden wir dort noch den Schnee zusammenschieben, solange keine Autos oben stehen.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar des Autors: Der Bauhof braucht einen klaren Plan

ddy

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