Am Wetter lag es nicht

Schüler und Pendler bleiben auf der Strecke

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Riesen-Räumer: Mit Maschinen wie dieser Schneepflug-Lok hat die DB Netz AG die Schienen freigelegt. Unser Bild ist am Bahnübergang neben der Johannisbrücke in Miesbach entstanden.

Miesbach: Obwohl die BOB garantiert hatte, am Mittwochmorgen den Betrieb aufzunehmen, fielen die Züge aus. Schüler und Pendler wurden stehen gelassen. Der Ärger ist groß.

Landkreis – Rainer Dlugosch ist sauer. Der Direktor des Miesbacher Gymnasiums erwartet jeden Morgen knapp ein Drittel der Schüler mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB). Gestern kam die aber nicht – trotz anderslautender Versprechen. „Am Dienstag hatte uns die BOB den stündlichen Zugbetrieb garantiert“, berichtet auch Martin Greifenstein, Leiter des Beruflichen Schulzentrums Miesbach (BSZ). „Gestern um 6.34 Uhr kam dann die Nachricht von Ausfällen und Schienenersatzverkehr. Um 7.49 Uhr war die Rede von massiven Kapazitätsengpässen.“

Die Konsequenz: Statt eines Doppelzugs fuhr aus Schliersee und Holzkirchen jeweils ein deutlich kleinerer Schienenersatz-Bus nach Miesbach. Viele Schüler passten da nicht rein. Sie wurden bei minus fünf Grad stehen gelassen. „Es war eine Katastrophe“, sagt Greifenstein.

„Die BOB hat uns den Idealfall garantiert“, sagt Thomas Kaspar, Leiter der Realschule Miesbach. Ihm wäre die schlechtestmögliche Prognose lieber gewesen: „Besser, die BOB kommt doch, als dass der Bus zu klein ist.“

Immerhin: Der Unterricht konnte an Gymnasium und Realschule wie geplant durchgeführt werden. Die Eltern retteten den Tag mit eilig gebildeten Fahrgemeinschaften. Nur einige nicht mitgenommene Berufsschüler gingen nach Hause.

Härter trafen die ausbleibenden Züge die Pendler. „Ich wartete mit 20 weiteren Fahrgästen um 4.50 Uhr am Bahnhof Miesbach auf den noch morgens auf der Internetseite der BOB versprochenen Zug“, berichtet Matthias Rackwitz aus Hausham. „Der kam aber nicht.“

Was auch nicht kam, war Hilfe der BOB, sagt Rackwitz. „Es gab keine Information, weder am Bahnsteig noch auf der Website.“ Die Hotline habe auf eine „witterungsbedingte Verzögerung“ verwiesen. Eine fragwürdige Aussage bei „null Niederschlag und lauschigen fünf Grad minus“, findet Rackwitz. Er teilte sich schließlich mit anderen Pendlern ein Taxi bis Holzkirchen. „Und dafür bin ich nach drei Tagen Dachschaufeln um 3 Uhr aufgestanden.“

Dass der Betriebsstart am Mittwoch nicht optimal verlief, räumt auch BOB-Pressesprecher Christopher Raabe ein. Das habe aber vor allem an den Schienen gelegen, die von der DB Netz AG nicht im vereinbarten Zustand übergeben worden seien. Raabe zählt eine lange Liste an Problemen auf. Unter anderem habe in Schaftlach eine Weiche versagt, in Lenggries der Bahnübergang. Auch der Zugang zum Werk der BOB sei nicht frei gewesen. Bei Bad Tölz habe der Einsatz einer Streckenfräse länger gedauert, weshalb die BOB keine Unterstützungszüge aus anderen Gegenden herbeiholen konnte.

Die Deutsche Bahn hingegen bestreitet, für die Zugausfälle der BOB verantwortlich zu sein. „Die Vorwürfe überraschen uns“, sagt ein Sprecher. Man habe die Befahrbarkeit mit Fotos dokumentiert und die Strecke am Vortag erfolgreich mit Fahrzeugen der BOB und der Bahn getestet. Die Schuld zurückgeben will die Bahn aber nicht. Man habe bisher gut mit der BOB zusammengearbeitet und alle Probleme gemeinsam gelöst, so der Sprecher. Das wolle man auch in diesem Fall beibehalten.

Wer nun die Verantwortung übernimmt, ist auch Dlugosch egal – so lange es überhaupt jemand tut. Er schreibt an den Elternbeirat, hofft auch auf die Unterstützung der Lokalpolitik. Für ihn ist klar: „Das Wetter war gut. Da kann man uns nicht Zugzeiten garantieren, die man einen Tag später dann doch nicht einhält.“  mas

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