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„Die anderen sind nur Gast“: Landwirte mit Appell an Ausflügler und Hundehalter, sich von Wiesen fernzuhalten

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Von: Sebastian Grauvogl

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Appellieren an die Vernunft von Hundehaltern und Ausflüglern: (v.l.) Johanna Ecker-Schotte (Vorsitzende Tierschutzverein Tegernseer-Tal), Josef Bichler (BBV-Ortsobmann Gmund), Kreisbäuerin Marlene Hupfauer, Manuela Zehendmaier (Ortsbäuerin Gmund) mit ihrem Hund Schorschi und Tierärztin Katharina Zehetmaier. Im Hintergrund ist Zehendmaiers Weide am Oedberg zu sehen.
Appellieren an die Vernunft von Hundehaltern und Ausflüglern: (v.l.) Johanna Ecker-Schotte (Vorsitzende Tierschutzverein Tegernseer-Tal), Josef Bichler (BBV-Ortsobmann Gmund), Kreisbäuerin Marlene Hupfauer, Manuela Zehendmaier (Ortsbäuerin Gmund) mit ihrem Hund Schorschi und Tierärztin Katharina Zehetmaier. Im Hintergrund ist Zehendmaiers Weide am Oedberg zu sehen. © Steffen Gerber

Damit das Gras als späteres Grünfutter in Ruhe heranwachsen kann, appellieren Landwirte in der Region Miesbach sich von Wiesen fernzuhalten.

Landkreis – Manuela Zehendmaier bevorzugt ein Gespräch auf Augenhöhe. Deshalb gibt sie sich nicht gleich als Bäuerin zu erkennen, wenn sie andere Hundehalter auf deren Fehlverhalten anspricht. Beispielsweise, dass sie ihren Hund nicht auf die Weide laufen lassen, ihre Kottütchen nicht am Wegesrand entsorgen und keine Stöckchen in die Wiese werfen sollen.

Doch selbst wenn sie ihren Schorschi an der Leine mit dabei hat, erhöht das auf der Gegenseite nicht immer das Verständnis. „Die Hälfte der Leute fragt mich, was mich das angeht.“ Eine ganze Menge, antwortet Zehendmaier, bevor sie dann doch offenlegt, dass die Wiese an Oedberg in Ostin und damit in unmittelbarer Nähe zum dortigen Freizeitzentrum zu ihrem Hof gehört. Wer jetzt denkt, dass die uneinsichtigen Herrchen oder Frauchen nun kleinbeigeben, irrt. Stattdessen folgt oft eine provokante Gegenfrage: „Wo kackt denn Ihr Hund hin?“

Die Gmunder Ortsbäurin ist mit diesem Ärger nicht allein. Und der beschränkt sich nicht nur auf Hunde und ihre Hinterlassenschaften, sondern auch auf achtlos zurückgelassene Abfälle. Gerade jetzt im Frühjahr, da es Erholungssuchende wieder in Scharen in die Natur zieht, würden die Reibungspunkte zwischen Ausflüglern oder Urlaubern und der Landwirtschaft massiv zunehmen, berichtet Kreisbäuerin Marlene Hupfauer. Ausgerechnet in dieser Zeit, in der das Gras als späteres Grünfutter möglichst ungestört heranwachsen sollte.

Landkreis Miesbach: Landwirte mit Appell, Wiesen nicht mehr zu betreten

Traditioneller Stichtag ist der Georgi-Tag an diesem Samstag (23. April). Zu ihren Schulzeiten hätte jedes Kind gewusst, dass man ab diesem Termin die Felder und Wiesen nicht mehr betreten darf, erinnert sich Hupfauer. „Man musste kein besonders guter Schüler sein, um sich diese winzige Regel zu merken.“ Heutzutage sei diese weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Das gelte übrigens nicht nur für die „bösen Städter“, denen man den Schwarzen Peter gern zuschiebe. „Erstens sind die Leute nicht böse, sondern nur unaufgeklärt“, betont Hupfauer. Und zweitens wüssten auch viele Einheimische nicht über die Folgen ihres Verhaltens Bescheid.

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Umso wichtiger ist es der Kreisbäuerin zusammen mit den Obleuten im Bayerischen Bauernverband (BBV), die Menschen stärker zu sensibilisieren. Dafür, dass auch nicht eingezäunte Wiesen als Grünfutterfläche für das Vieh dienen. Und als Rückzugsraum für Jungtiere – auch Wild und Vögel. Sie sollte man weder aufschrecken, noch ihre Nahrungsquelle mit Müll verunreinigen.

Warum vor allem Hundekot eine große Gefahr sein kann, erklärt die Miesbacher Tierärztin Katharina Zehetmaier. „Hunde können unbemerkt im Darm unterschiedliche Erreger beherbergen und über den Kot ausscheiden“, erklärt sie. Gelangen die Keime in den Magen der Wiederkäuer, könnten sie hier mehr oder weniger schwere Erkrankungen auslösen oder zu einer Minderung der Milch- und Fleischqualität führen. Bei Salmonellen sei dadurch letztlich sogar eine Übertragung auf den Mensch nicht ausgeschlossen.

Landkreis Miesbach: Gäste sind herzlich willkommen - doch Regeln sollen beachtet werden

„Die Landwirtschaft arbeitet in und mit der Natur. Die anderen sind nur Gast“, betont der Gmunder Ortsobmann Josef Bichler. Gäste seien herzlich willkommen, sollten aber auch wissen, wie sie sich zu benehmen haben. Die wichtigsten Regeln haben die Landwirte in einem „Ausflugsknigge“ zusammengefasst: auf dem Weg bleiben, Hunde anleinen, Müll mitnehmen, Weidetiere nicht anfassen oder füttern, Nachtruhe von Wild einhalten, Vögeln fernbleiben.

Einen eigenen Flyer hat der Tierschutzverein Tegernseer Tal im Portfolio: „Urlaub mit Hund“ heißt die Broschüre, erklärt Vorsitzende Johanna Ecker-Schotte. Noch in diesem Herbst soll die Neuauflage folgen, die sich dann auch explizit an Einheimische richten wird. Vor allem zwei Dinge stoßen Ecker-Schotte beim Verhalten mancher Hundehalter sauer auf: Sie würden die Wiesen der Landwirte nicht als fremdes Eigentum anerkennen und die von ihnen bezahlte Hundesteuer gern mal als Freibrief erachten. Ein Unding, findet Ecker-Schotte: „Die Hundesteuer entbindet einen nicht von der Verantwortung.“

Auch Zehendmaier setzt weiter auf Aufklärung. Zum Beispiel, wenn sie mit ihrem Schorschi in die Hundeschule geht. Etwas, das sie jedem Hundehalter empfiehlt. „Wenn der Hund folgt, wenn man ihn zurückpfeift, ist viel gewonnen.“ Für Mensch und Tier gleichermaßen.

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