50 Millionen Euro für den Bayern LB-Vorstand

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Gribkowsky bei der Anhörung durch den BayernLB-Untersuchungsausschuss.

München - Schon wieder Ärger um die Bayern LB: Die Staatsanwaltschaft München nimmt das Vermögen des früheren Vorstandsmitglieds, Gerhard Gribkowsky (52), der skandalgebeutelten Landesbank unter die Lupe.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung soll der frühere Risiko-Manager der Landesbank in seiner Amtszeit 50 Millionen US-Dollar aus Mauritius und der Karibik erhalten und in einer österreichischen Privatstiftung angelegt haben. Die Staatsanwaltschaft prüft laut SZ jetzt vor allem, ob die 50 Millionen Dollar aus der Formel 1 kommen könnten, mit der Gribkowsky bei der Bayern LB auf Vorstandsebene jahrelang befasst war.

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Hintergrund ist die Pleite des einstigen Medienmoguls Leo Kirch, dem die Bayern LB zwei Milliarden Euro geliehen hatte. Die Landesbank hatte das Kirch-Engagement bei der Formel 1 übernommen, um durch einen späteren Verkauf der Rennserie wieder zu ihrem Geld zu kommen. Gribkowsky war von 2002 bis 2008 bei der Landesbank als Vorstandsmitglied für die Risikosteuerung und Vermeidung von Kreditausfällen zuständig. Er hatte beim Verkauf der Vermarktungsrechte der Formel 1 im Jahr 2005 eine zentrale Rolle gespielt. Damals hatte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone nach langem Hin und Her doch die faktische Kontrolle über die Rennserie behalten können.

2007 habe Gribkowsky ohne Wissen der Bayern LB in Salzburg die „Sonnenschein“-Privatstiftung gegründet und in einer Tochterfirma der Stiftung das Vermögen angelegt, das ihm zuvor aus Mauritius im Indischen Ozean und den Jungfraueninseln zugeflossen sei, hieß es in der SZ. Von den 50 Millionen Dollar seien nach Steuern in Österreich knapp 25 Millionen Euro übrig geblieben. Nutznießer der Stiftung war allein Gribkowsky. „Wir schauen, woher das Vermögen kommt und ob im Zusammenhang damit Straftaten geschehen sind“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Montag.

Der ehemalige Bankmanager hatte sich in der vergangenen Woche an die Staatsanwaltschaft gewandt und nachträglich über die Stiftung informiert. In einer ersten Anhörung hatte Gribkowsky das Stiftungsvermögen noch verschwiegen. Gribkowsky gehört u. a. zu den früheren Vorstandsmitgliedern, von denen der Verwaltungsrat der Bayern LB wegen des Milliarden-Fehlkaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria Schadenersatz verlangt. Das bayerische Finanzministerium verlangte am Montag von der Landesbank umgehend eigene Ermittlungen, um die Herkunft des Vermögens zu ergründen. Die Bank solle vor allem untersuchen, ob sich daraus weitere Schadensersatzansprüche gegen Gribkowsky ergeben könnten. Die bayerische SPD forderte eine rasche Aufklärung der Vorfälle. „Es muss geklärt werden, ob durch dieses Geschäft der Landesbank ein weiterer Schaden entstanden ist, und wenn ja, in welcher Höhe“, forderte die stellvertretende Vorsitzende der Bayern LB-Kontrollkommission, Inge Aures.

Zudem müsse geprüft werden, wer in der Bank noch von den Geschäften gewusst habe. „Es ist unwahrscheinlich, dass Gribkowsky das Geschäft ohne Wissen und ohne Zutun anderer Bankmitglieder durchgeführt hat.“ Eike Hallitzky von den Grünen erklärte: „Sollte das Geld tatsächlich in Verbindung mit den Formel-1-Geschäften der Landesbank geflossen sein, ist die Bayern LB hier ganz offensichtlich um 50 Millionen Dollar geprellt worden – und das wieder einmal an allen Kontrollinstanzen vorbei.“

UF

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