Sensationsfund analysiert

Dieser Meteorit lag auf einem Dachauer Acker

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Ein Ackerstein aus Dachau hat sich als Meteorit entpuppt.

München - Ein Stück Weltall in Oberbayern: Ein Brocken, den ein Bauernsohn vor einem halben Jahrhundert in der Nähe von Dachau fand, ist viel mehr als ein einfacher Ackerstein.

Ein vermeintlicher Ackerstein aus der Nähe von Dachau hat sich nach mehr als 50 Jahren als Meteorit entpuppt. Das teilten die Mineralientage München mit. Die Mineralogische Staatssammlung München hat den Stein, der vor mehr als 50 Jahren von einem Bauernsohn in Machtenstein bei Dachau gefunden wurde, als rund 4,5 Milliarden Jahre alten Stein-Meteoriten identifiziert. Nach dem Fund befand sich das kleine Stückchen Weltall, das rund 1,4 Kilogramm wiegt, jahrelang unerkannt als Wasserstein im Vorgarten des Finders.

„Von den vielen tausend Objekten, die ständig auf unseren Planeten einprasseln, schafft es nur ein Bruchteil bis auf die Erdoberfläche. Dass solch ein Meteorit, dessen Fall nicht direkt beobachtet wurde, in Deutschland gefunden wird, ist eine Sensation und seltener als ein Sechser im Lotto“, sagte der stellvertretende Direktor der Mineralogischen Staatssammlung, Rupert Hochleitner.

Nach seinen Angaben sind damit nun in den vergangenen Jahrhunderten insgesamt sieben Fälle bekannt, in denen Meteoriten auf das Gebiet des heutigen Freistaats fielen - stets ohne größere Schäden zu verursachen. „Der letzte Meteoritenfall verfehlte Schloss Neuschwanstein nur knapp“, sagte der Leiter des Geologischen Dienstes im Landesamt für Umwelt, Roland Eichhorn. Das war im Jahr 2002.

Die Erde wird nach Angaben Eichhorns jede Stunde von tausenden winzigen bis faustgroßen Meteoriten getroffen - allerdings unbeobachtet. Auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik wurden nach Angaben der Mineralogischen Staatssammlung 30 Einschläge von Meteoriten beobachtet, die danach auch sichergestellt wurden. 17 weitere außerirdische Brocken wurden zufällig gefunden.

Seit 1000 Jahren keine größeren Schäden

Statistisch gesehen wird Bayern durch die Meteoriten jedes Jahr um sieben Kilo schwerer. In den vergangenen 1000 Jahren richteten die Meteoriten keine nennenswerten Schäden an, vor 15 Millionen Jahren war das anders: Damals traf ein riesiger Meteorit das Nördlinger Ries und löschte im Umkreis von 100 Kilometern alles Leben aus.

Der jetzt identifizierte Meteorit aus der Nähe von Dachau soll bei den Mineralientagen (25. bis 26. Oktober) erstmals gezeigt und von 2020 an dann im geplanten Naturkundemuseum Bayern ausgestellt werden.

Hintergrund: Meteoriten in Bayern

Auf dem heutigen Bundesgebiet wurden nach Angaben der Mineralogischen Staatssammlung in München 30 Meteoriten dabei beobachtet, wie sie auf die Erde fielen, und dann sichergestellt. 17 weitere wurden zufällig gefunden. In Bayern sind - mit dem neuen Fund aus der Nähe von Dachau - diese sieben Fälle bekannt:

- 19. September 1775: In Bad Rodach fällt ein 3,6 Kilogramm schwerer Steinmeteorit auf die Erde. Er gilt heute als verschollen.

- 19. Februar 1785: In Eichstätt kommt ein 3,2 Kilo schwerer Steinmeteorit vom Himmel.

- 13. Dezember 1803: Ein 1,6 Kilo schwerer Meteorit trifft Massing in Niederbayern.

- 25. Dezember 1846: In Schönenberg fällt der mit 8 Kilo schwerste in Bayern gefundene Steinmeteorit auf die Erde.

- 1920: Der in Untermässing in Mittelfranken gefundene Eisenmeteorit ist noch zehnmal schwerer und wiegt 80 Kilo

- 4. April 2002: Der jüngste Fall eines Meteoriten in Bayern wurde vor mehr als 12 Jahren beobachtet. Damals verfehlte er das berühmte Schloss Neuschwanstein nur knapp.

- 2014: Im Oktober wird bekannt, dass es sich bei einem in den 1960er Jahren in Machtenstein bei Dachau gefundenen, 1,4 Kilo schweren Stein um einen Meteoriten handelt.

Streit gibt es um einen Fall in Schäftlarn von 1772. Der Geologische Dienst des Landesamtes für Umwelt zählt ihn mit, die Mineralogische Staatssammlung nicht. Ihre Begründung: „Es gibt nur diffuse Berichte, ein Stein wurde nie gefunden.“

dpa

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