Der Bürgermeister hält ihn für sinnvoll

Dieser Mini-Kreisverkehr lässt Fahrer verzweifeln: Kann man ihn überhaupt umrunden? 

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Verkehrsknoten in Großdingharting: Der neue Kreisel macht es für große Fahrzeuge schwer, die Kreuzung auf legale Weise zu passieren.

Der Verkehrsknotenpunkt in Großdingharting sorgt für Ärger bei Landwirten und Autofahrern. Ein Ortstermin mit dem Bürgermeister. 

Großdingharting– Wie sehr der 80.000 Euro teure Minikreisverkehr am Zusammentreffen von Deisenhofner Straße, Talfeld, Alte Schulstraße und Jettenhauser Straße polarisiert, zeigt allein schon Sienerths jüngster Beitrag im Gemeindeblatt. „Das gut gemeinte Projekt wurde von Anfang an viel kritisiert“, schreibt Sienerth dort über den „immerhin ersten Kreisverkehr in Straßlach-Dingharting“. Und dass sich „etliche selbst ernannte Verkehrsexperten“ lustig machen würden über die neue Attraktion. 

„Sinn und Zweck des Kreisels war es, die Vorfahrt an dieser unübersichtlichen Kreuzung klar zu regeln“, betont Sienerth. Mit den neuen Markierungen sei die Situation jetzt noch klarer. Sein Fazit: „Aller Kritik zum Trotz“ sei der Kreisel „technisch richtig gebaut“, vor allem aber „erfüllt er seinen Zweck“.

Nun, das sieht nicht jeder so. Einheimische Landwirte und auswärtige Radfahrer haben sich schon im Rathaus beschwert, an den Stammtischen ist der Minikreisel ein viel diskutiertes Dauerthema.

„Aha, bist auch ein Kreiselbeobachter?“

Bei unserem Ortstermin hatte sich ein Interessierter schon postiert. „Aha, bist auch ein Kreiselbeobachter?“, fragt der Mann und stellt sich vor: „I bin der Sepp.“ Ein Kenner, wie sich gleich herausstellt, als ein weißer Pkw schnurstracks mitten über den Kreisel braust statt ihn zu umrunden. „Des is der Schorsch. Der macht des immer so.“

Als sich wenig später Hans Sienerth hinzugesellt, ändert sich das Fahrverhalten der meisten – wenn der Bürgermeister am Straßenrand steht, hält der ein oder andere vielleicht doch eher die Verkehrsregeln ein? „Sehen Sie?“, ruft Sienerth begeistert: „Der fährt vorbildlich!“

Dann aber passiert das, was Teil der Aufregung ist. Erst kommt ein Landwirt mit Traktor und Anhänger – er bekommt die Kurve nur, wenn er den Minikreisel überfährt. Ebenso wie ein Sattelschlepper, dessen Fahrer die Fensterscheibe herunterkurbelt und entschuldigend meint: „Anders geht’s nicht.“ Kein Thema, sagt Sienerth: Für derlei Großfahrzeuge sei der Kreisel ja extra überfahrbar gebaut worden. Als ein Reisebus schließlich mitten auf dem Kreisel stehen bleibt, zurücksetzt und dann wieder Gas gibt, sagt Sienerth: „Ein Auswärtiger. Der hat sich verfahren.“

Viele brettern „völlig schmerzfrei“ über die Markierung

Doch wie steht es um die Autotauglichkeit? Das ist eine Kernfrage: Schafft es der normale Pkw-Fahrer, den Großdinghartinger Minikreisel regulär zu befahren, also ohne mit den Reifen die durchgezogene weiße Linie zu berühren? Sienerth selbst demonstriert es mit seinem Dienstwagen, unsere Zeitung macht zudem den Selbstversuch mit einem Volvo XC60. Fazit: Ja, es geht – allerdings ist es eine etwas unkomfortable Präzisionsaufgabe, man muss wirklich zentimetergenau lenken. Um nicht... Naja, anecken ist bewusst ausgeschlossen, falsch fahren aber möglich.

„Anfangs war es etwa die Hälfte, jetzt sind es vielleicht noch 25 Prozent, die völlig schmerzfrei über die Markierung brettern“, sagt Sienerth. „Aber die Dummdreistigkeit mancher Autofahrer kann die Gemeinde nicht beeinflussen.“

Der Bürgermeister hält den Mini-Kreisverkehr trotzdem für gelungen

Worum es ihm geht, und insofern hält der Bürgermeister den Minikreisverkehr für gelungen: „Die Leute bremsen! Auf diese Weise schaffen wir es, dass die Autofahrer sich annähernd an Tempo 30 halten.“ Eine Laterne sorgt dafür, dass der Minikreisverkehr („Das ist übrigens ein technischer Fachbegriff“) auch bei Dunkelheit nicht übersehen werden kann. Das Vorhaben, diese komplizierte Kreuzung mit fünf teils versetzten Straßeneinmündungen „endlich sinnvoll zu strukturieren“, sei jedenfalls gelungen: „Es gab seitdem keine Unfälle mehr.“ Zudem habe es, insbesondere bei der Debatte im Gemeinderat, „keine Alternativvorschläge gegeben“.

Dass über ihn mehr oder weniger öffentlich gespöttelt wird, erträgt Sienerth mit tapferem Gleichmut: „Jaja, jeder kennt sich natürlich aus im Straßenverkehr. Und es ist ein fast etabliertes Phänomen in unserer Gemeinde, den Bürgermeister schon vor der Fertigstellung eines Projekts zu kritisieren.“

Ob vorher oder nachher, die Kritik reißt nicht ab. Sienerth ist das relativ egal. Denn in einer Sache hat er Recht: Wer Vorfahrt har und wer nicht, das ist jetzt, sofern man die Verkehrsregeln beherrscht, anders als früher klar definiert.

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Einige Autofahrer in der serbischen Kleinstadt Užice haben wohl noch nie einen Kreisverkehr gesehen:

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