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Gutachter bescheinigt „narzisstische Neurose“

Missbrauch von Titeln: Geretsrieder wird zu Geldstrafe verurteilt

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Nicht zum ersten Mal stand ein 62-jähriger Geretsrieder vor dem Amtsgericht in Wolfratshausen.

Weil ein Geretsrieder sich wiederholt mit Titeln und Berufsbezeichnungen geschmückt hatte, stand der 62-Jährige vor Kurzem erneut vor Gericht. Seine Verteidigerin versuchte, ihm ins Gewissen zu reden.

Geretsried/Wolfratshausen – Der Richter und der Mann auf der Anklagebank kommen wohl nie auf einen Nenner. Das wusste der Herr im schwarzen Anzug und schwarzen Rollkragenpulli aus früheren Zusammentreffen, die für ihn immer schlecht ausgingen. Diesmal wähnte er sich besser vorbereitet. „Ich glaube, ich muss mal für Aufklärung sorgen“, sagte der Geretsrieder (62), der wiederholt wegen Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen vor Gericht stand. „Tun Sie das“, sagte der Richter schmunzelnd. „Nicht lachen“, entgegnete der Angeklagte. „Das wird Ihnen schon vergehen.“

„Informationsblatt“ statt Original-Urkunde

In Briefen und E-Mails führte der 62-Jährige, der sich als Vorsitzender eines sozialen Vereins für erwerbslose Menschen engagiert, gerne den Titel „Prof. Dr. h.c.“ – mal mit, mal ohne weitere Zusätze. Das dürfe er nach deutschem Recht nicht, sagte die Staatsanwältin. Damit suggeriere er, im Besitz akademischer Ehrendoktortitel zu sein, die er tatsächlich nie erworben habe. Deshalb war der Beschuldigte im Jahr 2013 schon einmal zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Dennoch benutzte er die Titel weiter. „Weil ich’s nämlich darf“, erklärte der Mann trotzig. Nach „intensiven Gesprächen“ mit dem Kultusministerium habe er jetzt einen Rechtsnachweis, erläuterte der Kommunikationswissenschaftler und wedelte mit einem „Informationsblatt“. Eine Original-Urkunde hatte er nicht dabei.

Wie man an so ein Dokument schnell und kostengünstig kommt, erklärte ihm Richter Helmut Berger. „Ich hab’s gegoogelt: Den ’Prof Dr. h.c. of Ministry’ gibt’s ab 49 Euro“, berichtete Berger von seinen Recherchen im Internet. Dafür sei keine Promotion oder Doktorarbeit nötig, so der Richter.

Gutachter billigt „narzisstische Neurose“ zu

„Nur weil man was kaufen kann, heißt das nicht, dass ich es auch kaufe“, beharrte der Angeklagte weiter auf der Echtheit seiner Titel. „Er glaubt, sie zu Recht zu führen“, bestätigte ein psychologischer Gutachter, der den Beschuldigten auf seine „strafrechtliche Verantwortlichkeit“ hin untersucht hatte. Er tue das nicht für sich, sondern für andere, wenn er den Eindruck habe, dass die Titel bei Behörden hilfreich sein könnten, erklärte der Gutachter, der dem Angeklagten eine „narzisstische Neurose mit hysterischer Abwehr“ zubilligte. Menschen mit dieser Charakterstruktur seien überzeugt, „etwas besser, schlauer als der Rest der Welt zu sein“, führte der Psychologe aus. Von einer eingeschränkten Verantwortlichkeit sei man jedoch „Lichtjahre“ entfernt. „Er weiß, was er tut. Er ist jederzeit Herr der Lage – vor allem in seinen Augen.“

Als sogar seine Verteidigerin ihm ins Gewissen redete mit der Mahnung: „Auch wenn Du anderer Meinung bist: Du hast nicht das Recht, die Titel zu führen“, hatte der Angeklagte eine ungewöhnliche Idee. „Ich bin das ewige Hin und Her leid“, sagte er und schlug dem Gericht einen Kompromiss vor. „Ich verzichte in Zukunft auf das Führen der Titel – unter einer Voraussetzung: Straffreiheit.“

Richter Helmut Berger blieb nur die Rolle des Spielverderbers. Er verurteilte den Geretsrieder zu 1500 Euro Geldstrafe (100 Tagessätze à 15 Euro). Er blieb damit aber deutlich unter dem Antrag der Staatsanwältin, die 150 Tagessätze (2250 Euro) gefordert hatte.

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