Beamte werden beleidigt

Junggesellenabschied in Nobelhotel am Tegernsee eskaliert - Polizei muss anrücken

Dieser Junggesellenabschied mehrerer Frankfurter in einem Luxushotel in Rottach-Egern eskalierte. Die Polizei musste anrücken - und wurde übel beschimpft. Mit Folgen.

Rottach-Egern – Junggesellenabschiede sind nicht unbedingt dafür bekannt, immer ganz gesittet abzulaufen. In der Regel fließt viel Alkohol, manchmal zu viel. Das trifft auch auf den Ausflug von acht Männern aus Hessen an den Tegernsee zu, die sich im August 2017 für ein Wochenende im Rottacher Nobelhotel Egerner Höfe einquartiert hatten – und dabei alle guten Manieren über Bord warfen. Die Folge: Hausverbote, Beleidigungen gegen Polizisten – und schließlich Strafanzeigen. Wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung musste sich nun ein 43-Jähriger aus Frankfurt am Main vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten.

„Laut der Akte“, erklärte der Angeklagte gleich zu Beginn, „haben Sie ein völlig falsches Bild von mir.“ Im Strafbefehl stand, dass er vom Hotel-Direktor ein Hausverbot erteilt bekommen und anschließend gegen einen Polizisten gepöbelt und diesen beleidigt haben soll. „Ich wusste aber gar nichts von einem Hausverbot“, sagte der 43-Jährige unschuldig. „Mir gegenüber gab es nie die Aufforderung, das Hotel verlassen zu müssen.“

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Was er nicht gänzlich bestritt, war die Beleidigung gegen einen Beamten der Wiesseer Polizei, der mit seinen Kollegen zum Einsatz in den Egerner Höfen gerufen wurde. Besagter Polizist musste sich vom Angeklagten die Worte „Du laufender Meter brauchst Dich gar nicht so groß aufführen“ anhören. An den genauen Wortlaut, gab der Frankfurter an, könne er sich nicht mehr erinnern. Es sei jedoch möglich, dass er das gesagt habe. „Ob ich das zum Polizisten gesagt habe, da bin ich mir nicht sicher.“ Er glaube aber, den Bräutigam so betitelt zu haben, da dieser sehr klein sei.

Anders als bei der Beleidigung gab es in Sachen Hausfriedensbruch Entlastung für den Frankfurter – vom Hotel-Direktor, der an diesem Abend mehrere Hausverbote gegen Gäste dieser Gruppe
aussprach. „An sein Gesicht kann ich mich aber nicht erinnern“, erklärte der 61-jährige Zeuge, als er auf den Angeklagten blickte. Woran er sich aber erinnere: „Dass die Truppe grölend und mit viel Alkohol intus in die Lobby unseres Hotels kam.“

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Die acht Männer sollen vehement Gin Tonic gefordert und weitere Hotelgäste belästigt haben. „Ich habe dann mehreren von ihnen ein Hausverbot erteilt“, erinnerte sich der Hotel-Direktor. Da die Feierwütigen das nicht ernst nahmen und den 61-Jährigen auch noch auslachten, „habe ich die Polizei verständigt“.

Als die eintraf, hatte sich der Junggesellen-Trupp vor dem Hotel versammelt. Die Beamten wollten die Ausweise der Herren sehen, und dabei soll die Beleidigung gefallen sein. „Er wollte seinen Ausweis nicht herzeigen“, erklärte ein Beamter, der bei dem Einsatz dabei war. „Erst wenn wir ihm unsere Dienstausweise zeigen.“ Er sei sich sicher, dass die Worte nicht an den Bräutigam, dafür aber an seinen Kollegen gerichtet gewesen seien.

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Richter Walter Leitner resümierte: „Es sieht gut damit aus, dass die Anklage wegen Hausfriedensbruchs fallen gelassen wird – der Hotel-Direktor hat Sie nicht wiedererkannt.“ Die Beleidigung hingegen „bleibt hängen“. Gegen die ursprüngliche Zahlung von 900 Euro – Hausfriedensbruch inklusive – hatte der Angeklagte Widerspruch eingelegt. Leitner halbierte Taten wie Summe und schlug die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 450 Euro vor. Staatsanwältin und Angeklagter waren damit einverstanden.

Von Philip Hamm

Rubriklistenbild: © Free-Photos/pixabay

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