Beweismaterial beschlagnahmt

Karwendelbahn: Staatsanwaltschaft wird zur Zielscheibe

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Zieht derzeit viel Aufmerksamkeit auf sich: die Karwendelbahn AG. 

Nachdem die Kripo Garmisch-Partenkirchen zwölf Objekte der Karwendelbahn AG-Verantwortlichen durchsucht hat, ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft München. 

Update vom 15. Mai 2019: 

Jetzt gerät die Staatsanwaltschaft München II in die Schusslinie: Die Kremlin AG, die zum Firmengeflecht um Wolfgang W. R. gehört, behauptet in einer Presseerklärung, dass ihr bis heute weder Durchsuchungs- noch Beschlagnahmbeschlüsse vorliegen. Die Staatsanwaltschaft „gibt somit offensichtlich vorsätzlich falsche Pressemitteilungen heraus“, heißt es. 

Den Vorwürfen widerspricht die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Andrea Mayer, vehement und stellt klar: „Wir hatten bei allen Objekten Durchsuchungsbeschlüsse.“ Der Kremlin AG zufolge wurde nun eine Anwaltskanzlei beauftragt, gegen das Land Bayern Klage auf Herausgabe der konfiszierten Unterlagen einzureichen.

Update vom 15. Mai 2019, 16.30 Uhr: Erst am Mittwoch vergangener Woche haben Kriminalbeamte ein Dutzend Objekte von Verantwortlichen der Karwendelbahn-AG in Heidenheim durchsucht. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft München II gegen fünf Beschuldigte wegen des Verdachts der Untreue. Dies teilte eine Sprecherin der Behörde heute mit. Es gehe um einen Vermögensschaden im niedrigen Millionenbereich.

Karwendelbahn: Kripo durchforstet Büros

(Erstmeldung) Mittenwald/Heidenheim – Beamte der Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen durchsuchten kürzlich zwölf Objekte in Heidenheim und Umgebung. Betroffen waren Verantwortliche und Ex-Verantwortliche der Karwendelbahn AG, die einem in Baden-Württemberg ansässigen Firmengeflecht angehören, „gegen die auch Vermögensarreste vollzogen wurden“, teilt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit. 

An dem Einsatz waren mehrere Staatsanwälte sowie zahlreiche Kriminalbeamte beteiligt. Die Kripo Garmisch-Partenkirchen wurde durch Fachkräfte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd und des Polizeipräsidiums Ulm unterstützt.

Den Durchsuchungsbeschlüssen waren langwierige Ermittlungen vorangegangen. Diese führten zu dem Tatvorwurf der Untreue zum Nachteil der Karwendelbahn AG mit einem Vermögensschaden in einer niedrigen siebenstelligen Höhe.

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Bei der Durchsuchung wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Die entsprechende Folgeermittlungen werden sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Deshalb kann die Polizei keine detaillierteren Auskünfte geben.

Karwendelbahn-Funktionäre schlagen zurück

Der Mehrheitsaktionär der Mittenwalder Karwendelbahn, der ins Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft München II geraten ist, schlägt derweil zurück. Den Vorwurf „Untreue zum Nachteil der Karwendelbahn AG“ weisen die Heidenheimer in einer Pressemitteilung, die der Merkur-Redaktion am Freitag zuging, zurück. 

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Wer die Konsortiums AG, die mehr als 40 Prozent der Aktien der Karwendelbahn hält, bei der Staatsanwaltschaft hingehängt hat, daran lässt man keinen Zweifel: „Die Durchsuchung der Räumlichkeiten der Karwendelbahn AG erfolgte offensichtlich aufgrund einer Anzeige des Aufsichtsratsmitglieds Herrn Gerhard Schöner.“ 

Nach dem Inhalt des Durchsuchungsbeschlusses, so weiter in der Mitteilung, handle es sich um schwerwiegende Verleumdungen und üble Nachrede, die Schöner öffentlich aufgestellt hat. Die Karwendelbahn reagiert darauf ihrerseits mit einer Strafanzeige wegen „Verleumdung, übler Nachrede Kreditgefährdung und allen sonstigen in Betracht kommenden Straftatbeständen“. 

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Schöner, Vize-Bürgermeister von Mittenwald und Aufsichtsratsmitglied der Karwendelbahn,hat von den Vorwürfen, die gegen ihn erhoben werden, aus der Zeitung erfahren. Er verbringt derzeit seinen Urlaub in Griechenland und hat sich einen Maulkorb angelegt. „Das ist ein laufendes Verfahren. Ich sage gar nichts“, erklärte er. 

Neben Schöner geht Aufsichtsratsmitglied Wolfgang R. auch die Staatsanwaltschaft München II und Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner an. „Die Staatsanwaltschaft München lässt sich offensichtlich vom Markt Mittenwald für den Vernichtungsfeldzug des Bürgermeisters Hornsteiner gegen die Karwendelbahn AG instrumentalisieren. Die Karwendelbahn AG wird auch zeitnah Strafanzeige gegen den Bürgermeister Hornsteiner aufgrund der Vielzahl von Verleumdungen erstatten“, lässt sich R. zitieren. 

Karwendelbahn: Funktionäre lassen Gerichtstermin platzen

Hornsteiner und Vertreter der Karwendelbahn AG, womöglich Wolfgang R., sollten sich am Freitagmorgen vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen gegenübersitzen. Geplant war, ein weiteres Hausverbot zu verhandeln, das das Bergbahnunternehmen gegen den Rathauschef ausgesprochen hat. Allerdings ist daraus nichts geworden. Am Donnerstag hatte der Anwalt der Karwendelbahn AG bei der zuständigen Richterin Maria Buck um eine Verschiebung gebeten, da er erkrankt sei.

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Als Buck ein Attest anforderte, ging nach Angaben von Amtsgerichts-Pressesprecher Dr. Benjamin Lenhart am Donnerstag um 16.22 Uhr ein Fax in der Geschäftsstelle ein, die zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr besetzt war. Der Inhalt: Steffen Saur, der neue Vorstand der Karwendelbahn, stellte gegen die Richterin einen Befangenheitsantrag. „So etwas kommt ganz selten vor“, sagt Lenhart. Den Befangenheitsantrag beschied Dr. Sebastian Kirsch, ebenfalls Richter am Amtsgericht, im Eilverfahren am Freitag früh positiv. 

Allerdings blieb nicht mehr genug Zeit, um Hornsteiner und dessen Anwalt Dr. Jan-Ulf Suchomel zu informieren. Suchomel hielt sich bereits im Gericht auf, Hornsteiner befand sich schon im Auto Richtung Garmisch-Partenkirchen. Suchomel glaubt, dass das Vorgehen das Ziel hat, ein Urteil zu verhindern, weil es „so gut wie sicher negativ“ für die Heidenheimer ausgehen dürfte. Am Donnerstag erreichte beide Parteien nämlich ein Schreiben, das diesen Schluss zulässt. 

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Vor dem Landgericht München II ist eine Berufung der Karwendelbahn AG anhängig. Sie richtet sich gegen ein Urteil des Amtsgerichts Garmisch-Partenkirchen, das schon einmal ein Hausverbot gegen Hornsteiner aufgehoben hatte. Die zweite Zivilkammer des Landgerichts machte in einem Beschluss deutlich, dass es die Berufung zurückweisen wird, weil sie nach Ansicht der drei Richter „keine Aussicht auf Erfolg hat“.

Karwendelbahn AG stellt Strafantrag gegen Vizebürgermeister

Währenddessen macht die Karwendelbahn AG Ernst. Wie das Bergbahn-Unternehmen am vergangenen Donnerstag in einer Pressemitteilung angekündigt hatte, stellte es Strafantrag gegen Gerhard Schöner. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft München II gegenüber dem Merkur. In dem Schreiben wird dem Aufsichtsrat und Vize-Bürgermeister von Mittenwald unter anderem Verleumdung, üble Nachrede und Kreditgefährdung vorgeworfen. 

Dieser Schritt hat mit der Durchsuchung der Räumlichkeiten der Karwendelbahn beziehungsweise der Konsortium AG als deren Hauptaktionär zu tun. Diese sei – so heißt es in dem Papier weiter – „offensichtlich aufgrund einer Anzeige“ von Schöner erfolgt. 

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Ereignisse überschlagen sich: Vorstand einer weiteren AG will zurücktreten

R. selbst meldete sich in der Mitteilung ebenfalls zu Wort. Unter anderem teilte das Aufsichtsratsmitglied mit, dass auch gegen Bürgermeister Adolf Hornsteiner zeitnah Strafanzeige aufgrund einer „Vielzahl von Verleumdungen“ erstattet werde. Laut Staatsanwaltschaft liegt in diesem Kontext bereits seit Längerem eine solche vor.

Derzeit überschlagen sich die Ereignisse. Am Freitag sorgte die Kremlin AG, eine weitere Gesellschaft aus R. Firmen-Konglomerat, für Aufmerksamkeit. In einer Pressemitteilung heißt es, der Vorstand – laut eigener Internetseite handelt es sich um Aniko Köpf, die einst selbigen Posten bei der Karwendelbahn AG bekleidete – habe dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang R. „seinen beabsichtigten Rücktritt mitgeteilt“. Einen Grund gab das Unternehmen nicht an. 

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