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Abrisstermin für Schwarzbauten in Wolfratshausen rückt näher - Bauherr hat letzte Hoffnung

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Von: Carl-Christian Eick

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Schwarzbauten in Wolfratshausen
Insgesamt drei Einfamilienhäuser am Isarspitz 24, 24a und 25 in Wolfratshausen muss der Bauherr bis spätestens 1. Oktober wieder abreißen. Das verlangt die Untere Bauaufsichtsbehörde am Landratsamt – denn alle drei Gebäude sind Schwarzbauten. © Hermsdorf-Hiss

Spätestens am 1. Oktober sollen die drei Schwarzbauten in Wolfratshausen abgerissen sein. Der Bauherr setzt jetzt noch auf den Petitionsausschuss des Landtags.

Wolfratshausen – Die Uhr tickt, doch es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten, um zu prognostizieren: Die Schwarzbauten am Isarspitz im Stadtteil Weidach werden in den kommenden drei Wochen nicht dem Erdboden gleich gemacht. Wie berichtet hat die Untere Bauaufsichtsbehörde am Landratsamt in Bad Tölz den Bauherrn aufgefordert, die drei Einfamilienhäuser bis spätestens 1. Oktober dieses Jahres abzureißen. Kurz vor Ende dieser Frist antwortet Sabine Schmid, Pressesprecherin der Kreisbehörde, auf Nachfrage unserer Zeitung: „Ich kann nur so viel mitteilen, als dass sich sowohl der Bauherr selbst als auch sein Anwalt im Rahmen des Anhörungsverfahrens geäußert haben.“

Abrisstermin für Schwarzbauten in Wolfratshausen rückt näher - Bauherr hat letzte Hoffnung

Details gibt Schmid nicht preis. Es ist aber davon auszugehen, dass der Bauherr die Abrissbagger auf keinen Fall vor der Sitzung des Petitionsausschusses des Bayerischen Landtags bestellen wird. Der 14-köpfige Ausschuss für Eingaben und Beschwerden, so die korrekte Bezeichnung des Gremiums, trifft sich voraussichtlich Ende September, um über den Streitfall zu beraten.

Die Schwarzbauten am Isarspitz 24, 24a und 25 sorgen seit Monaten bayernweit für Schlagzeilen. Sowohl das Verwaltungsgericht (VG) in München als auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in der Landeshauptstadt haben die Klage des Bauherrn abgewiesen. Der Geretsrieder hatte auf den Rechtsweg gesetzt, um im Nachhinein eine Baugenehmigung für die drei Gebäude zu bekommen. Der 1. Senat des VGH entschied schließlich in letzter Instanz.

Stadt Wolfratshausen will Schwarzbauten nicht mittels Bebauungsplan legalisieren

Eine andere Lösung im Sinne des Bauherrn wäre gewesen: Die Stadt Wolfratshausen erlaubt das Verbotene im Nachgang, indem sie einen Bebauungsplan für das besagte Areal, das im Außenbereich liegt, aufstellen lässt. Diese Option, auf die die Bayerische Staatsregierung im Zuge des Petitionsverfahrens hingewiesen hatte, verwarfen die Mitglieder des Bauausschusses des Stadtrats. Allein die zwei Vertreter der Grünen im Fachausschuss waren zu dem Schritt bereit, weil der drohende Abriss der vermieteten Einfamilienhäuser unter anderem eine „unverantwortliche“ Ressourcenverschwendung darstelle, so Dr. Hans Schmidt.

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Der Berichterstatter im Petitionsausschuss, der CSU-Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch aus dem Stimmkreis Fürstenfeldbruck, ist skeptisch, „dass es in dem Fall einen Kompromiss geben wird“. Zum einen habe die Kommune laut Baugesetzbuch die Planungshoheit, zum anderen verwies Miskowitsch im Gespräch mit unserer Zeitung auf die Urteile des Verwaltungsgerichts sowie des Verwaltungsgerichtshofs. Juristisch sei die Causa Isarspitz also „durchdekliniert“ und die Stadt lehne die nachträgliche Aufstellung eines Bebauungsplans kategorisch ab. Der Petitionsausschuss könne weder „die Gewaltenteilung ad absurdum führen“, noch die Kommune zwingen, Baurecht zu schaffen, gibt der Mammendorfer zu bedenken.

Bauherr hält geforderten Abriss für unverhältnismäßig

Die Schwarzbauten sollen auf der Tagesordnung der ersten Sitzung des Ausschusses für Eingaben und Beschwerden nach der parlamentarischen Sommerpause stehen. Das Treffen findet voraussichtlich am 28. September statt. Berichterstatter Miskowitsch geht mit einer Idee schwanger, die er den Gremiumsmitgliedern unterbreiten will. Er bittet um Verständnis dafür, dass er seinen Vorschlag nicht vor der Sitzung publik machen wird.

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Der Bauherr selbst reagierte auf eine aktuelle Anfrage unserer Zeitung nicht. Er hatte vor einigen Wochen erklärt, dass er seinerzeit nur „Planungsfehler“ zum Wohle der künftigen Mieter korrigiert habe. So sei die (nicht erlaubte) Aufschüttung des Grundstücks aus seiner Sicht ein „sinnvolles Detail“ gewesen, da die Mieter andernfalls zwar „im Trockenen“ wohnen hätten können – sich aber im Fall eines Hochwassers „schwimmend“ aus dem Haus hätten retten müssen. Zudem sei die Wandhöhe an der Längsseite eines Gebäudes so niedrig geplant gewesen, „dass die Fenster so tief gesessen wären, dass man nur in gebückter Haltung rausschauen hätte können“. Ergo veränderte der Geretsrieder die Bauausführung, konkret die Wandhöhe. Auch dies ohne Genehmigung der Bauaufsichtsbehörde.

Bauherr: Mieter würden ihre „Heimat“ verlieren

Für den Bauherrn ist der geforderte Abriss aus vielen Gründen unverhältnismäßig. Es würde „volkswirtschaftliches Vermögen in Höhe von 2,5 Millionen Euro vernichtet“, die Mieter würden ihre „Heimat“ verlieren und der Bauherr „einen Teil seiner Altersvorsorge“. Der Geretsrieder betont: „Meine Absicht war es nie, mir einen Mehrwert zu erschleichen, sondern lebenswerten Wohnraum zu bauen. Leider habe ich mich in der Vorgehensweise geirrt.“ Er sei bereit, „für meine Fehler zu büßen, aber auf eine sinnvolle Art und nicht einhergehend mit Wertevernichtung“. (cce)

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