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Landwirte schlagen Alarm: Hobby-Hühnerhalter gefährden Profi-Geflügelhöfe

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Von: Tobias Gehre

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Der Bereich unter dem Vordach ist ein Art Joker für Landwirt Florian Naßl. Sollte eine Stallpflicht kommen, können sich die Tiere auch dort aufhalten – und haben so mehr Platz als nur im Stall.
Der Bereich unter dem Vordach ist ein Art Joker für Landwirt Florian Naßl. Sollte eine Stallpflicht kommen, können sich die Tiere auch dort aufhalten – und haben so mehr Platz als nur im Stall. © Gehre

In immer mehr Gärten gackert es. Hühner als Haustiere sind beliebt wie nie. Doch die zunehmende Zahl an Eier-Lieferanten hat auch eine Schattenseite.

Fürstenfeldbruck – Sie erhöht das Risiko eines Ausbruchs der Geflügelpest. Das kann für professionelle Geflügelhalter böse Folgen haben.

Es ist eine Art Vorwarnstufe. Ende November hat das Landratsamt eine Verschärfung der Schutzmaßnahmen für Geflügelhalter angeordnet. Märkte, Ausstellungen und Schauen sind verboten. Außerdem müssen Mitarbeiter Schutzkleidung tragen. Fahrzeuge und Geräte müssen desinfiziert werden. Und die Bauern sollen sich auf eine erneute Stallpflicht für ihre Tiere vorbereiten. Grund für die Aufregung: Seit Ende Oktober ist in Bayern an vier Orten die Geflügelpest ausgebrochen. Alle vier Fälle betrafen so genannte Hobbyhaltungen.

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Für Bauern ein Problem

Für Bauern, die mit Geflügel ihren Lebensunterhalt verdienen, wird das zum Problem. Einer von ihnen ist Florian Naßl aus dem Allinger Ortsteil Holzhausen. Auf rund drei Hektar Freifläche hinter seinem Hof gehen rund 3000 ISA-Brown-Hühner ihrem Tagwerk nach. Anfang 2023 sollen weitere 3000 Tiere hinzukommen. Vor der Pflicht, seine Tiere in den Stall sperren zu müssen, hat der 31-Jährige Angst. „Die Hühner sind es gewohnt, draußen zu leben. Wenn sie dauerhaft im Stall bleiben müssen, ist das ein Riesen-Stress für die Tiere – und den Landwirt.“

Wie stark das potenzielle Risiko für eine einen Ausbruch der Geflügelpest gestiegen ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Seit 2020 hat die Zahl der Geflügelhaltungen im Landkreis mit bis zu 100 Tieren – darunter fallen die Hobbyhalter – um 140 zugenommen. Das teilt das Veterinäramt im Landratsamt auf Anfrage mit. Dass die Behörde das weiß, liegt daran, dass jeder Geflügelhalter seine Tiere melden muss – auch wenn nur zwei Hühner durch den Garten gackern.

Hobby-Hühner meist im Freien

Dass die privaten Hennen besonders gefährdet sind, liegt auch daran, dass sie in der Regel unter freiem Himmel gehalten werden. Erleichtert sich etwa ein mit der Geflügelpest infizierter Wildvogel über dem Gehege, ist die Seuche schnell eingeschleppt. Um das zu verhindern, gibt es die Stallpflicht.

Ein größerer Ausbruch der Geflügelpest kann aber noch drastischere Auswirkungen für die professionellen Halter haben. Dann sind nämlich auch Maßnahmen wie Haltungs-, Handels- und Transportbeschränkungen möglich. „Diese Maßnahmen können größere Betriebe, die innerhalb der Zonen liegen, existenziell betreffen“, so das Landratsamt

Bitte kein Exoten!

Sauer ist Florian Naßl dennoch nicht auf die privaten Hühnerhalter. Schließlich haben auch er und seine Frau Marina so angefangen. Dass die Tiere die Herzen von immer mehr Menschen erobern, kann der Landwirt verstehen. „Ich mag ihren Charakter“, sagt Naßl.

Eine Bitte hat der Landwirt allerdings: Er appelliert an Hühnerfreunde und die, die es werden wollen, sich keine Exoten zuzulegen. „Da ist die Gefahr groß, dass etwas eingeschleppt wird.“ Naßl rät zur regionalen oder lokalen Beschaffung der gefiederten Eierlieferanten – so wie seine stinknormalen braunen Hühner.

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