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Leute stehlen wie verrückt: Bayerischem Landkreis gehen Ortsschilder aus - „Es nervt“

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Von: Raffael Scherer

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Gähnende Leere: Verwaist haben Diebe diesen Schilderrahmen in der Ebersberger Abt-Häfele-Straße zurückgelassen. Nicht nur in der Kreisstadt werden in letzter Zeit vermehrt Ortsschilder, aber auch Zeichen für Geschwindigkeitsbegrenzungen geklaut – zum Rätsel der Kommunen.
Gähnende Leere: Verwaist haben Diebe diesen Schilderrahmen in der Ebersberger Abt-Häfele-Straße zurückgelassen. Nicht nur in der Kreisstadt werden in letzter Zeit vermehrt Ortsschilder, aber auch Zeichen für Geschwindigkeitsbegrenzungen geklaut – zum Rätsel der Kommunen. © S. Roßmann

Seit einiger Zeit nehmen Diebstähle von Verkehrsschildern im Landkreis Ebersberg sprunghaft zu. Die Politik ist ratlos, blechen muss der Steuerzahler.

Landkreis – Fährt ein völlig Fremder vom Ebersberger Forst ins Gewerbegebiet der Kreisstadt, weiß er wohl gar nicht, wo er sich gerade befindet – geschweige denn, dass er nurmehr 50 fahren darf. Denn mal wieder fehlt die Ortstafel. Und nicht nur dort: Überall im Landkreis werden immer häufiger Verkehrsschilder gestohlen. Besonders die gelben Ortstafeln erfreuen sich dabei besonderer Beliebtheit.

Verkehrsschild-Diebe: Zehn Ortstafeln musste Kreisstadt Ebersberg schon ersetzen

„Bei uns geht das schon seit zwei Jahren so dahin“, klagt Ebersbergs Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos). Schon zehn Ortstafeln wurden in der Zeit geklaut, teils sogar von derselben Stelle drei Mal, so die Beobachtung in der Kreisstadt. Bei rund 500 Euro pro Schild ein Gesamtschaden von etwa 5000 Euro.

„Fast alle paar Wochen verschwinden gleich mehrere Ortsschilder in Grafing“, bestätigt Bürgermeister Christian Bauer (CSU). Höchst ärgerlich, aufkommen für den Schaden müsse schließlich letztendlich der Steuerzahler, erklärt er.

Schilder-Ärger auch in Glonn: „Das scheint ein Hobby zu sein“

Auch in Glonn treiben die Schilderdiebe ihr Unwesen: „In letzter Zeit sind schon einige gestohlen worden, vermehrt seit Juli scheint das ein Hobby zu sein“, so Bürgermeister Josef Oswald (CSU). Bis die Schilder geliefert und aufgestellt werden, könne das jeweils bis zu einem Monat dauern. Bis dahin müsse mit Baustellenschildern auf den Ortseingang und die damit verbundene Geschwindigkeitsbegrenzung hingewiesen werden.

Ebersbergs Straßenmeister Johannes Bachmaier traut sich schon fast nicht von der hohen Zahl an Diebstählen zu erzählen, hat er doch Angst vor Trittbrettfahrern. Dass hin und wieder ein Schild zur Geschwindigkeitsbegrenzung als Geburtstagsgeschenk missbraucht werde, kam auch schon früher immer wieder mal vor. Der Hang zu den Ortsschildern und die große Zahl an Diebstählen in kürzester Zeit sei dabei jedoch ein komplett neues Phänomen.

Schilder bleiben fremdes Eigentum: Dieben droht jederzeit Strafe

Vor allem die Frage „Warum?“ bleibt den ein meisten ein komplettes Rätsel: „Ich weiß nicht was man damit anfangen will, man kann ja damit nichts machen“, so Bachmaier. Bürgermeister Oswald vermutet eine Mischung aus Tauschhandel und Partygag dahinter. Bachmaier weist bei dieser Theorie darauf hin, dass die Schilder, egal wohin sie wandern, weiterhin fremdes Eigentum sind.

Dementsprechend müssten die Aussteller daheim jederzeit damit rechnen, von jemandem an die Polizei verpfiffen zu werden. Draußen im Garten auszustellen falle dementsprechend ebenfalls aus. Dementsprechend könnten sie, wenn überhaupt, nur versteckt in der Garage oder im Keller gelagert werden.

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Auch für Bürgermeister Proske ist der Deko-Aspekt nur eine mangelhafte Erklärung: „Es ist verrückt, komplett verrückt. Die können ja nicht alle in Partykellern rumhängen, schließlich sind die ja doch recht groß, etwa ein Quadratmeter“, wundert er sich.

Verkauf zum Materialwert? - Wohl nicht rentabel

In Grafing kam bereits laut Bürgermeister Bauer die Theorie vom Bauhof auf, dass die Diebe es auf das Material der Schilder abgesehen haben. Das bezweifelt die Straßenmeisterei: „Wenn man die zum Schrottdandler bringt, kann man den Ortsnamen ja nicht drauf lassen, das würde stutzig machen“, sagt Bachmaier. Theoretisch könne man zwar mit Sandstrahler oder Flexen die Farbe abmachen, aber: „Das Material ist den Aufwand nicht wert. Wenn ich einmal im Monat nicht zum Essen gehe, dann habe ich das Geld schon wieder drin“, so Bachmaier. Was also wirklich hinter dem Trend steckt bleibt allen ein Rätsel.

Eine Anzeige gegen Unbekannt führte bisher stets ins Leere, schließlich handeln die Diebe unbeobachtet bei Nacht, so die jeweilige Erfahrung. Über höhere Sicherungsmaßnahmen, wie etwa die Schrauben zu vernieten oder festzuschweißen habe man im Landkreis auch schon nachgedacht.

Der Aufwand sei jedoch erheblich größer, teurer und der dadurch entstehende Diebstahlschutz eher fraglich: „Denn dann gibt es wieder welche, die schneiden mit der Flex gleich den ganzen Mast um“, so etwa Oswalds Erfahrung in Glonn – Noch höherer Schaden für die Gemeinde. „Wir hoffen, dass es der Gruppe bald zu blöd wird und das Ganze ein Ende hat“, erklärt der Glonner und ergänzt schnaubend: „Es nervt!“

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