1. tz
  2. München
  3. Region

Mehr Stunden als benötigt gebucht: Eltern nutzen kostenlosen Kindergarten aus - Jetzt reagiert die Gemeinde

Erstellt:

Von: Bert Brosch

Kommentare

Ausgenutzt haben Eltern laut Gemeinde die kostenlose Betreuung. Viele buchen für ihre Kinder Zeiten, die dann gar nicht gebraucht werden.
Ausgenutzt haben Eltern laut Gemeinde die kostenlose Betreuung. Viele buchen für ihre Kinder Zeiten, die dann gar nicht gebraucht werden. © bb

Mehr Stunden als benötigt haben Eltern in Putzbrunn für ihre Kinder in Kindergärten gebucht. Jetzt reagiert die Gemeinde.

Putzbrunn – Der Kindergartenbesuch ist in Putzbrunn seit 2019 bis zu sechs Stunden täglich faktisch kostenfrei. Viele Eltern haben dies jedoch missbraucht und für ihre Kinder viel mehr Stunden gebucht, als sie tatsächlich vor Ort waren. Daher führt die Gemeinde ab 1. September wieder Gebühren ein.

Die Gemeinde betreibt die Kindergärten in der Rathausstraße und Kiefernstraße als öffentliche Einrichtungen, für die sie Benutzungsgebühren erhebt. Diese Gebühren erheben auch die Kitas Salberghaus und St. Stephan. Doch die Kindergartenbetreuung ist in Putzbrunn effektiv kostenfrei, da der Freistaat pro Kind 100 Euro zuschießt.

(Unser Landkreis-München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Gemeinde verlangt nichts für Kindergarten: „Auch wir leiden unter Personalnot“

„Ich habe damals dafür gestimmt, dass die Eltern nichts mehr bezahlen müssen, und halte das nach wie vor für die richtige Lösung“, sagte Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) nun im Finanzausschuss und verteidigte damit die Entscheidung von 2019. „Doch seit einiger Zeit stellen wir fest, dass immer mehr Eltern viel mehr Stunden buchen, als die Kinder anwesend sind. Wir müssen das Personal natürlich vorhalten, doch die Kinder werden jeden Tag zwei, drei Stunden früher abgeholt.“ Es gebe nur wenige Gemeinden, wo der Kindergartenbesuch kostenfrei ist, zudem würden die Eltern Bestätigungen der Arbeitgeber vorlegen. „Wir können und wollen das nicht kontrollieren, aber so wie bisher kann es nicht weitergehen, denn auch wir leiden unter Personalnot.“

Kostenloser Kiga: „Was nichts kostet ist auch nichts wert.“

Die Verwaltung schlägt daher vor, dass die Eltern für ihre Kleinen im Kindergarten ab fünf Stunden am Tag monatlich zehn Euro bezahlen, bei einer Buchung bis zehn Stunden täglich wären es 60 Euro im Monat. Die Gemeinde sei zudem angehalten, ihre Gebühren einigermaßen kostendeckend zu erheben, was weder bei den Friedhofsgebühren, noch bei den Kita-Beiträgen möglich ist, weil es viel zu teuer für die Bürger wäre. Die Gemeinde, rechnete Klostermeier vor, fördere jedes Kind in Putzbrunn im Jahr mit rund 7000 Euro; für alle zusammen sind das 1,3 Millionen Euro – „das sind schon hohe Beträge“.

Essen wird teurer

Neben der Wiedereinführung der Kindergartengebühren hat der Finanzausschuss auch beschlossen, das Essensgeld zu erhöhen, von 85 auf 90 Euro monatlich. Ebenso gibt es neue Krippengebühren, sie beginnen bei 270 Euro im Monat bis vier Stunden täglich und werden von 405 auf 432 Euro monatlich bei bis zu zehn Stunden erhöht. Alle zwei Jahre sollen die Kosten überprüft werden.

Martin Adler (FWG) hält die neuen Gebühren für viel zu niedrig und schlug 20 Euro monatlich ab fünf Stunden und 100 Euro bei zehn Stunden vor. „Wir sind damit nicht die teuersten.“ Walter Hois (GPP) stimmte Adler zu: „Es ist traurig, dass wir diesen Schritt durch das Fehlverhalten der Eltern gehen müssen.“ Eduard Boger (CSU) konnte es sich nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass seine Fraktion immer gegen den kostenfreien Kindergartenbesuch gewesen sei. „Jetzt, ohne Kommunalwahl, kommen doch alle zur Vernunft. Was nichts kostet ist auch nichts wert. Wer sich die Gebühren nicht leisten kann, dafür haben wir zahlreiche Hilfsprogramme.“

Kostenloser Kiga ist Geschichte: Gemeinde führt Gebühren ein

Die Wiedereinführung der Gebühren ist laut Boger überfällig. Seine Fraktionskollegin Maria Feiner wollte wissen, ob die neuen Gebühren nun auch kalkuliert seien. „Wir haben mal begonnen alles durchzukalkulieren, sind da aber noch nicht weit gekommen, da fehlen einige Daten, dass wir genau wissen, was was kostet“, räumte Geschäftsleiter Michael Hohberg ein.

Mit 5:2 Stimmen beschloss der Finanzausschuss, ab 1. September wieder Kindergartengebühren einzuführen, so wie von der Verwaltung vorgeschlagen.

Weitere Nachrichten aus Putzbrunn und dem Landkreis München finden Sie hier.

Auch interessant

Kommentare