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Im Bier-Olymp: 500 Verkoster küren das beste Helle im Oberland - Sieger mit klarem Vorsprung

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Von: Andreas Mayr

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Dionys Arnold vom Junggesell*innenverein Oberammergau präsentiert das Sieger-Helle aus Schongau
Das ist es: Dionys Arnold vom Junggesell*innenverein präsentiert das Sieger-Helle aus Schongau. © ANDREAS MAYR

Die Idee ist passenderweise aus einer Bierlaune heraus entstanden. Der Junggesell*innenverein Oberammergau hat eine Bierverkostung mit Bewertung organisiert. Zwölf Helle standen zur Wahl. Doch eines schmeckte am besten.

Oberammergau - Was für gewöhnliche Königinnen das Zepter, ist für Sarah Jäger das Glas Bier. Seit 25. Mai 2022 regiert die Schwandorferin über das bayerische Bier, 40 Sorten und 4000 Marken sind das in toto. Kein kleines Reich. Am Wochenende reiste Bayerns Bierkönigin an die südliche Grenze ihres Herrschaftsgebiets, nach Oberammergau, und nahm an der Bierverkostung des Junggesell*innenvereins teil. Es ging um nicht weniger, als das beste Helle des Oberlandes zu küren, was ja qua Natur schon eine höchst anspruchsvolle Aufgabe ist, wie die Bierkönigin erklärt. „Wenn man sich mit den Brauern unterhält, ist das das schwierigste Bier: Weil der Kunde immer gleichbleibenden Geschmack will“, sagt Jäger. Wir sprechen hier also von höchster Braukunst.

Im Bier-Olymp: 500 Verkoster küren das beste Helle im Oberland - Sieger mit klarem Vorsprung

Die Idee, das muss man so sagen, entstand aus der Bierlaune heraus. Beim Verein saßen sie zusammen und diskutierten eine der Kardinalfragen der bayerischen Kultur aus: Welches Bier ist eigentlich das beste? Ein paar Helle später stand ein gewitzter wie kreativer Plan. Warum nicht die Brauereien des Oberlands in einer Blindverkostung zusammenführen und das beste Helle südlich von München wählen. Die Junggesellen und Junggesellinnen – 100 Mitglieder hat der Klub – sind ja ohnehin ein aktiver Trupp. 2021 brachten sie 500 Leute ins Open-Air-Kino. Voriges Jahr stellten sie kurz vor der Passion einen Maibaum auf. Nun bewegten sie an die 500 Biertrinker und Kenner ins Ammergauer Haus.

Bayerns Bierkönigin Sarah Jäger bei der Bier-Prämierung im Ammergauer Haus in Oberammergau
Prominenz zu Gast: Bayerns Bierkönigin Sarah Jäger beehrt die Oberammergauer © ANDREAS MAYR

Die Brauer des Oberlands fanden die Idee genauso interessant. Zwölf Brauereien aus den vier Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach beteiligten sich. Je 500 Liter Gerstensaft lieferte jede. Am Abend vor dem Wettkampf verklebten die Macher um David Lück, Florian Maderspacher und Leander Marzell die Fässer. Nicht einmal die Helfer am Ausschank wussten, welche Marke sie vertrieben. „Um ein für alle Mal mit den Vorurteilen aufzuräumen“, sagt Lisa Heigl, eine der Organisatorinnen.

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Notenskala: von „sehr gut“ bis „plempl“

Als Juroren luden sie die Bevölkerung ein. Jung und Alt, Männer und Frauen wie Andrea Pest, die mit ihren Freundinnen aus Graswang anrückte. Eigentlich trinkt sie ja lieber Rotwein, „aber so a kühles Bier geht immer“, sagt Pest. An Silvester habe sie von der Verkostung erfahren und gleich im Freundeskreis beschlossen: Da machen sie mit. Zwecks der Gaudi. Die Männer verpflichteten sie für den Fahrdienst. So geht Gleichberechtigung. Das bayerische Bier wird schließlich nicht alleine für den Mann gebraut. „Ich bin ein Fan vom Hellen. Ich mag’s gerne a bissl bitterer“, sagt Pest. Wie alle bekam sie ein Bewertungskarterl ausgehändigt. Die Notenskala reichte von „sehr gut“ bis „plempl“ – und manch’ Bier (Namen nennen wir vorsichtshalber nicht) wurde ordentlich abgewatscht von den Verkostern.

Frauengruppe bei Oberammergauer Bierverkostung
Ein Prosit auf die Gemütlichkeit: Die Graswanger Frauengruppe um (2. v. l.) Andrea Pest genießt die gesellige Runde. © ANDREAS MAYR

Das Siegerbier bekam man am Zapfhahn von Dionys Arnold. Mancher scherzte, dass der gute Mann das Bier quasi zum ersten Platz lobte. Die zahlen stützen die Geschichte nicht wirklich. Zu groß war der Abstand zum Zweiten. „Ziemlich klar“ habe das Helle vom Schongauer Brauhaus gewonnen, betont Lisa Heigl. „Dafür haben sehr viele abgestimmt.“ Vergleichsweise mild kam das naturtrübe Schongauer Helle daher. Mit einer „leicht malzigen Note“, so werben die Macher. Auf dem Podest landeten noch die Biere der Klosterbrauerei Reutberg und des Garmischer Brauhauses von Alexander Müller, der wie einige Kollegen vor Ort versuchte, sein Helles herauszuschmecken. Für die Brauereien gab’s Urkunden. Die Schongauer bekommen ihre die Tage per Post zugeschickt, weil sie doch glatt die Siegerehrung verpassten.

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Vereinsstüberl gesucht

Bis halb zwölf abends ging die Sause im Ammergauer Haus. Oder soll man besser sagen im Ammergauer Brauhaus? Denn die Frauen und Männer vom Junggesell*innenverein hatten den Saal an ein Braustüberl und Bierzelt angelehnt. Getrunken wurde an Biertischen. Wem die Blase drückte, der ging aufs „Scheißheisl“ so stand’s auf den humorvollen Holzschildern. Auf der Bühne spielten drei Musikgruppen auf, darunter die Musikkapelle aus Oberammergau. „Megagute Stimmung“ machte Heigl spätabends aus. Wie viel am Ende für die etwa 100 Vereinsmitglieder übrig bleibt, wird die Tage abgerechnet. Wofür sie das Geld verwenden, wissen sie noch nicht. Auf jeden Fall suchen sie nach einem Vereinsstüberl. Ein Platzerl, an dem weitere Ideen dieser Art herauskommen sollen.

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