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Söder besucht Gasspeicher nahe München: „Deutschland droht eine existenzielle Gas-Notlage“

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Von: Raffael Scherer

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Markus Söder im Erdgasspeicher Wolfersberg
Gerade einmal zu acht Prozent gefüllt ist der Wolfersberger Gas-Untergrundspeicher: Keine guten Aussichten für den Freistaat, weiß auch CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder. © Stefan Rossmann

Besuch in Deutschlands tiefstem Erdgas-Speicher: Söder und Aiwanger sorgenvoll in Wolfersberg. Denn der Füllstand ist erschreckend niedrig.

Oberpframmern – An Winterkälte ist auf dem Gelände des Gas-Untergrundspeichers in Wolfersberg (Gemeinde Oberpframmern, Landkreis Ebersberg) bei der sengenden Hitze kaum zu denken. Trotz der Temperaturen deutlich über 30 Grad tragen dort die Mitarbeiter Uniformen und Helm. Sicherheit geht eben vor Schweißflecken. Und voraussichtlich werden sie in den kommenden Monaten noch ordentlich zu tun haben. Schließlich soll wegen des Ukraine-Krieges dem Freistaat zur kalten Jahreszeit auf keinen Fall das Gas ausgehen.

Nachdem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bereits am Donnerstagmorgen die Alarmstufe Gas ausgerufen hatte, fand zur Mittagszeit nun auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei seinem Besuch am Wolfersberger Gasspeicher klare Worte: „Deutschland droht eine existenzielle Gas-Notlage“, so der CSU-Chef. Darum forderte er zusammen mit seinem ebenfalls zu dem Anlass in den Landkreis gekommenen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) den Bund dringlichst auf, die Gasspeicher Bayerns zu füllen.

Söder besucht Wolfsberger Untergrundspeicher, der gerade einmal bei acht Prozent ist

Mitarbeiter auf der Anlage des Wolfersberger Erdgasspeichers.
Da kommt viel Arbeit auf die Mitarbeiter zu: Gut fünf Monate bräuchte es, um den Speicher bei Oberfprammern wieder komplett zu befüllen.  © Stefan Rossmann

Derzeit sei der Wolfersberger Untergrundspeicher gerade einmal bei acht Prozent, merkte dabei Günter Bauer, Chef des Speicherbetreibers Bayerngas GmbH, an. Grund dafür seien „unterschiedliche Bewirtschaftungsstrategien“ gewesen, erklärt er und fügt hinzu: „Die Preissignale waren absolut dagegen.“ Bereits aus rein physikalischer Sicht müsste deshalb ab kommender Woche ausnahmslos jeden Tag befüllt werden, damit im November der Speicherstand wieder bei 100 Prozent liege – bei 365 Millionen Normkubikmetern.

Das Erdgasvorkommen Wolfersberg lieferte von 1960 an für zwölf Jahre den Rohstoff zur Oberfläche und wurde 1973 zum Untergrundspeicher umgebaut. 2800 Meter tief lagert das Erdgas dort unter der Anlage, bedeckt von porösem Gestein und Wasser – und bildet damit den tiefste Erdgasspeicher Deutschlands.

Gasspeicher nahe München: Jede Energie in Bayern soll „zusammengekratzt“ werden

Hubert Aiwanger vor der Kamera
Hubert Aiwanger sorgt sich um die Gasvorräte. © Stefan Rossmann

Insgesamt verfügt Wolfersberg über zehn Röhren, die hinab in die Erde führen, sogenannte „Injektions-Förderbohrungen“ sowie eine zusätzliche Bohrung zum Zurückpumpen des Lagerstättenwassers in die dafür vorgesehenen unterirdischen Strukturen.

Wegen des drohenden Gas-Mangels werden Speicher wie dieser wichtiger denn je. Ähnlich wie die rote Tankanzeige beim Auto könne man sich derzeit Bayerns Energiereserven vorstellen, so Söders Vergleich, während auch ihm mit Trachtenjanker und Helm der Schweiß herunterlief. Deshalb müsse jetzt alles an Energie in Bayern „zusammengekratzt“ werden, um ohne Versorgungsmangel durch den Winter zu kommen. Dazu gehöre neben dem vorläufigen Weiterbetrieb der Kernenergie auch die Förderung von Bioenergie, Windkraft und Wasserstoff, bekräftigte Aiwanger im Schulterschluss mit seinem Chef. Und eben auch volle Speicher.

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