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Fast wie auf der Wiesn: Festwochen-Maß für über zwölf Euro – Besucher kommen trotzdem

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Von: Andreas Seiler

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Bayerische Lebensart: Gut besucht war die Garmischer Festwoche.
Bayerische Lebensart: Gut besucht war die Garmischer Festwoche. © Krinninger

Die Gastronomie muss die erhöhten Preise an die Kunden weitergeben. Das bekommen auch die Gäste der Garmischer Festwoche zu spüren. Dort haben die Preise beinahe Wiesn-Niveau erreicht.

Garmisch-Partenkirchen – Die anziehende Inflation ist nicht zu übersehen: Nahezu alles im Alltag wird derzeit teurer, auch der Besuch der Gastronomie. Bestes Beispiel: die Garmischer Festwoche, die noch bis zu diesem Sonntag, 7. August, geht. „Da wird man einiges los“, meint beispielsweise eine Mutter, die am Mittwoch mit ihrer kleinen Tochter den Kindernachmittag besuchte. Ein halbes Hendl, Pommes und eine Flasche Mineralwasser – und schon seien 22 Euro weg gewesen. Hinzu kämen weitere Ausgaben, etwa für eine Karussellfahrt, Lose und Süßkram.

Festwoche in Garmisch: Preise beinahe auf Wiesn-Niveau - Für Familien ein Luxus

In der Tat geht ein Festzeltbesuch ins Geld – für viele Familien ein Luxus. Die Preise haben seit 2019, als das Traditionsfest am Wittelsbacher Park vor Ausbruch der Pandemie letztmals stattfand, kräftig angezogen. Für die Maß Bier muss man mittlerweile 12,30 Euro auf den Tisch legen. Vor drei Jahren waren es weniger als zehn Euro.

Der neue Tarif ist fast so hoch wie demnächst auf der Münchner Wiesn. Dort soll heuer der Liter des bayerischen Nationalgetränks zwischen 12,60 Euro und 13,80 Euro kosten. Beim Essen macht sich die Steigerung ebenfalls bemerkbar: Im Garmischer Festzelt schlägt das halbe Hendl mit 12,50 Euro zu Buche, eine Portion Pommes mit 5 Euro.

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Dem Veranstalter, dem Volkstrachtenverein Garmisch, ist das Problem bewusst. Nur, so der Tenor, könne man gegen die Preisspirale, die sich nach oben schraubt, nichts unternehmen. Dies sei nicht nur in Garmisch-Partenkirchen der Fall, sondern ein generelles Phänomen. „Freilich ist das hoch, wir sind nicht begeistert. Aber die Preise macht der Festwirt“, erklärt Zweiter Vorsitzender Benedikt Egner – und fügt hinzu: „Wir sind froh, dass wir den Festwirt haben.“ Anderswo müssten Volksfeste abgesagt werden, etwa in Penzberg, weil es an Personal mangelt.

Der ehemalige Trachtlerchef Christian Ruf schlägt ähnliche Töne an: „Das ist nicht schön.“ Er habe aber Verständnis dafür, dass der Gastronom kalkulieren muss und seine Mehrkosten aufschlägt. „Das geht wahrscheinlich nicht anders.“

Preise auf Garmischer Festwoche deutlich gestiegen - „Alles ist teurer geworden“

Eine kaufmännische Erklärung, die auch von der Festwirte-Familie Adlwärth zu hören ist. „Alles ist teurer geworden“, berichtet Gaby Adlwärth. „Jeder legt die Kosten um.“ Allein der Bierpreis sei heuer dreimal gestiegen. Aber die Aufschläge seien nicht nur beim Einkauf zu verzeichnen, sondern ebenso bei Leistungen, die für einen Festzelt-Betrieb erforderlich sind, angefangen beim Zeltaufbau bis hin zu den angemieteten Toilettenwagen.

Allein diese kosteten 3900 Euro. Es sei daher ein Kraftakt, die neuntägige Großveranstaltung überhaupt auf die Beine zu stellen. Hinzu kämen Lieferschwierigkeiten. Und es sei eine Herausforderung, Mitarbeiter auf dem ausgedünnten Arbeitsmarkt zu finden. „Die Situation ist ganz schlecht.“

Denn viele hätten sich im Zuge der Corona-Krise, als die Hotels und Gaststätten geschlossen waren, umorientiert und in anderen Branchen Jobs gefunden, berichtet die Unternehmerin. Die Folge: Die Lohnforderungen ziehen an, angefangen bei der Servicekraft bis hin zum Spüler.

Bemerkenswert: Obwohl die Besucher tiefer in die Tasche greifen müssen, kamen sie bislang zahlreich. „Wir sind ganz zufrieden. Jeder Tag war gut“, bilanziert Egner. Zum Beispiel war das Zelt beim Party-Abend mit der Stimmungsband Dreisam rappelvoll – vor allem mit jungen Besuchern, die ausgelassen feierten. „Die Leute sind richtig ausgehungert“, findet Adlwärth, deren Betrieb auch die anstehende Partenkirchner Festwoche am Schützenhaus (13. bis 22. August) betreut.

Die Menschen sind ihrer Meinung nach einfach froh, dass endlich wieder Normalität eingekehrt ist und sie das Leben genießen können. Bei ihr habe sich jedenfalls niemand über die Preise beschwert. Im Gegenteil: „Viele haben sich bei uns bedankt, dass das Ganze überhaupt stattfindet.“

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