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Aus nach 33 Jahren: „Heimat vieler Menschen“ am Starnberger See schließt – „Stammkunden haben geweint“

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Von: Volker Ufertinger

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Anna, Sonja und Werner Gschwendtner (v.l.) räumen ihren Kiosk an der Seepromenade leer.
Alles muss raus: Anna, Sonja und Werner Gschwendtner (v.l.) räumen ihren Kiosk an der Seepromenade leer. Zum 1. Januar haben sie ihn geschlossen. Für viele Starnberger ist das ein harter Schlag. © Dagmar Rutt

Der Kiosk von Werner Gschwendtner (69) an der Seepromenade war eine der wichtigsten Anlaufstellen in Starnberg überhaupt. Zum 1. Januar hat er zugemacht.

Starnberg – Wie bitte? Der Werner macht zu? Die Nachricht, dass Werner Gschwendtner aufhört, hat viele Starnberger ins Mark getroffen. Der Kiosk an der Seepromenade, gleich an der S-Bahn-Unterführung, war aus dem Alltag der Stadt nicht wegzudenken. „In den letzten Tagen waren sicher zehn Stammkunden da, die geweint haben“, erzählt er. Wieder andere brachten Blumen vorbei. Und eine Whatsapp-Gruppe wurde auch gegründet, mit vielen Videos und Erinnerungen. „Mir fällt es ja auch schwer“, sagt der Geschäftsmann. „Aber langsam kommt das Alter auf mich zu.“

Das Geheimnis seines Erfolgs war sicher die Herzlichkeit, mit der der gelernte Schriftsetzer seine Kunden behandelte. „Bei mir gab es das nie: Einfach Geld verlangen und fertig“, erzählt er. „Ein liebes Wort, die Menschlichkeit, das ist es doch, was zählt.“ Die Starnberger wussten das zu schätzen und strömten in Scharen zu ihm und seiner Frau Anna (68). „Wir waren immer ein Familienbetrieb“, sagt er. Anfangs half noch Gschwendtners Mutter mit, zuletzt packte seine Schwester Sonja (52) mit an.

Kiosk an der Starnberger Seepromenade: Eröffnung war am 1. Januar 1989

Der Peißenberger weiß noch genau, wie er nach Starnberg kam. Er hatte bereits Kiosk-Erfahrung am Eitzenberger Weiher in Penzberg, am Erholungsgelände in Ambach und am Seebad in Uffing gesammelt, als ihm die Anzeige der Deutschen Bahn in die Augen fiel, auf deren Grund und Boden sich der Kiosk befindet. Er bewarb sich und wurde genommen. Offenbar hatte sein Konzept – ein Kiosk im bayerischen Stil und großem Herz – die Verantwortlichen überzeugt. Zum 1. Januar 1989 eröffnete er.

Die Gschwendtners fassten schnell Fuß. Das lag auch daran, dass sie immer präsent waren. „In den 33 Jahren hatten wir keinen Tag zu“, erzählt der Peißenberger mit Stolz. Die Wochenenden inklusive, wohlgemerkt. Immer von 8 Uhr morgens, im Sommer teils bis 21 Uhr abends. „Nur einmal konnten wir wegen Sturm nicht öffnet“, erinnert sich seine Frau Anna. „Und wegen Corona ging auch einmal ein paar Tage nix.“ Doch kaum hatte die Regierung das Take-Away erlaubt, machten sich die Gschwendtners wieder ans Werk und versorgten die Stadt mit Leberkässemmeln, Kaffee und Süßigkeiten für die Kinder.

Diese Wochen räumen sie den Laden leer

Momentan räumt die Familie den Laden leer, eine Woche haben sie Zeit. „Schon Wahnsinn, was sich in 33 Jahren alles auftürmt“, sagt Werner Gschwendtner. Alles muss raus: Die Getränke, die Zigaretten, das Eis, die Souvenirs, die Plaketten für die Wanderstöcke, die König-Ludwig-Bierkrüge, die (übrigens selbst gestalteten) Postkarten, alles. Manchmal kommt ihm zu Bewusstsein, dass hier etwas ganz Besonderes zu Ende geht. „Es war halt Kiosk wie früher.“ Wie man hört, soll danach eine Eisdiele reinkommen.

Pläne für Starnberger Seepromenade: Angeblich kommt eine Eisdiele rein

Der Abschied fällt seinen Kunden furchtbar schwer. Auf der Facebook-Seite „Starnberger Gschichtn“ etwa heißt es: „Ein trauriger Übergang ins neue Jahr. Die Institution am See, Heimat für unzählige Menschen und der herzlichste Geschäftsmann aller Zeiten, schließt nach 33 Jahren seine Pforten. Danke, Danke, Danke!“ Ein weiterer Kommentar lautet schlicht: „Legende.“ Und eine Mutter fragt, halb im Ernst und halb im Scherz: „Und wo soll meine Tochter jetzt eine süße Tüte kaufen?“ Da sieht man, welchen Stellenwert der Kiosk im Leben vieler Starnberger hatte.

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Jetzt haben sich Anna und Werner Gschwendtner erst einmal Urlaub verdient. Ihre Tochter, Ärztin in Berlin, hat sie eingeladen, mit dem Schiff den Atlantik zu überqueren. Mit der Queen Mary geht es zehn Tage lang von Amerika nach England. „Darauf freuen wir uns wirklich“, sagt Anna Gschwendtner. Aus der Welt sind die Peißenberger deswegen noch lange nicht, mit ihren vielen Stammkunden werden sie auf allen Kanälen Kontakt halten. „Sie waren uns immer das Wichtigste.“

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