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Tölzer Familie wird Opfer einer Kontoplünderung: „Mein ganzes Geld ... alles weg“

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Von: Felicitas Bogner

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Unbekannte plünderten das gesamte Konto einer Familie aus Oberbayern.
Unbekannte plünderten das gesamte Konto einer Familie aus Oberbayern. © Fernando Gutierrez-Juarez/dpa/Symbolbild

Nach einer Kontoplünderung fehlt einer Tölzer Familie jeder Hoffnungsschimmer. Die finanziellen Sorgen erdrücken sie.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eigentlich hatte sie sich auf ihre Rente gefreut. „Ich wollte die freie Zeit genießen. Immerhin habe ich 47 Jahre meines Lebens gearbeitet.“ Doch dann kam vieles anders. „Jetzt wünsche ich mir jeden Abend vor dem Einschlafen nur noch, dass ich nicht wieder aufwachen muss.“ Wer sagt so was? Es ist Hannah M. (Name von der Redaktion geändert). Sie sitzt am Besprechungstisch in der Zeitungsredaktion und ringt nach Worten. Schicksalsschläge, wenig Geld, ein Brand und nun noch eine Kontoplünderung haben der zweifachen Mutter all ihre Lebensfreude geraubt.

Mutter muss mit zwei Söhnen nach Brand von München nach Bad Tölz ziehen

„Als mein Mann gestorben ist, habe ich mit meinen Söhnen in einer Wohnung nahe der Ludwig-Maximilians-Universität gewohnt“, holt sie aus, um ihre Geschichte zu erzählen. M. fällt es sichtlich schwer, das Geschehene in Worte zu fassen. „Ich verliere immer wieder den Faden.“ Ihr Sohn Thomas M. (Name ebenfalls von der Redaktion geändert) sitzt neben seiner Mutter und springt für sie ein. „Mein Vater hat bei der Universität gearbeitet, und wir konnten nach seinem Tod in der Wohnung bleiben“.

Allerdings kam es in dieser Wohnung in Schwabing 2015 zu einem verheerenden Brand. „Wir mussten aus der Wohnung raus und haben nichts neues in München gefunden.“ Nach langer Suche habe die Familie vom ehemaligen Arbeitgeber des verstorbenen Vaters eine Wohnung im Tölzer Land vermittelt bekommen. „Wir hatten keine andere Wahl, als das anzunehmen. Es ist mir aber sehr schwergefallen, aufs Land zu ziehen. Ich vermisse die Großstadt mit den vielen Menschen um mich herum sehr “, sagt M.

„Waren froh, ein Dach über dem Kopf zu haben“

Die Familie habe sich mit der Lage arrangiert. „Wir waren froh, ein Dach über dem Kopf zu haben“, sagt Hannah M. Bergauf ist es seither allerdings nicht gegangen. „Die Rente, die ich bekomme, reicht leider nur knapp, um über die Runden zu kommen“, erklärt sie. Ihre Söhne können nicht viel unterstützen, da sie krankheitsbedingt aktuell nicht arbeiten können. „Schlafstörungen und neurologische Zuckungen“, fügt Thomas M. hinzu.

Die Aktion Leser helfen helfen unterstützt seit vielen Jahren Menschen in Not.
Die Aktion Leser helfen helfen unterstützt seit vielen Jahren Menschen in Not. © tk-Archiv

Im Sommer dieses Jahres kam nun ein derber Schlag für die Familie. „Wir sind Opfer von einer Kontoplünderung geworden“, erklärt der 33-jährige Sohn. „Anfang August wollte ich für meine Mutter die anstehenden Überweisungen tätigen. Plötzlich sehe ich, dass das gesamte Konto leer ist“, berichtet er. Seiner Mutter steigen die Tränen in die Augen. „Ich kann es bis heute nicht fassen. Mein ganzes Geld ... alles weg.“

Familie M. kontaktierte sofort die Bank und die Polizei. „Bei der Bank wollte uns niemand helfen, sie meinten nur, wir hätten ein weiteres Gerät für das Onlinebanking hinzugefügt. Das haben wir aber nicht“, betont Thomas M. Er legt die Kontoauszüge auf den Tisch. Diesen ist zu entnehmen, dass am 31. Juli mehrmals jeweils 220 Euro von dem Konto an eine Firma in Hongkong überwiesen wurden. Solange, bis das Konto leer war. „Ich kann mir nicht erklären, wie das passieren konnte“, schütteln Mutter und Sohn fassungslos den Kopf. „Als wir Anzeige erstattet haben, haben uns die Polizisten wenig Hoffnung gemacht, dass wir unser Geld je wieder sehen“, berichtet Hannah M. Das Demütigendste sei gewesen, dass ein Polizist empfohlen habe, die Anzeige zurückzuziehen, da es sich ja eh nur um knapp 1800 Euro handelt“, sagt Hannah M. „Aber das war nun mal all mein Geld.“

„Ich möchte Kämpfen, dass ich mein Geld zurückbekomme“

Auch der Gang zu dem Geldinstitut habe bisher keine Hilfe gebracht. „Sie meinten, dass so was jedem Mal passieren kann und sie nichts machen können. Scheinbar passiert das öfter“, gibt sich M. ernüchtert. Ihr Sohn kontaktierte in der Not die Hilfsorganisation „Weiße Ring“. „Wir konnten ja nichts mehr bezahlen. Unser Vermieter hat sofort mit Rauswurf gedroht, obwohl es das allererste Mal war, dass wir nicht pünktlich die Miete überwiesen haben.“ Seither sei die Familie in einen Teufelskreis gekommen. „Wir haben uns überall – auch privat – Geld geliehen, um die Miete und Nebenkosten weiter zu zahlen, aber so haben sich auch unsere Schulden immer mehr angehäuft.“

Die Last sei für sie kaum mehr zu ertragen. Neben finanzieller Entlastung sei es M.’s Wunsch, Hilfe von einem Anwalt in Anspruch nehmen zu können. „Ich möchte mich wehren und kämpfen, dass ich mein Geld zurückbekomme. Ohne Anwalt gewinne ich nie gegen eine Bank“, ist sich M. sicher.

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