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Illegal abgestellter Audi sorgt für Ärger — Monate passiert nichts: „Das war wie ein Detektivspiel“

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Von: Jennifer Battaglia

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Dieser silberfarbene Audi A6 bereitete den Anwohnern in der Kaltenmoserstraße Kopfzerbrechen. Über Monate stand das unangemeldete Fahrzeug auf der Straße und wurde nicht abgeholt.
Dieser silberfarbene Audi A6 bereitete den Anwohnern an der Kaltenmoserstraße Kopfzerbrechen. Über Monate stand das unangemeldete Fahrzeug auf der Straße und wurde nicht abgeholt. © Privat

Ein Auto mit abgelaufenem Kennzeichen steht über Monate in Weilheim. Dass die Behörde den Wagen nicht einfach abschleppen kann, stößt auf Unverständnis.

Weilheim – Die Geduld von Marcus Reichenberg und seiner Familie wurde in den vergangenen Monaten auf die Probe gestellt. Der Weilheimer, der an der Kaltenmoserstraße eine Versicherungsagentur betreibt, schildert eindringlich die Geschehnisse seit April dieses Jahres. Seitdem stand laut Reichenberg rund um die Uhr ein silberfarbener Audi A6 auf der Straße direkt vor seinem Büro – ohne gültiges Kennzeichen. Jemand musste das Auto dort abgestellt und nicht mehr abgeholt haben.

Audi nervt Weilheim: Wochen und Monate vergehen, aber nichts passiert

„Das Auto hatte ein Kurzkennzeichen, das nach wenigen Tagen abgelaufen war“, erinnert sich Reichenberg. „Es vergingen Wochen und Monate, aber nichts passierte.“ Schließlich schalteten er und seine Familie das Ordnungsamt ein, denn Autos dürfen ohne gültiges Kennzeichen nicht auf öffentlichem Grund geparkt werden. „Wenn man in Weilheim fünf Minuten falsch parkt, kriegt man gleich einen Strafzettel“, sagt Reichenberg. „Aber ein unangemeldetes Auto steht über Monate auf einer öffentlichen Straße. Das kann doch nicht sein.“

Der Audi blockierte einen der Parkplätze an der Kaltenmoserstraße. Das ärgert Reichenberg, schließlich kommen in sein Büro regelmäßig Kunden. „Und die müssen ja auch irgendwo parken.“ Dazu befinden sich im Gebäude, in dem Reichenberg seine Agentur betreibt, ein weiteres Büro und vier Mietwohnungen. Das Haus gehört Reichenbergs Eltern. Und gegenüber steht die Fachoberschule. Parkplätze würden dort also dringend gebraucht werden.

In immer kürzeren Abständen kontaktierten die Reichenbergs das Ordnungsamt. Auch Mieter des Hauses fragten bei der Behörde nach. Warum wird das Fahrzeug nicht abgeschleppt? Über die Monate verwahrloste der Audi zunehmend. Jemand kippte Erde auf das Dach des Kombis, ein Reifen und ein Rücklicht wurden beschädigt. Laut Reichenberg sah das Fahrzeug aus „wie Sau“.

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Deutsche Bürokratie: Erst nach Ablauf einer Frist kann das Auto abgeschleppt werden

Der Leiter des Ordnungsamtes, Walter Weber, erklärt auf Nachfrage: „Zunächst einmal muss man feststellen, dass es sich in diesem Fall nicht um einen Parkverstoß, sondern um eine unerlaubte Sondernutzung handelt.“ Bei Falschparkern komme die Straßenverkehrsordnung zur Anwendung. Fahrzeuge, die unangemeldet auf öffentlichem Grund stehen, verstoßen hingegen gegen das Bayerische Straßen- und Wegegesetz. „Das Argument, man bekommt gleich einen Strafzettel, wenn man falsch parkt, greift hier also nicht“, so Weber. Schließlich handle es sich um zwei verschiedene gesetzliche Verordnungen.

Sofort abgeschleppt dürfen Fahrzeuge laut Weber nur dann, wenn Gefahr im Verzug ist. „Also wenn zum Beispiel ein Fahrzeug in einer Feuerwehranfahrtszone steht.“ Das war bei dem Audi an der Kaltenmoserstraße aber nicht der Fall. Vor Beseitigung des Fahrzeuges muss der Eigentümer des Wagens angehört werden. „Der war lange Zeit nicht greifbar“, so Weber. Man habe zwar den letzten Halter des Fahrzeuges ermitteln können – der gab aber an, den Audi bereits verkauft zu haben. Erst als man den aktuellen Eigentümer ausfindig machen konnte, war es möglich, auch eine zeitnahe Frist zu setzen. Verstreicht diese, wird das Auto von der Stadt abgeschleppt.

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Wirbel um Falschparker: Der Audi A6 war der Behörde bereits bekannt

Der Wagen ist der Behörde nicht unbekannt. Das Ordnungsamt hatte den Audi bereits vor einiger Zeit von einer anderen Stelle in der Stadt entfernen lassen. Für die Kosten des Abschleppdienstes und der Verwahrung des Fahrzeuges muss die Stadt in Vorkasse gehen. Der „Zustandsstörer“, also der Eigentümer, bekommt sein Auto erst dann wieder, wenn er die ausstehenden Beträge und das Bußgeld beglichen hat, erklärt Weber. Und der Eigentümer sei beim letzten Mal ein anderer gewesen als heute. „Das war wie ein Detektivspiel“, sagt Weber.

Letztendlich hat die Frist der Behörde Wirkung gezeigt: Anfang der Woche wurde das Auto abgeholt, gestern fegte die Kehrmaschine durch die Straße. Um das Auto hatte sich Dreck angesammelt. Den Eigentümer erwartet nun ein Bußgeld – laut Weber im dreistelligen Bereich.

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