Am Viscardi-Gymnasium

Schüler machen mit Film auf Mobbing aufmerksam, dürfen ihn aber nicht online stellen

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Auch Mitschüler haben sich am Filmprojekt beteiligt. 

In einem Kurzfilm machen drei Jugendliche vom Viscardi-Gymnasium auf das Thema Mobbing aufmerksam. Sie wollen den Film online stellen, dürfen das aber nicht.

Fürstenfeldbruck - Christian ist ein Außenseiter, er steht im „Abseits“ – so auch der Titel des knapp zwölf Minuten langen Films. Nicht nur in der Schule ist Christian das Opfer von Hänseleien und körperlicher Angriffen. Über soziale Netzwerke erreichen ihn auch zuhause pausenlos Beleidigungen und Nachrichten, die unter die Gürtellinie gehen. Das Cybermobbing trifft Christian tief – das Ende des Films bleibt offen, lässt jedoch Schlimmes vermuten.

Die beiden Neuntklässler Benedikt Bucher und Julian Kühne haben zusammen mit Valentin Eckmann aus der zehnten Klasse einen Film geschaffen, der ein hochbrisantes und aktuelles Thema aufgreift. Das belegen auch Zahlen aus der Pisa-Studie des vergangenen Jahres. Demnach ist in Deutschland fast jeder sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von teils massiven physischen und psychischen Übergriffen.

„Wollen möglichst viele Menschen erreichen“

Der Kurzfilm ist der Renner – was es allerdings problematisch macht, ihn anzusehen. Nach der Premiere, die die Beteiligten vor rund 200 Besuchern im Scala-Kino feiern durften, gibt es den Streifen derzeit nur auf der Homepage des Gymnasiums zu sehen. „Der Server ist deswegen oft überlastet“, sagt Lehrerin Alexandra Stumbaum, die selbst als Darstellerin im Film auftritt und das Projekt betreute. Gerne würden die Schüler „Abseits“ auch auf Youtube hochladen. „Aus Gründen des Datenschutzes lassen das die Richtlinien aber nicht zu“, so Stumbaum. 

Was die jungen Filmemacher besonders ärgert: Sie haben sogar die Erlaubnis aller Beteiligten, den Film auf der Online-Plattform zu veröffentlichen. Sogar die Musik hat Eckmann selbst komponiert, so dass es auch mit der Gema kein Problem geben würde. „Wir wollen natürlich möglichst viele Menschen erreichen“, sagt Bucher. Eckmann ergänzt: „Der Film richtet sich an junge Leute, und die erreicht man am besten über Youtube.“

In zeitraubender Arbeit haben die Viscardi-Schüler (Foto links, v.r.) Benedikt Bucher, Valentin Eckmann und Julian Kühne zusammen mit Lehrerin Alexandra Stumbaum einen knapp zwölfminütigen Kurzfilm gedreht.

Die drei Gymnasiasten haben viel Zeit in das Projekt investiert. Los ging es so: Bei einem Wochenende im Rahmen der Schüler-Mitverwaltung (SMV) habe die Schule Unterstützung für Projekte gegen Mobbing zugesagt, erinnert sich Bucher. Nachdem er und seine beiden Mitschüler schon zuvor einen Image-Film über das Viscardi-Gymnasium gedreht hatten, griffen sie das Thema nun auch wieder mit bewegten Bildern auf. Eckmann führte Regie, Bucher kümmerte sich um den Schnitt und Kühne war für die richtige Farbe zuständig. Als Hauptdarsteller tritt der Siebtklässler Christian Pröpper auf.

So lief die Produktion

„Gedreht haben wir mit einer Spiegelreflexkamera, die Nachproduktion haben wir am Computer gemacht“, berichtet Bucher. Alleine der Schnitt dauerte 150 Stunden – alles in der Freizeit. „Meistens haben wir abends und nachts gearbeitet“, berichtet Bucher. Beigebracht haben sie sich ihr Handwerk dabei autodidaktisch. „Wir haben uns zum Beispiel Youtube-Videos dazu angesehen.“

Bei der jüngst in Bruck eröffneten bayernweiten Schulkinowoche sprachen die drei Schüler nun mit dem dort anwesenden Kultusminister Bernd Sibler (CSU) über ihren Film. Der Politiker zeigte sich vom Projekt beeindruckt. Sein Ministerialdirigent Walter Gremm sagte zu, eine Veröffentlichung auf Youtube zu prüfen. „Immerhin ein erster Erfolg“, sagt Stumbaum. Sie wünscht sich, dass das Engagement der drei Schüler mit der Erlaubnis zur Veröffentlichung gewürdigt wird.

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