„I schreib ja sonst nia Oane“

55 Jahre hat die Postkarte von Monika Grubers Vater gebraucht

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Lange verschollen: Die Postkarte brauchte für den Weg von Köln in den Landkreis Erding 55 Jahre.

Zustorf - Der Vater der Kabarettistin Monika Gruber hat vor 55 Jahren eine Postkarte abgeschickt. Erst jetzt ist sie angekommen. Der Empfänger freut sich über die verspäteten Grüße.

Josef Gruber, 75, ist nicht gerade einer, der gerne Postkarten versendet. „I schreib ja sonst nia Oane“, sagt der Vater der Schauspielerin und Kabarettistin Monika Gruber. Doch am 6. Mai 1960 schickte er seinem Freund und ehemaligen Klassenkameraden Josef Huber, 75, eine Ansichtskarte aus Köln. Nun haben sich die beiden kürzlich beim jährlichen Klassentreffen wiedergesehen. Und dort war ausgerechnet diese Postkarte Gesprächsthema Nummer Eins. Denn die Ansichtskarte wurde erst jetzt zugestellt, 55 Jahre zu spät.

Wo die Postkarte die vergangenen 55 Jahre war, ist unklar

Anne Huber, die Frau von Josef Huber, hat die Karte aus dem Briefkasten geholt. Sofort fiel ihr die ungewöhnliche Theodor-Heuss-Briefmarke im Wert von zehn Pfennig auf. Außerdem der alte Poststempel von 1960. Warum die Karte erst jetzt ankam, wisse sie auch nicht, sagt Anne Huber. Auch ein Sprecher der Post kann sich das nicht erklären. Es komme zwar manchmal vor, dass verschollene Briefe und Pakete Jahre später wieder auftauchen, sagt er. „Aber normalerweise hätte die Karte dann einen zweiten, aktuellen Stempel bekommen müssen.“ Wo Hubers Karte die ganzen Jahre über lag, lasse sich nicht mehr nachvollziehen.

Der Empfänger freut sich trotz der Verspätung über die Grüße seines Schulfreundes

Zwei Schulkumpel: Josef Huber (l.) freut sich über die Postkarte, die ihm Josef Gruber geschickt hat, obwohl die Karte 55 Jahre zu spät ankommt.

Letztendlich ist das aber auch egal. Die Karte war nämlich Grund genug für die beiden Freunde, sich noch einmal an ihre gemeinsame Schulzeit zu erinnern. Sie besuchten von 1958 bis 1960 die landwirtschaftliche Fachschule in Erding. Die beiden waren damals 21. Bei der Abschlussfahrt nach Köln konnte Huber und ein anderer Freund der beiden aus Zustorf allerdings nicht dabei sein. „Bei der Klassen-Abschlussfahrt nach Köln und Rüdesheim seids nur es zwoa Zustorfer, Du und da Kaiser, ned dabei gwen“, sagt Gruber. Sein alter Schulkumpel Huber erinnert sich auch noch gut an den Grund, weshalb er nicht mitfahren konnte. „ I hab damals dahoam an Haufa Arbeit ghabt mit der Landwirtschaft. Außerdem war i a no Gastwirt beim Reiter Bräu in Zustorf, dem heutigen Landgasthof Lintsche.“

Gruber saß zusammen mit einigen Schulkameraden in einem Kölner Lokal und musste an seine beiden Spetzln denken. „Als wir vier Burschen damals in Köln in an Lokal beinand gsitzt san, hama eich scho bedauert, dass ned dabei sei habts kinna. Da hama spontan gsogt: Dene schreima a Kartn.“

Dass die Postkarte niemals ankam, hat der Absender nie erfahren 

Dass die Karte niemals ankam, wusste Gruber nicht. Und ob der zweite Freund jemals seine Ansichtskarte erhielt, lässt sich heute auch nicht mehr herausfinden. Er ist bereits verstorben, wie 15 weitere von den ehemals 46 Klassenkameraden. Der Rest hat sich kürzlich beim jährlichen Klassentreffen wiedergesehen und sich wegen der Karte noch einmal an die Abschlussfahrt erinnert. Wenigstens war sie noch vor dem diesjährigen Klassentreffen pünktlich eingetroffen, freuten sich die beiden Freunde und lachten.

Thomas Obermeier

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