32-Jähriger stirbt bei Nachbarschaftsstreit

Die Tragödie von Dünzelbach

+
Es hat wie ein Bubenstreich begonnen und endete tödlich: Bei einer Schlägerei mit einem benachbarten Brüderpaar ist ein 32-jähriger Mann im Moorenweiser Ortsteil Dünzelbach gestorben.

Fürstenfeldbruck - Es hat wie ein Bubenstreich begonnen und endete tödlich: Bei einer Schlägerei mit einem benachbarten Brüderpaar ist ein 32-jähriger Mann im Moorenweiser Ortsteil Dünzelbach gestorben.

Die Gedanken lassen sich noch kaum ordnen, Klaus P. (46, Name geändert) versucht es trotzdem. Er will zusammenbekommen was in der Nacht auf Samstag passiert ist. Wie es sein konnte, dass unter ihm sein Dünzelbacher Nachbar starb. „Ich war beim Fernsehen auf der Couch eingenickt“, erzählt er. „Dann wachte ich auf, weil jemand Steine ans Fenster warf …“

So beginnt eine Tragödie, mit Steinen. Am Ende liegt ein Toter vorm Haus.

Ein paar Kilometer weiter denkt zur gleichen Zeit eine trauernde Mutter an ihren toten Sohn, der nächste Woche 33 Jahre alt geworden wäre – es ist der Mann, der in der Nacht in Dünzelbach starb. Immer wieder bricht ihre Stimme als sie erzählt, wie sie nur eine Stunde vor dem Unglück am Tisch sitzen. Sie, der Ehemann und Sohn Mathias. Es duftet nach Gulasch, Mathias aber hat noch keinen Hunger. Er packt sich das Essen ein, „ums daheim in Dünzelbach zu genießen“.

Bilder vom Tatort

Tödliche Schlägerei in Moorenweis

Dieses Bild zeigt Mathias K. vor wenigen Jahren

Er verlässt die Eltern gegen 23 Uhr, eine halbe Stunde später, wacht im ersten Stock sein Nachbar Klaus wegen der Steine auf. „Ich bin dann raus auf den Balkon denn ich dachte mir, dass vielleicht mein Bruder oder mein Vater den Schlüssel vergessen haben.“ Doch draußen ist niemand. Klaus setzt sich wieder hin, da fliegen schon die nächsten Steine. Wieder geht er auf den Balkon, diesmal mit Taschenlampe und leuchtet den Hof ab. Nichts. Dann hört er seinen um vier Jahre jüngeren Bruder Josef (Name geändert): „Des ist sicher der andere wieder.“ Der andere, das ist der Nachbar Mathias.

Erst vor zwei Jahren war er in der Ort gezogen, ins Haus der verstorbenen Großmutter das gegenüber der Kirche liegt. Mathias K. ist eine imposante Erscheinung: 1,95 Meter groß, so 110 Kilo schwer – ein Sonderling. Mit ziemlich allen Nachbarn hat er es sich verscherzt. Nachts sehen die Leute, dass er Gießkannen ins Gebäude trägt, was sofort das Gerücht von einer heimlichen Cannabis-Plantage nährt. Als „nachtaktiv“ sehen ihn die Leute und dass er nicht arbeitet. Seine Mutter sagt weshalb. „Er war Chemikant, es gab in der Firma einen Unfall.“ Seither habe Mathias eine kleine Rente erhalten. Eine weitere Folge des Unfalls – „ein Ausschlag im Gesicht“, sagt die Mutter. Mathias konnte das nicht ertragen, er ließ sich die Haare auf dem Kopf und im Gesicht wachsen – und wirkte plötzlich wie ein Waldschrat.

Mit den Nachbarn gab es nun oft Reibereien. Klaus P. sagt, „dass er etwa unseren Vater alles Mögliche geheißen hat, ohne Grund.“ Auch Bürgermeister Joseph Schäffler blieb die angespannte Atmosphäre in Dünzelbach nicht verborgen. Er berichtete dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt, dass der Tote die Leute regelrecht drangsaliert habe, immer wieder habe es Beschwerden gegeben.

In der tragischen Nacht will offenbar der jüngere Bruder in die Situation bereinigen. Klaus kriegt mit, „wie er bis zum Gartentürl gegangen ist, aber da war nichts.“ Plötzlich soll der Nachbar den Josef von hinten angefallen haben– „mein Bruder ist 1,65 Meter, der andere 1,95 Meter groß.“ Josef schreit um Hilfe, Klaus hetzt runter und mischt sich ein. „Wir haben gerangelt. Der hat eine Kraft entwickelt, unglaublich“ Zu zweit gelingt es den Angreifer auf den Boden zu bringen und dort zu halten. „Er lag seitlich“, erinnert sich Klaus P. Sein Vater habe inzwischen die Polizei gerufen. Klaus berichtet, dass ein Beamter dem Nachbarn Handschellen anlegen wollte. Dann habe sich der Polizist umgedreht: „Mensch, der schnauft nicht mehr.“ Die Ambulanz wird gerufen, doch Wiederbelebungsversuche scheitern.

Die Nacht verbringen Klaus und Josef in der Zelle. Um 15.15 Uhr sperrt ihnen ein Beamter auf. „Ihr könnt’s geh!“ Bei der Obduktion war festgestellt worden, dass Mathias K. wohl erstickt war. Die näheren Umstände dazu werden von der Kripo ermittelt. Von Vorsatz geht man wohl nicht aus, denn die Staatsanwaltschaft verzichtete auf einen Haftantrag. Für die Mutter des Toten ein Ding der Unmöglichkeit. Sie weint: „Die haben doch meinen Bub umgebracht.“ Davor war sie an der Stelle gewesen, an der Mathias K. zum Atmen aufhörte. Zehn Kerzen hat sie dort aufgestellt.

Markus Christandl und Jakob Mell

Auch interessant

Meistgelesen

Gärtner will Wespen verjagen - und fackelt Nobel-Hecke ab
Gärtner will Wespen verjagen - und fackelt Nobel-Hecke ab
Übler Streich: Buben (13, 14) „schießen“ auf König von Thailand
Übler Streich: Buben (13, 14) „schießen“ auf König von Thailand
Schleuderpartie auf der A96: Zwei Autos Schrott, vier Verletzte
Schleuderpartie auf der A96: Zwei Autos Schrott, vier Verletzte
Junge Männer bei Motorrad-Unfall in Gauting schwer verletzt
Junge Männer bei Motorrad-Unfall in Gauting schwer verletzt

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion