Folge eines Gerichtsurteils

Nur noch wenige Meter Ufer übrig: Betreiber sperrt weite Teile von Badesee-Zugang

Der Steinsee ist ein beliebtes Badegewässer. Hier genießen nicht nur Stammkunden die schöne Natur sowie das klare und warme Wasser. Jetzt aber gibt es großen Ärger.

Moosach/Steinsee – Der Zugang zum See wurde massiv eingeschränkt, die Wasserrutsche abgebaut. Dort, wo man früher überall ins Wasser steigen konnte, stehen jetzt Verbotsschilder. Das ist die Folge eines aktuellen BGH-Urteils.

Nach einem Unfall, bei dem ein Mädchen bleibende Schäden erlitten hatte, konkretisierte der Bundesgerichtshof die Pflichten der Badeaufsicht und kehrte die Beweislast bei Badeunfällen um. Das heißt konkret, der Betreiber muss nachweisen, dass er alles unternommen hat, um Unfälle zu vermeiden. Die Konsequenz am Steinsee: Die Wasserrutsche wurde abgebaut, der Zugang zum See auf wenige Meter reduziert.

„Mir tut das selbst am meisten weh, ich mache das nicht gerne“, sagt Bad-Betreiber Karl-Heinz Wildmoser. „Ich muss alles lückenlos nachweisen.“ Die aktuellen Einschränkungen seien eine Konsequenz der „Gefährdungsproblematik“.

Nach Sperrungen am Steinsee: Zugang ist aufgewühlt und schwammig

Hans Kirschneck aus Zorneding kommt eigenem Bekunden nach „seit 70 Jahren“ zum Baden an den Steinsee. „Das ist mehr als jämmerlich“,

ärgert er sich darüber, dass der Badebereich auf eine kleine Fläche des Sees beschränkt wurde, „dort wo früher der Nichtschwimmerbereich war. Da ist das Wasser ganz aufgewühlt und schlammig“, berichtet er und hat kein Verständnis für die neuen Sicherheitsmaßnahmen.

„Ich bin am allermeisten selbst enttäuscht“, sagt Wildmoser. „Ich mache das nicht aus freien Stücken.“ Das Vorgehen sei so mit der Wasserwacht abgestimmt worden. „Wir haben dabei noch das Glück, dass die Wasserwacht uns die Leute ausbildet“, die Aufsicht führen müssten. Die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen sei „sehr gut, da haben wir ein großes Glück.“

Rainer Zehentmair aus Moosach lebt seit 50 Jahren am Steinsee und kann sich mit den Änderungen ebenfalls nicht anfreunden. „Der Betreiber des Steinseebades hat nach Bekanntwerden des BGH-Urteiles offenbar Panik bekommen und glaubt jetzt, mit einem Radikalschlag seiner Versicherungspflicht genüge zu tun. Dabei hat er nach Meinung vieler Badegäste gehörig über das Ziel hinausgeschossen.“ Fast der gesamte Uferbereich am Steinseebad sei mit Absperrketten „zugepflastert“. Das kritisiert auch Kirschneck: Im Wald steht alle fünf bis sechs Meter ein Schild: Zugang zum See gesperrt“, heiße es da.

Steinsee: Betreiber Wildmoser bittet um Verständnis

Wildmoser bittet um Verständnis für seine Lage: „Wie soll ich das machen bei ganzen 400 Metern Ufer alles zu überwachen? Das schaffe ich ja gar nicht. Ich muss einen Bereich schaffen, wo ich das leisten kann.“

Zehentmair hingegen meint: „In welcher Welt leben wir eigentlich. Unglücksfälle werden wir nie ganz verhindern können, die wird es auch in Zukunft geben.“ Die Vorgaben des BGH für Badbetreiber, Gefahren weitestmöglich zu minimieren, heißt aber nicht, dass man alles verbieten muss, weil man Angst vor einer möglichen Klage hat. Das kann man durchaus besser lösen.“ Der Moosacher Badbetreiber verweist darauf, dass er alle Vorgaben einhalten müsse, auch wenn ihm das selbst „Bauchschmerzen“ verursache.

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Im Landkreis ist Wildmoser nicht der Einzige, der Angst vor Konsequenzen hat. Am Poinger Bergfeldsee rückte plötzlich die dortige Badeinsel in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Grund war eine Mitteilung der Bayerischen Versicherungskammer, die in der Insel eine Gefahr für Jugendliche sah. Es müsse deshalb für eine ausreichende und organisierte Aufsicht gesorgt werden. Der Moosacher Badbetreiber hat Hoffnung auf Hilfe von oben. Ein oberbayerischer Landkreis habe sich schon hilfesuchend an Ministerpräsident Markus Söder gewandt, berichtet er.

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