Hakan F. in Haft

Nach 27 Jahren gefasst: Ihr Mörder war erst 14

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Am 11. April 1986 findet der Sohn von Theodora B. seine Mutter tot in ihrem Haus am Rätschenbach in Erding. Erst 27 Jahre später können die Beamten den Fall aufklären – dank moderner Kriminaltechnik. Der Mörder von Theodora B. war damals erst 14 Jahre alt.

Erding - Nach 27 Jahren konnte die Kripo Erding den Mord an einer hoch betagten Erdingerin aufklären. Theodora B. (81) war im April 1986 erstochen und erdrosselt aufgefunden worden. Als Täter überführt wurde nun ein damals 14-Jähriger, der zuletzt bei Freising lebte.

Dem Fortschritt der Kriminaltechnik ist es zu verdanken, dass die Kripo Erding nach 27 Jahren einen Mord an einer Rentnerin aufklären konnte. Am Tatort gesicherte Fingerabdrücke wurden immer wieder mit Straftätern aus der Kartei abgeglichen. So geriet der heute 42 Jahre alte Türke Hakan F. (Name geändert) ins Visier der Ermittler. Die Hartnäckigkeit des Mordkommissariats unter der Leitung von Stefan Kühnel hat sich ausgezahlt.

Am Mittwoch klickten an Hakan F.s Wohnadresse in einem Dorf nahe Freising die Handschellen. Dies teilten die Staatsanwaltschaft Landshut und das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord am Freitag mit. Der Tatverdächtige hat die Bluttat gestanden. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Hakan F. in Nachbarschaftsstreit verwickelt

Hakan F. war heuer in einen handfesten Nachbarschaftsstreit verwickelt. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt und deswegen erkennungsdienstlich behandelt. Bis vor eineinhalb Jahren lebte er mit seiner Familie im Erdinger Stadtteil Klettham. Seit der Trennung hat er seinen Wohnsitz im Nachbarlandkreis. Er glaubte wohl nicht mehr, wegen des Mordes belangt zu werden.

Kripo und Staatsanwaltschaft sind überzeugt, dass Hakan F. im Alter von 14 Jahren in das Haus in der Erdinger Altstadt eingebrochen ist. Er wurde von Theodora B. überrascht. Die Rentnerin begann zu schreien, Hakan F. stach zu und erwürgte die Frau. Noch nicht restlos geklärt ist, ob er die Tat alleine begangen hat. Dazu kam von der der Polizei lediglich die Information, dass die Ermittlungen trotz Festnahme und Geständnisses weitergehen.

Über diesen Fahndungserfolg freuen sich nicht nur die Ermittler. Erleichtert dürfte auch der mittlerweile 69 Jahre alte Sohn des Mordopfers sein. Der Mann, der im südlichen Landkreis Erding lebt, war unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat verdächtigt und mehrmals vernommen worden. Dieser hatte aber immer bestritten, den Mord begangen zu haben. Dennoch musste er fast drei Jahrzehnte lang mit der schweren Bürde leben, von einigen als Mörder gesehen zu werden. Das ist jetzt vorbei: Am Freitag bekam er Besuch von der Kripo, die ihm die freudige Mitteilung überbrachte, dass er vollends rehabilitiert sei.

Was war im April 1986 geschehen? Der Sohn hatte tagelang nichts von seiner Mutter gehört. Am Freitag, 11. April 1986, fuhr er zu dem Häuschen am Rätschenbach in der Erdinger Altstadt. Er klingelte. Als niemand öffnete, ging er um das Haus herum. Auf der Rückseite entdeckte er ein eingeschlagenes Parterrefenster. In der Wohnung fand er seine Mutter. Theodora B. lag in ihrem Blut. In der Brust steckte ein kleines Messer, ein zweites, größeres hatte der Täter in die Hüfte gerammt. Die Obduktion ergab jedoch, dass die 81-Jährige durch Erdrosseln zu Tode gekommen war. Im Erdinger Anzeiger vom 14. April 1986 hieß es, die betagte Frau müsse einem „rasenden Täter“ zum Opfer gefallen sein. Die Tote lag unweit des Telefons, bedeckt von zwei Kleidungsstücken. Anfangs machten Gerüchte die Runde, Theodora B. könnte einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen sein. Am Tatort fand sich zudem eine Notiz mit dem Vermerk: „Das ist der erste Fall.“ Die Wohnung war komplett verwüstet, Möbel waren umgestoßen, Schubladen aufgerissen. Der Boden war mit persönlichen Dingen der Toten übersät. Auffällig war auch, dass der Täter versucht hatte, Blutspuren wegzuwischen.

Opfer betrieb Zeitungsladen

Theodora B. war eine unbescholtene Bürgerin. Sie betrieb einen Zeitungsladen mit Leihbücherei. In den Monaten vor ihrem gewaltsamen Tod hatte sie sehr zurückgezogen gelebt. Es heißt, sie sei schwer krank gewesen. Unmittelbar nach der Tat herrschte in Erding großes Rätselraten, warum ausgerechnet die Zeitungsverkäuferin gewaltsam zu Tode kam. Sie galt nicht als vermögend.

Das alte Haus am Rätschenbach gibt es inzwischen nicht mehr. Es wurde vor einigen Jahren abgerissen. Dort befindet sich heute der Erweiterungsbau des Modehauses Gruber. Wenn Hakan F. der Prozess gemacht wird, muss Jugendstrafrecht angewendet werden. Denn zur Tatzeit war der Freisinger 14 Jahre alt. Ihm drohen maximal zehn Jahre Haft.

Von Hans Moritz

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