Staatsanwaltschaft erhebt Anklage im Fall Ursula s.

Mord in Erdweg: War das Motiv Geldgier?

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Im Oktober wurde Ursula S. in ihrem Haus in Großberghofen ermordet. Die Polizei durchsuchte das ganze Gebiet nach der Tatwaffe. Der Tatverdächtige wurde bald gefasst: ein 26-Jähriger aus Erdweg.

Großberghofen/Erdweg – Seine Verlobte saß in Aichach im Gefängnis. Um sie auszulösen, brauchte der 26-Jährige Geld: 1350 Euro. Deswegen musste Ursula S. aus Großberghofen sterben – glaubt zumindest die Staatsanwaltschaft München II.

Diese Tat hat im vergangenen Oktober den ganzen Landkreis erschüttert: Die alleinstehende Ursula S. wurde in ihrem Haus in Großberghofen brutal ermordet. Die ehemalige Gemeindemitarbeiterin war in Erdweg bekannt und beliebt. Nur wenige Tage später wurde ein Tatverdächtiger festgenommen: ein Drogenkonsument, der in einem Container am Erdweger Bauhof hauste.

Die Staatsanwaltschaft München II hat jetzt Anklage wegen Mordes erhoben. Sie geht davon aus, dass der bereits mehrfach wegen Drogendelikten und Körperverletzung polizeilich in Erscheinung getretene 26-Jährige dringend Geld brauchte. „Er wollte seine Verlobte auslösen, die eine Ersatzfreiheitsstrafe absaß“, sagt Staatsanwalt Ken Heidenreich. 1350 Euro sollte er dafür auf den Tisch legen. Doch woher nehmen?

26-Jähriger soll die Frau geschlagen, gewürgt und erstochen haben

Offenbar ging der Tatverdächtige davon aus, dass die 76-Jährige so viel Geld besaß. Schließlich war Ursula S. für den jungen Mann keine Unbekannte, er wohnte eine Zeitlang in unmittelbarer Nähe. Unter dem Vorwand, seinen Schlüssel verloren zu haben und deshalb telefonieren zu müssen – so die Einschätzung des Staatsanwalts –, klingelte der 26-Jährige am 28. Oktober 2014 bei Ursula S. und gelangte so ins Haus.

Wie die Staatsanwaltschaft ermittelte, nahm er die EC-Karte aus dem Geldbeutel, der sich in einer Handtasche befand. „Wir gehen davon aus, dass er die PIN-Nummer von ihr erfahren hat – nicht freiwillig“, so Heidenreich. Der 26-Jährige soll die Frau geschlagen und mit einem Kabel gewürgt haben, um die Zahlen zu erfahren. Als die Seniorin diese genannt habe, habe „sich der Arbeitslose auf sie gekniet und ihr mit einem Messer tiefe Stiche zugefügt, in der Absicht, sie umzubringen“, so der Staatsanwalt. 14 Mal soll der Drogenkonsument etwa elf Zentimeter tief in Gesicht und Hals von Ursula S. eingestochen haben. „Die Rentnerin ist am massiven Blutverlust in Kombination mit der Drosselwirkung verstorben.“

1350 Euro für Freundin, 2650 Euro für den Täter

Danach fuhr der 26-Jährige mit Bus und Bahn nach München, wo er an verschiedenen Automaten Geld abhob. Laut Staatsanwaltschaft insgesamt 4000 Euro. Mit den 1350 Euro löste er am nächsten Tag seine Verlobte aus, den Rest „hat er für eigene Zwecke verbraucht“, so Heidenreich.

Doch die Polizei kam ihm schnell auf die Spur, da er von den Videokameras der Banken aufgezeichnet worden war. Seitdem sitzt der junge Mann in Untersuchungshaft. „Der Tatverdächtige hat sich umfassend geäußert und zugegeben, an der Tat beteiligt gewesen zu sein“, sagt Heidenreich. Die Staatsanwaltschaft gehe von einem Einzeltäter aus – auch wenn es Gerüchte um mehrere Tatbeteiligte gegeben hatte. Bei der Suche nach der Tatwaffe seien zwei Messer gefunden worden, eines davon im Garten der Seniorin. Ob eines der Messer die Tatwaffe ist, muss noch geklärt werden.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Angeklagte schuldfähig ist. Ob er zum Tatzeitpunkt unter Drogeneinfluss stand, spiele derzeit keine Rolle. Die Anklageschrift sei dem Angeklagten und dessen Rechtsanwalt zugestellt worden. Nun können diese Stellung beziehen. Wenn das Gericht die Anklage zulasse, könnte die Hauptverhandlung nach Einschätzung von Heidenreich im Herbst stattfinden.

von Conny Kirmaier

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